YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Waffenstillstand im Iran - Eine Rallye der Erleichterung, aber noch kein Entwarnungssignal

von Stephen Dover, Chef-Marktstratege und Leiter des Franklin Templeton Institute

Stephen Dover © Franklin Templeton Institute

US-Präsident Donald Trump gab heute bekannt, dass sich die USA und der Iran auf einen zwei­wöchigen Waffen­still­stand geeinigt haben, der an die Wieder­öffnung der Straße von Hormus geknüpft ist. Die Märkte interpretierten dies sofort als Deeska­lation des größten makro­ökono­mischen Risikos: eines Ver­sorgungs­schocks. In der Folge fielen die Ölpreise stark, während die US-Aktien­futures zulegten.

Was sagt der Markt wirklich? Warum dies heute für die Märkte wichtig ist Was könnte schiefgehen? Auswirkungen auf die Anlagepolitik Fazit: Der heutige Waffenstillstand ist eindeutig marktpositiv, da er das Risiko eines durch Ölpreisanstiege verursachten Inflations- und Wachstumsschocks direkt verringert. Angesichts seines vorübergehenden und an Bedingungen geknüpften Charakters sollte er jedoch als Erholungsrallye betrachtet werden – nicht als endgültiges Entwarnungssignal.

Was sagt der Markt wirklich?

•  Der Markt baut eine Kriegsprämie ab: Die unmittelbaren Auswirkungen sind niedrigere Ölpreise, nachlassende Inflationsängste und eine geringere Wahrscheinlichkeit eines energiebedingten Wachstumsschocks. Diese Kombination treibt die Aktienrallye und den Rückgang der Rohölpreise an.

•  Dies ist kurzfristig bullisch für den breiten Markt: Niedrigere Energiekosten entlasten Verbraucher und Unternehmensmargen, wovon insbesondere Transportunternehmen, Fluggesellschaften, Industrieunternehmen und zinssensitive Wachstumsaktien profitieren. Diese Entwicklung würde sowohl die Gewinnaussichten als auch das Inflationsumfeld verbessern.

•  Die Botschaft lautet „weniger schlimm“, nicht „Problem gelöst“: Der Waffenstillstand ist vorübergehend und hängt davon ab, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird und offen bleibt. Der Iran hat dies als Verhandlungspause und nicht als Lösung dargestellt.

Was für den Markt wirklich wichtig ist:

•  Öl war der Übertragungsmechanismus: Die makroökonomischen Auswirkungen des Konflikts zeigen sich vor allem in den Energie- und Handelsströmen. Die Störungen haben nicht nur Rohöl, sondern auch Flüssigerdgas (LNG), Düngemittel, Helium und die Transportkosten beeinträchtigt. Wenn die Ölpreise weiter fallen und sich die Logistik normalisiert, können die Märkte beginnen, Stagflationsrisiken abzubauen.

•  Das Inflationsumfeld verbessert sich geringfügig: Ein anhaltender Rückgang der Ölpreise würde den kurzfristigen Inflationsdruck geringfügig mindern. Das ändert zwar nicht plötzlich die Aussichten für die Politik der Federal Reserve, reduziert aber eines der deutlichsten Aufwärtsrisiken für die US-Inflation.

•  Die Breite des Marktes dürfte sich verbessern, wenn dieser Waffenstillstand hält: Eine dauerhafte Deeskalation würde wahrscheinlich zu einer Umschichtung weg von defensiven und rohstoffgebundenen Titeln hin zu zyklischen Werten und Qualitätswachstum führen.

•  Der Schaden ist bereits angerichtet. Die Energieinfrastruktur im gesamten Golf ist getroffen worden, und die Wiederherstellung der vollen Produktionskapazität wird Zeit brauchen. Eine Normalisierung des Angebots wird nicht sofort erfolgen, was bedeutet, dass die Preise für Öl, Erdgas und Düngemittel wahrscheinlich nicht schnell auf das Vorkriegsniveau zurückfallen werden.

Wo stecken die Herausforderungen?

•  Hormuz ist das entscheidende Signal. Die entscheidende Variable ist nicht die Schlagzeile über den Waffenstillstand, sondern ob sich die Schifffahrtsströme, die Versicherungskosten und der tatsächliche Energietransit normalisieren. Das Vertrauen in eine sichere Durchfahrt bleibt ungewiss.

