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„Wir wissen, dass man in Russland arbeiten kann“, Wolfgang Bläsi, CFO, Ekosem-Agrar und Ekotechnika

In den vergangenen Tagen hatte die politische Krise auf der Krim auch erhebliche Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Ganz besonders davon betroffen waren russische Unternehmen bzw. Unternehmen, die operativ in Russland tätig sind. Im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE nimmt Wolfgang Bläsi, CFO von Ekosem-Agrar und Ekotechnika zur aktuellen Geschäftsentwicklung und zu den möglichen Auswirkungen der politischen Krise Stellung.

BOND MAGAZINE: Wie entwickeln sich Ekosem-Agrar und Ekotechnika operativ?

Bläsi: Ekotechnika hat letzte Woche die Zahlen zum 30.09.2013 veröffentlicht; der geprüfte IFRS-Konzernabschluss folgt in den nächsten Tagen. Wie bereits im November gemeldet, war das Jahresergebnis leicht negativ. Hierfür waren im Wesentlichen die hohen Finanzierungskosten verantwortlich, die zum Teil von Währungskursen beeinflusst sind. Operativ haben wir weiteres Wachstum in Umsatz und Ergebnis erzielt. Wie es in diesem Jahr weitergehen wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen – die Landwirtschaft steht kurz vor dem Beginn der neuen Saison und die nächsten Monate sind die verkaufsstärksten in unserem saisonal geprägten Geschäft. Wir sind mit einem neu aufgestellten Management dabei, die wesentlichen Faktoren Vorratsvermögen und Finanzierung zu verbessern und gehen davon aus, dass sich dies im laufenden Jahr positiv auswirken wird.

In der Ekosem-Agrar-Gruppe profitieren wir weiter von den historischen Höchstständen im Milchpreis – gerade erst haben wir den Preis bei einem Kunden um 15 Prozent erhöht. Weltweit ist Milch ein gefragtes Gut. Die Nachfrage wird insbesondere von China getrieben. Im vom Import abhängigen Russland führt das weiterhin zu einem Anstieg der Milchpreise. Wir haben in diesen Tagen in der Tagesproduktion die 400-Tonnen Marke geknackt und damit unsere Führungsposition weiter gefestigt. Im Pflanzenbau beginnt die Saison erst noch, so dass man hier noch keine zuverlässigen Prognosen geben kann, jedoch ist das Wintergetreide gut durch den Winter gekommen.

BOND MAGAZINE: Welche Risiken könnten sich für Ekosem-Agrar und Ekotechnika durch die geopolitische Situation (Russland-Ukraine-Konflikt) ergeben?

Bläsi: Im operativen Geschäft sehen wir aktuell keine nachhaltigen Auswirkungen. Sicherlich kann ein – länger anhaltender – Konflikt, in dessen Verlauf z. B. Handelsbeschränkungen erlassen werden, Auswirkungen haben – diese sehen wir aber heute nicht. Auch die Veränderung von Wechselkursen sowie Finanzierungskosten in Russland könnte folgen. Doch wie gesagt – wir gehen eher von einer baldigen Normalisierung der Situation aus.

Die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft, und die Milch-Erzeugung ganz besonders, sind in Russland weiterhin positiv. Anders als in der Ukraine. Wir haben vor einigen Jahren auch überlegt, uns in der ukrainischen Landwirtschaft zu engagieren, da vordergründige Vorteile wie Klima und niedriges Lohnniveau dafür sprechen. Aufgrund der unstabilen politischen Lage und der korrupten wirtschaftlichen Verhältnisse, haben wir uns jedoch dagegen entschieden.

BOND MAGAZINE: Wie sieht es mit Währungsrisiken aus? Ist nicht bei beiden Unternehmen ein Rating-Downgrade wahrscheinlich?

Bläsi: Tatsächlich hat Creditreform das Ekotechnika-Rating im jährlichen Update gerade auf B reduziert. Dafür waren unter anderem Währungseffekte auf der Finanzierungsseite verantwortlich die es bei Ekosem nicht gibt. Die Veränderung der Wechselkurse hat sowohl negative als auch positive Auswirkungen. Wir verkaufen zwar praktisch ausschließlich in Rubel, allerdings sind die Verkaufspreise immer in irgendeiner Form an Euro oder US-Dollar geknüpft. Im Maschinenhandel verkaufen wir zu Dollar-Preisen, zahlbar in Rubel zum Wechselkurs am Zahlungstag. Dies bedeutet, dass die Umsätze bei Abschwächung des Rubel steigen. Andererseits sind von Maschinenkosten abgesehen die meisten Kosten in Rubel; der Anstieg dieser Kosten geschieht deutlich langsamer.

