Die Arteus Energy GmbH möchte mit den Mitteln aus der Anleiheemission den Ausbau der Pipeline beschleunigen, Agri-PV- und BESS-Projekte im Eigenbestand realisieren sowie neue Märkte und Technologien erschließen. Arteus Energy hat zudem einen Rahmenvertrag mit einem renommierten Investor über ein Eigenkapitalvolumen von bis zu 50 Mio. Euro abgeschlossen. Zusätzlich sichert ein Joint Venture mit der Samsung C&T Renewable Energy Europe GmbH eine millionenschwere Entwicklungsfinanzierung. Die Projektpipeline von Arteus umfasst derzeit rund 330 MW Agri-Photovoltaik sowie rund 1.950 MW Batteriespeicher und bildet damit das Fundament des weiteren Wachstums, wie Sebastian Böhmer, Gründer und Geschäftsführer der Arteus Energy GmbH erläutert.
GREEN BONDS: In welchen Bereichen ist die Arteus Energy tätig?
Böhmer: Wir agieren als integrierter Projektentwickler und unabhängiger Stromerzeuger im Bereich der erneuerbaren Energien. Unser Fokus liegt aktuell auf Agri-Photovoltaik und Batteriespeichersystemen (BESS), weil wir überzeugt sind, dass gerade die Kombination beider Technologien die zentralen Herausforderungen der Energiewende gezielt adressiert. Agri-PV ermöglicht eine doppelte Flächennutzung, reduziert Nutzungskonflikte und verbessert die Wirtschaftlichkeit gegenüber klassischen Freiflächenanlagen. Batteriespeicher schaffen zusätzliche Flexibilität, stabilisieren die Netze und eröffnen Erlöspotenziale aus Stromhandel und Systemdienstleistungen.
Unser integrierter Ansatz unterscheidet uns von vielen klassischen Projektentwicklern. Während dort häufig der Projektverkauf im Vordergrund steht, bauen wir Schritt für Schritt ein eigenes Portfolio als Independent Power Provider auf. Auf diese Weise erzielen wir nicht nur Entwicklungserlöse, sondern vor allem auch langfristig wiederkehrende und planbare Cashflows aus Stromproduktion, Direktvermarktung, Power Purchase Agreements und Batteriespeichern.
GREEN BONDS: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?
Böhmer: Der Emissionserlös ist vollständig für die Finanzierung unseres weiteren Wachstums vorgesehen. Unser Fokus liegt darauf, den Ausbau unserer Pipeline zu beschleunigen, Agri-PV- und BESS-Projekte im Eigenbestand zu realisieren sowie neue Märkte und Technologien zu erschließen. Die Anleihemittel werden also unmittelbar wertschöpfend eingesetzt. Jede Investition soll den Unternehmenswert erhöhen, die Pipeline in operative Anlagen überführen und damit die Grundlage für wiederkehrende Cashflows schaffen. Unser Ziel ist es, die Transformation von einem projektgetriebenen Geschäftsmodell hin zu einem Bestandshalter mit planbaren Erträgen konsequent zu beschleunigen und dadurch die Ertragsqualität unseres Unternehmens nachhaltig zu erhöhen.
GREEN BONDS: Sie möchten also einen Großteil der Projekte im eigenen Bestand halten?
Böhmer: Genau das ist unsere strategische Zielsetzung, weil langfristig der größere Unternehmenswert durch den Betrieb eigener Erzeugungsanlagen entsteht. Mit jeder Anlage, die wir im Bestand halten, bauen wir wiederkehrende Erlösquellen auf und reduzieren gleichzeitig die Abhängigkeit von einzelnen Projektverkäufen. Zudem bedeutet dies eine höhere Visibilität der künftigen Ertragsentwicklung und eine noch stabilere Unternehmensbasis. Sollte ein Verkauf unter Renditegesichtspunkten oder zur Optimierung der Kapitalallokation sinnvoll sein, werden wir diese Option selbstverständlich prüfen. Unser Grundsatz lautet jedoch, dass wir den langfristigen Wertbeitrag eines Projekts höher gewichten als einen kurzfristigen Veräußerungsgewinn. Die Größe unserer Pipeline verschafft uns dabei den notwendigen Handlungsspielraum. Wir können unser Portfolio gezielt steuern und individuell entscheiden, welche Projekte dauerhaft im Bestand bleiben und welche gegebenenfalls veräußert werden, um Kapital für weiteres Wachstum freizusetzen. Diese Flexibilität schafft aus unserer Sicht eine stabile Grundlage für nachhaltiges Wachstum und eine kontinuierliche Wertsteigerung unseres Unternehmens.
GREEN BONDS: Wie groß ist Ihre Pipeline und in welcher Phase befinden sich die Projekte?
Böhmer: Unsere Projektpipeline umfasst derzeit rund 330 MW Agri-Photovoltaik sowie rund 1.950 MW Batteriespeicher und bildet damit das Fundament unseres weiteren Wachstums. Der von einer Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft plausibilisierte Fair Value unseres Gesamtportfolios beträgt rund 25 Mio. Euro, wovon ca. 14,8 Mio. Euro auf Agri-PV und ca. 10,1 Mio. Euro auf BESS entfallen.
