Konstantin Veit, Portfoliomanager bei PIMCO, gibt seine Einschätzung zur anstehenden Sitzung der Europäischen Zentralbank wieder: „Im Umfeld der außerordentlichen Unsicherheit dürfte die EZB bei der anstehenden Sitzung die Zinsen unverändert belassen und ihren vorsichtigen, aber wachsamen Kurs beibehalten. Die Risiken sind derzeit für Wachstum und Inflation gleichermaßen erhöht, sodass die Währungshüter wahrscheinlich lieber die Juni-Projektionen abwarten, bevor sie potenzielle geldpolitische Anpassungen vornehmen.
Zwar haben die jüngsten Energiepreissteigerungen die Gesamtinflation erhöht, doch bleibt der zugrunde liegende Inflationsdruck insgesamt nahe dem mittelfristigen Ziel der EZB. Zudem zeigt das Lohnwachstum erste Anzeichen einer Abschwächung. Im Vergleich zur Zeit vor 2022 ist die EZB heute jedoch deutlich sensibler gegenüber einer Inflation oberhalb des Zielwerts. Dies spiegelt den vorsichtigeren, datenabhängigen Kurs der Währungshüter wider, die makroökonomischen Modellen allein mittlerweile weniger Bedeutung beimessen.
Wir erwarten weiterhin wachsame Zurückhaltung statt Tatendrang. Sollte der EZB-Rat dennoch auf Inflationsrisiken reagieren, ist lediglich mit moderaten Anpassungen zu rechnen. Ein Umfang von mehr als zwei Zinsschritten erscheint dabei unwahrscheinlich. Eine solche Anpassung dürfte in erster Linie darauf abzielen, die Inflationserwartungen zu steuern, statt mechanisch auf kurzfristige Schwankungen zu reagieren – insbesondere vor dem Hintergrund der weiter nachlassenden Wachstumsdynamik."
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