Ein Großteil der Welt fragt sich derzeit, wie lange es dauert, bis sich die Energiepreise in verschiedenen Szenarien des Irankonflikts wieder normalisieren.
Die Antwort von PIMCO-Ökonomin Tiffany Wilding fällt ernüchternd aus: Selbst wenn sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder normalisieren sollte, dürfte es einige Zeit dauern, bis sich die Weltwirtschaft von einer der größten Störungen der Ölversorgung seit Jahrzehnten erholt.
Schifffahrts-Beschränkungen lösen sich nicht einfach so auf
Es wird Zeit brauchen, den erheblichen Rückstau an Tankern und Frachtschiffen aufzulösen. Fahrpläne, Hafenkapazitäten und Versicherungsschutz passen sich nur verzögert an. Was an den Zielmärkten letztendlich ankommt, dürfte daher auch nach Wiederöffnung zunächst eingeschränkt bleiben.
Infrastruktur-Schäden erhöhen Unsicherheit
Im aktuellen Konflikt wurden Teile der regionalen Logistik-Infrastruktur beschädigt. In einem System mit ohnehin knappen Kapazitäten kann das verheerende Folgen haben. Die Märkte preisen normalerweise einen Sicherheitsaufschlag ein – und zwar bis die Funktionsfähigkeit tatsächlich wiederhergestellt ist, unabhängig von Ankündigungen.
Wiederaufbau globaler Lagerbestände erhält Nachfragedruck aufrecht
Bislang konnten gut gefüllte Lager außerhalb des Nahen Ostens die unterbrochenen Lieferströme noch abfedern. Sinken die Bestände aber weiter, ohne dass sich der Schiffsverkehr merklich verbessert, drohen erneute Preissprünge und schärfere finanzielle Bedingungen. Denn dann passt sich die globale Nachfrage an das geringere Angebot an.
Und die erhöhte Nachfrage könnte auch bei einer Wiederaufstockung der Lagerbestände anhalten und die Preise länger oben halten.
Risiko bleibt eingepreist
Der Iran hat gezeigt, dass er einen wichtigen Knotenpunkt der Weltwirtschaft erheblich stören kann. Selbst bei einer Entspannung werden die Märkte dieses Risiko kaum vollständig auspreisen, insbesondere bei langfristigeren Kontrakten.
Die Terminkontrakte am Energiemarkt spiegeln das wider: Futures für Ende 2026 und darüber hinaus notieren auch in Phasen der Deeskalation auf erhöhtem Niveau. Nicht weil zwangsläufig eine erneute Störung bevorsteht, sondern weil sich die Risikowahrnehmung verschoben hat.
www.fixed-income.org