•  Die Ölpreise bleiben auf hohem Niveau. Selbst nach dem heutigen Rückgang liegt Brent-Rohöl weiterhin deutlich über seinem Vorkriegsniveau von rund 73 US-Dollar, was darauf hindeutet, dass eine gewisse geopolitische Risikoprämie fortbesteht.

•  Ein Blick auf China: Ein nachlassendes Energierisiko dürfte Chinas Wachstumsaussichten und die globalen Handelsströme im Vorfeld des US-China-Gipfels Ende Mai stabilisieren, das makroökonomische Tail-Risiko senken und möglicherweise einen konstruktiveren Verhandlungston begünstigen.

•  Die Lage kann sich schnell wieder umkehren. Jeder Verstoß gegen den Waffenstillstand, erneute Bedrohungen der Infrastruktur oder das Scheitern einer sinnvollen Wiederöffnung von Hormuz könnten die Ölpreise und die makroökonomische Volatilität rasch wieder anfachen.

Investment-Auswirkungen:

•  Kurzfristig betrachten wir die jüngsten Nachrichten als eine Risikobereitschaft. Die Märkte dürften positiv auf die Entspannung der unmittelbaren Tail-Risiken reagieren.

•  Wir halten an unserer Empfehlung fest, ein breites Aktienengagement beizubehalten. Sollte die Deeskalation anhalten, würden die Sektoren am meisten profitieren, die durch den Ölpreisanstieg am stärksten unter Druck geraten sind.

•  Noch ist es zu früh, um einen Sieg zu verkünden. Die richtige Sichtweise lautet: zunächst eine Erholungsrallye, später möglicherweise eine Neubewertung.

•  Anleger sollten sich auf Echtzeitindikatoren konzentrieren. Unserer Ansicht nach werden die Rohölpreise, der Tankerverkehr und die Transportbedingungen mehr Aufschluss geben als politische Schlagzeilen.

www.fixed-income.org 

 

Investment
TJ Scavone, Senior Invest­ment Director bei Cam­bridge Asso­ciates, hält einen anhal­tenden, ungeord­neten Anstieg der Renditen von Staats­anleihen…
Weiterlesen
Investment
Wer derzeit in KI-Aktien inves­tieren will, findet eine viel­fältige Auswahl unter­schied­licher Risiko-Ertrags-Profile vor. Anders verhält es sich…
Weiterlesen
Investment

von Arif Husain, Head Global Fixed Income und CIO Fixed Income bei T. Rowe Price

Dass die Rendite 10-jähriger US-Staats­anleihen 5% erreicht hat, ist ein wichtiger Meilen­stein, doch die wichtigere Frage für Anleger ist, ob 5% das…
Weiterlesen
Investment
Die „Zwischen­wahl­zeit“ ist in Deutsch­land meistens eine sehr interes­sante Zeit. Gemeint ist die Zeit zwischen den Landtags­wahlen, die immer als…
Weiterlesen
Investment
Ein stärkerer Yen und der deutliche Rendite­anstieg japa­nischer Staats­anleihen (JGBs) könnten erheb­liche Aus­wir­kungen auf inter­natio­nalen…
Weiterlesen
Investment

von Felipe Villarroel, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management

Die Fed steht vor einem schwie­rigen Balance­akt. Während die Inflation weiterhin über dem Zielwert liegt und die jüngsten Ent­wick­lungen –…
Weiterlesen
Investment
Ich bin alt­modisch. Wenn mich jemand auf dem Frank­furter Römer anspricht und mich bittet, ihm 20.000 Euro zu leihen, dann stelle ich Fragen. Nicht…
Weiterlesen
Investment
2026 war bislang alles andere als ein lang­weiliges Jahr an den Finanz­märkten. Geo­politik und künst­liche Intelli­genz prägten die Schlag­zeilen –…
Weiterlesen
Investment
Multitude möchte im laufenden Jahr den Net Profit auf 30 Mio. Euro steigern, nach 26,6 Mio. Euro im Vorjahr. Die Gruppe hat in den letzten fünf Jahren…
Weiterlesen
Investment
Ich berichte seit 2010 über Anleihen, aber so etwas wie aktuell habe ich noch nicht erlebt. Einige Anleihen, die in diesem Jahr öffent­lich platziert…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!