Bei täglich neuen Entwicklungen im Iran-Krieg bleibt unser Basisszenario eine mittelfristige Entspannung. Ein Portfolio, das Wert auf Bilanzqualität und Resilienz legt, kann eine solche Krise gut überstehen.
Der Krieg geht nun in die vierte Woche und entwickelt sich mit den Auswirkungen auf die Ölmärkte ähnlich wie beispielsweise bei der Invasion der USA in Kuweit 1990. Damals korrigierten US-Aktien 14 Prozent und der Ölpreis stieg um 50 Prozent. Ähnliche Krisen in der Vergangenheit haben aber keinen langfristigen Effekt auf die Finanzmärkte gehabt, die Aktienmärkte haben sich jeweils in den folgenden drei bis vier Monaten wieder erholt. Solange jedoch die Energiepreise hoch sind, sind Europa und energieabhängige Schwellenländer im Nachteil.
Mit Blick auf die Midterm-Elections in den USA ist es aus Sicht der Republikaner wichtig, den Krieg schnell zu beenden und den Ölpreis zu senken. Dazu wird Präsident Trump zu Kompromissen bereit sein. Und auch das verbleibende iranische Regime muss sich fragen, wie stark sie bereit sind, ihre wirtschaftliche Basis zu gefährden.
In fast allen Szenarien, die wir betrachten, profitieren Rohstoffe, Gold und Energieaktien. Im aktuellen Szenario des Energiepreisschocks reagieren Energieaktien am stärksten. Wir glauben, dass diese auch mittelfristig attraktiv sind. Selbst wenn sie bei einer Entspannung korrigieren werden, sind sie kurzfristig eine gute Absicherung gegen eine weitere Eskalation. Gold korrigiert momentan stark, weil nervöse Marktteilnehmen nach den starken Anstiegen im vergangenen Jahr Gewinne mitnehmen. Dennoch bleibt es langfristig attraktiv, auch wegen der ausufernden Staatsverschuldungen. Es zeigt sich aber auch, dass systematisches Rebalancing auch bei Gold wichtig ist. Wer kein Gold im Portfolio hat, kann jetzt schrittweise zukaufen.
Der aktuelle Konflikt verdeutlicht Umwälzungen, die sich schon seit einiger Zeit abzeichnen. Die veränderte Weltordnung wird die Aufrüstung vorantreiben, was die Staatsverschuldungen weiter belasten wird. Langfristige Staatsanleihen in USA und Europa gilt es deshalb zu meiden, liquide Alternativanlagen bieten bessere Diversifikationsmöglichkeiten. Zudem zeigt der Konflikt deutlich, dass sich der globale Kampf um kritische Rohstoffe beschleunigen wird. Rohstoffe und Rohstoffaktien sind damit strukturell attraktiv.
Und nicht zuletzt wird die Welt immer multipolarer. Die Dominanz der USA schwindet und wird somit auch in den Weltmarktindizes zurückgehen. Wir empfehlen bei einer Beruhigung in den Schwellenländern und Europa zuzukaufen.
Torsten Steinbrinker ist CEO, Adrian Roestel Leiter Portfoliomanagement der Reichmuth Integrale Vermögensverwaltung AG. Dr. Matthias Ramser ist Chief Investment Officer (CIO) von Reichmuth & Co Privatbankiers.
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