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„Schwellenländer beflügeln auch 2013 die Weltwirtschaft“, Dr. Andreas Busch, Senior Analyst Economics des Anleihemanagers Bantleon

Das Weltwirtschaftswachstum dürfte von 3,1% im Jahr 2012 auf 3,3% im Jahr 2013 leicht anziehen. Die Schwellenländer werden wohl auch dieses Jahr wieder wichtige Impulse für das Wachstum der Weltwirtschaft liefern – so sollte Chinas Wirtschaft um mindestens 8,3% wachsen, meint Dr. Andreas Busch, Senior Analyst Economics des Anleihemanagers Bantleon. Dem steht allerdings die im Jahresdurchschnitt nur moderate Erholungsdynamik in den USA gegenüber, die unter den fiskalischen Bremseffekten vom Jahresanfang leiden.

BOND MAGAZINE: Herr Dr. Busch, die Meinungen zur chinesischen Volkswirtschaft gehen derzeit weit auseinander. Wie beurteilen Sie Chinas Perspektiven für das Jahr 2013?

Dr. Andreas Busch: Bereits im 4. Quartal 2012 hat das Wirtschaftswachstum in China – ausgehend vom zyklischen Tiefpunkt bei 7,4% im 3. Quartal – wieder auf 7,9% angezogen. Im Jahr 2013 sollte die Erholung weiter an Fahrt aufnehmen. Zum einen stimuliert das erneut anziehende Gewinnwachstum die Investitionsnachfrage der Unternehmen. Zum anderen dürfte die Lagerkorrektur, die in den vergangenen Quartalen das Wachstum gebremst hat, inzwischen abgeschlossen sein. Zudem lässt der Immobilienmarkt eine Belebung erkennen: Die steigenden Verkaufszahlen deuten auf eine wieder zulegende Bauaktivität hin. Abgerundet wird dieser freundliche Ausblick durch ermutigende Signale von der neuen chinesischen Parteispitze, die moderate fiskalische Stimuli in Aussicht stellt. Die Skepsis vieler Marktteilnehmer, wonach die Investitionen nur langsam zulegen und damit die Expansionsdynamik dämpfen, teilen wir nicht. In einer aufstrebenden Volkswirtschaft mit Chinas Entwicklungsstand ist der Investitionsbedarf auch nach mehreren Jahren mit kräftigem Investitionswachstum unverändert groß. Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen steht China derzeit auf der Entwicklungsstufe, auf dem sich Japan vor fast 50 Jahren und Südkorea vor rund 25 Jahren befand. Beide Länder hatten damals ebenfalls außergewöhnlich hohe Investitionsquoten, die viele Jahre weiter bestanden, bevor sich eine Abschwächung zeigte. Konkret dürfte in China der bereits erwähnte, ungebrochene Trend zur Verstädterung kräftig wachsende Investitionen erfordern. Darüber hinaus ist der Wandel von einer Agrar- hin zu einer Industrienation weiterhin in vollem Gange, was die Kapitalgüternachfrage ebenfalls auf längere Sicht stützen wird. Vor diesem Hintergrund sehen wir in deutlich zulegenden Investitionsausgaben auch im Jahr 2013 einen wichtigen Wachstumsmotor – die chinesische Wirtschaft sollte entsprechend in diesem Jahr um mindestens 8,3% wachsen.

BOND MAGAZINE: Wie geht es in den USA weiter?