In der Landwirtschaft sehen wir im Verlauf der letzten 12 Monate – also seit der Rubel schwächer wird – einen deutlichen Anstieg der Milchpreise um mehr 30 Prozent. Wir haben gerade diese Woche von unserem Hauptkunden Danone einen weiteren Zuschlag von 2,5 Rubel pro Kilo Milch zugesagt bekommen, der ab Mitte der Woche gilt. Dieser ist direkt mit der Abwertung des Rubel verbunden. Auch in der Finanzierung erleichtert uns das die Rückführung von Rubel Krediten und damit einem wesentlichen Teil unseres Fremdkapitals. Auf der Seite der Euro-Verbindlichkeiten ergibt sich dagegen ein negativer Einfluss. In Summe überwiegen bei Ekosem die positiven Einflüsse eines schwachen Rubels.

BOND MAGAZINE: Wenn sich die geopolitische Lage nicht sehr rasch und deutlich entspannt, dann dürfte eine Refinanzierung für Ekosem-Agrar über den westlichen Kapitalmarkt sehr schwer werden, die von Ekotechnika ist aufgrund der operativen Entwicklung über den Mittelstandssanleihemarkt praktisch ausgeschlossen. Wie sieht Ihr Plan B aus?

Bläsi: Wie lange der Konflikt anhält und wie stark die Auswirkungen sein werden, ist aktuell reine Spekulation. Auch die einseitige Darstellung von westlicher Politik und westlichen Medien ist wiederum eine Vereinfachung der Situation – es gab und gibt in der Ukraine auch pro-russische Stimmen, die im Westen nicht wahrgenommen werden. Wir gehen davon aus, dass die gegenseitigen Abhängigkeiten und Interessen dazu führen, dass der Konflikt nicht weiter eskaliert und auch nicht sehr lange anhält.

Die erste Anleihe von Ekosem-Agrar wird erst in drei Jahren fällig. Bis dahin wird sich bei Ekosem und bei Ekotechnika noch viel tun. Wir hatten bereits zur jeweiligen Emission verschiedene Szenarien aufgezeigt, wie wir die Anleihen zurückführen – eine Refinanzierung über die Kapitalmärkte war eine davon, die wir nach wie vor als valide betrachten. Darüber hinaus prüfen und diskutieren wir weiterhin Finanzierungen außerhalb des Kapitalmarktes – mit Banken oder Investorengruppen. In der Ekosem-Gruppe wird außerdem die Wachstumsgeschwindigkeit aktuell etwas gedrosselt, so dass wir auch über die Generierung von Cash eine weitere Option haben. Schließlich war der Verkauf einzelner Teilbetriebe schon immer ein mögliches Szenario. Wir sind davon überzeugt, dass ein Mix dieser Maßnahmen die Rückführung unserer Verbindlichkeiten sicherstellt.

BOND MAGAZINE: Wenn Sie sich mal die Geschäftsberichte von internationalen Brauereikonzernen durchlesen, werden Sie einige Absätze zur Verlässlichkeit der russischen Wirtschaftspolitik finden. Auf was können sich Investoren in Russland überhaupt noch verlassen?

Bläsi: Ich muss gestehen, dass ich mich in der Brauereiszene nicht besonders gut auskenne. Meines Wissens hat die Branche in der Vergangenheit sehr gut verdient – und sie klagen auf hohem Niveau. Außerdem weiß ich zufällig aus einem Gespräch diese Woche, dass Frankreich im letzten Jahr die Biersteuer um über 150 % erhöht hat – es gibt also überall Herausforderungen für bestimmte Branchen. Aus meiner eigenen Erfahrung und auch aus zahlreichen Gesprächen mit ganz verschiedenen Unternehmen – so sind allein rund 6.000 deutsche Unternehmen in Russland aktiv – weiß ich, dass es viele positive Entwicklungen in Russland gibt. Russland ist für viele ein wichtiger Markt, ein interessanter Markt und ein Markt, in dem man Geld verdienen kann. Es gibt wie überall in aufstrebenden Ökonomien Chancen und Risiken. Natürlich gibt es Dinge, die sich verbessern müssen – ich warne aber davor, auf der ganzen Welt mit unserer deutschen Brille zu kommen und die Historie dieser Länder und deren Entwicklung einfach zu ignorieren. Jedes Land der Welt hat seine spezifische Geschichte, die Konsequenzen für Entwicklungsrichtung und –geschwindigkeit hat.

Wie gesagt – wir wissen, dass man in Russland arbeiten kann, tun dies seit Jahrzehnten gut und werden das auch weiter gerne tun!

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org

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