Entscheidend ist jedoch nicht allein die Größe, sondern vor allem die Struktur der Pipeline. Wir verfügen über Projekte in nahezu allen Entwicklungsphasen – von der Flächensicherung über die Genehmigungs- und Planungsphase bis hin zu fortgeschrittenen beziehungsweise baureifen Vorhaben. Dadurch entsteht ein ausgewogenes Portfolio mit unterschiedlichen Zeithorizonten, das sowohl kurzfristige Wertrealisierungen als auch den kontinuierlichen Aufbau unseres Eigenbestands ermöglicht. Gleichzeitig reduziert diese Diversifikation das Risiko, dass Verzögerungen einzelner Projekte den gesamten Unternehmensfortschritt beeinträchtigen. Für uns als wachsenden IPP stellt eine solche Pipeline den wesentlichen Werttreiber dar, weil sie die Grundlage für zukünftige Investitionen, steigende Stromerzeugung und langfristig planbare Cashflows bildet.
GREEN BONDS: Ihre Pipeline ist deutlich größer als die Projekte, die Sie aktuell im Bestand halten. Wie wollen Sie das Wachstum finanzieren? Die 8 Mio. Euro aus der Anleihe dürften wohl nicht ausreichen.
Böhmer: Die Größe unserer Pipeline erfordert in der Tat eine mehrschichtige, professionelle Finanzierungsstruktur, die wir auch schon erfolgreich etabliert haben. Neben dem Anleihekapital setzen wir auf eine starke Kombination aus namhaften strategischen Partnerschaften und institutionellem Eigenkapital. So haben wir zum Beispiel einen Rahmenvertrag mit einem renommierten Investor über ein Eigenkapitalvolumen von bis zu 50 Mio. Euro abgeschlossen. Zusätzlich sichert uns ein Joint Venture mit der Samsung C&T Renewable Energy Europe GmbH eine millionenschwere Entwicklungsfinanzierung. Die Anleihe stellt also in der Tat nicht die vollständige Finanzierung unserer Wachstumsstrategie dar, sondern einen gezielten Baustein innerhalb eines deutlich breiteren Finanzierungsrahmens.
GREEN BONDS: Um welchen Investor handelt es sich und was umfasst die Vereinbarung?
Böhmer: Es handelt sich um die Ampyr Idea Assetco UK Limited. Mit Ampyr haben wir 2025 eine Rahmen-Investitionsvereinbarung geschlossen, welche die gemeinsame Entwicklung und Finanzierung von Agri-PV- und Batteriespeicherprojekten in Deutschland vorsieht. Die Vereinbarung hat zunächst eine Laufzeit von drei Jahren und ermöglicht Ampyr, bis zu 50 Mio. Euro Eigenkapital für geeignete Projekte bereitzustellen. Der Fokus liegt auf genehmigten beziehungsweise baureifen Projekten, die anschließend über Projektgesellschaften von Ampyr gehalten werden. Arteus Energy übernimmt die vollständige operative Projektentwicklung und erhält für freigegebene Projekte ein Entwicklungsentgelt je Megawatt sowie eine Gewinnbeteiligung an den genehmigten Projekten. Zudem sieht die Vereinbarung vor, dass wir Ampyr schrittweise Exklusivität für den Erwerb von bis zu 150 MW Agri-PV-Projekten gewähren. Voraussetzung für eine Finanzierung ist jeweils die Freigabe des Projekts durch Ampyr. Für uns ist diese Partnerschaft ein wichtiger strategischer Baustein, da sie unsere Finanzierungsmöglichkeiten erweitert, den Eigenkapitalbedarf reduziert und die Umsetzung größerer Projekte beschleunigt, während die Wertschöpfung aus der Projektentwicklung bei Arteus Energy verbleibt.
GREEN BONDS: Sie wollen die meisten Projekte im Bestand halten. Wie wollen Sie die Anleihe am Laufzeitende zurückzahlen?
Böhmer: Unsere Rückzahlungsstrategie basiert auf mehreren sich ergänzenden Bausteinen. Als wachsender unabhängiger Stromerzeuger generieren wir mit den in den Eigenbestand übernommenen Agri-PV-Anlagen und Batteriespeichern kontinuierliche und gut prognostizierbare Cashflows aus Stromverkauf, Direktvermarktung und Netzdienstleistungen. Diese wiederkehrenden Erträge bilden die zentrale Grundlage für den Kapitaldienst und den Aufbau von Liquiditätsreserven. Parallel dazu nutzen wir projektbezogene Refinanzierungen auf Asset-Ebene. Sobald Projekte baureif oder in Betrieb sind und über langfristige Vermarktungsstrukturen verfügen, können sie in klassische Projektfinanzierungen überführt werden. Dadurch wird eingesetztes Kapital teilweise refinanziert und zusätzliche Liquidität freigesetzt. Ergänzend behalten wir uns vor, einzelne Projekte oder Teilportfolios zu veräußern. Die Rückzahlung der Anleihe stützt sich somit auf ein diversifiziertes Finanzierungs- und Cashflow-Modell.
Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.green-bonds.com
Eckdaten der Arteus Energy Anleihe 2026/2031
| Emittentin | Arteus Energy GmbH |
| Status | Unbesichert |
| Kupon | 7,750% p.a. |
| Zinszahlung | halbjährlich |
| Zeichnungsfrist | 12.06.2026-11.06.2027 |
| Valuta | 09.07.2026 |
| Laufzeit | Bis 09.07.2031 (5 Jahre) |
| Emissionsvolumen | Bis zu 8 Mio. Euro |
| ISIN / WKN | DE000A460HC7 / A460HC |
| Stückelung | 1.000 Euro |
| Listing | Freiverkehr Börse Frankfurt, ab 15.12.2026 |
| Financial Advisor | Lewisfield Deutschland GmbH |
| Internet / Wertpapierprospekt | www. arteus-energy.de |