Busch: Die Perspektiven für die US-Wirtschaft im Jahr 2013 sind zweigeteilt. Am Jahresanfang dürfte die Fiskalkonsolidierung das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes spürbar dämpfen – in der zweiten Jahreshälfte sollte sich aber eine Belebung zeigen, die die Wachstumsraten sogar leicht über das Potentialniveau von rund 2,5% hebt. Im Jahresdurchschnitt 2013 rechnen wir mit einem Plus von 1,6% (nach 2,2% in 2012), womit wir etwas zurückhaltender als der Konsensus sind, der von 2,0 Prozent ausgeht. In diesem Umfeld bleibt der Teuerungsdruck gering – die Kerninflationsrate dürfte ausgehend von derzeit 1,9 Prozent weiter leicht sinken. Eine zentrale Triebkraft der im Jahresverlauf an Kraft gewinnenden Erholung wird die Wiederbelebung des Immobilienmarktes sein. Dafür spricht zum einen, dass der Angebotsüberhang an leerstehenden Häusern inzwischen deutlich reduziert wurde. Zum anderen beginnt auch die Nachfrage nach Wohnraum wieder zuzulegen. In der jüngsten Rezession war die Zahl der Haushaltsgründungen auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken – im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2010 lag sie nur noch bei 500.000 – , was die Nachfrage nach Häusern massiv gebremst hat. In den kommenden Jahren rechnen wir wegen des aufgestauten Nachholbedarfs mit einer hohen Zahl an Haushaltsneugründungen. Weil der Bestand an leerstehenden Häusern inzwischen deutlich zurückgegangen ist, sollte die Bauwirtschaft unmittelbar von diesem Trend profitieren. Positiv ist auch der Ausblick für die Investitionsgüternachfrage. Aufgrund der Unsicherheiten über die künftige Steuerpolitik der Regierung hatten die Unternehmen im Jahr 2012 ihre Investitionen in Maschinen und Anlagen tendenziell zurückgefahren. Die zuletzt aufgeschobenen Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen sollten wegen des jüngsten Kompromisses der US-Regierung zur Steuerpolitik schrittweise realisiert werden und damit das Wirtschaftswachstum wieder stützen.

BOND MAGAZINE: Und wie wird sich die Eurozone entwickeln?

Busch: Die Wirtschaft der Eurozone hat Ende 2012 das zyklische Tief durchschritten. Das laufende Jahr steht einmal mehr im Zeichen der außenwirtschaftlichen Belebung. Die Binnennachfrage wird hingegen von der restriktiven Fiskalpolitik und rückläufigen Lohndynamik gebremst. Konsum und Investitionen dürften deshalb nochmals schrumpfen. Per Saldo stagniert im Jahr 2013 das Bruttoinlandsprodukt. Eine Trendwende mit 1,0 Prozent Wirtschaftswachstum erwarten wir für 2014. Zugleich dürften sich dann jedoch die externen Impulse abschwächen.

BOND MAGAZINE: Was stimmt Sie vorsichtig optimistisch für die Eurozone?

Busch: Mindestens vier Gründe sprechen dafür, dass sich in der Eurozone in den nächsten Monaten ein zyklischer Aufwärtstrend entwickelt. Erstens ist die Korrektur der Vorratsbestände in der Industrie weit vorangeschritten. Zweitens nimmt der außenwirtschaftliche Rückenwind zu, vor allem aus China und im Laufe des Jahres auch aus den USA. Drittens haben sich die Finanzierungskonditionen seit dem »Draghi-Put« – also der Zusage der Notenbank, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen – auf breiter Front verbessert. In den Kernstaaten sind Kreditzinsen und Kapitalmarktrenditen so tief wie nie zuvor und in Südeuropa sind sie zumindest gesunken. Viertens haben die Spannungen in der Eurozone nachgelassen. Noch Mitte 2012 malten nicht wenige Experten den Zerfall der Währungsunion an die Wand. Die damit verbundene Unsicherheit war Gift für die Investitionsnachfrage. Zwar gibt es noch zahlreiche Stolpersteine, aber zugleich auch einen starken Willen zum Erhalt der Währungsunion.

BOND MAGAZINE: Was bedeuten diese Entwicklungen für die Weltwirtschaft?

Busch: Das Weltwirtschaftswachstum dürfte von 3,1% im Jahr 2012 auf 3,3% im Jahr 2013 leicht anziehen. Die Schwellenländer sollten auch dieses Jahr wieder wichtige Impulse für das Wachstum der Weltwirtschaft liefern. Dem steht indes die im Jahresdurchschnitt gebremste Erholungsdynamik in den USA gegenüber.
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