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Ausblick auf die US-Notenbanksitzung am 28. Oktober 2026: Geduld, aber kein Grund zur Entwarnung

von Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, DWS

Christian Scherrmann © DWS

Erneut stehen wir vor der allzu ver­trauten Frage: Ist die hohe Inflation oder die jüngste Ab­kühlung am US-Arbeits­markt für die Zins­ent­scheidung der US-Notenbank (Fed) im Oktober aus­schlag­gebend?  Die Inflation liegt zwar weiter­hin über dem Ziel der Fed, scheint sich jedoch nicht wesent­lich zu beschleu­nigen. Die September-Daten zu Ver­braucher­preisen (CPI), Erzeuger­preisen (PPI) und Import­preisen deuten gemein­sam darauf hin, dass der Kern-Konsum­deflator – eine der von der Fed bevorzugten Inflations­kennzahlen – gegenüber dem Vormonat voraussichtlich um rund 0,3 Prozent steigen wird, wenn diese nach der Notenbanksitzung veröffentlicht werden. Dies deutet darauf hin, dass die Inflation im Jahresvergleich weitgehend stabil bleibt. Das Beschäftigungswachstum hat sich im September deutlich verlangsamt und die Zahlen der Vormonate wurden nach unten revidiert. Gleichzeitig ging das Lohnwachstum im Jahresvergleich auf 3,0 Prozent zurück – der niedrigste Wert seit 2021, was nicht auf erheblichen Inflationsdruck hindeutet. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent, doch die Erwerbsbeteiligung nahm zu, sodass am Arbeitsmarkt weiterhin Vollbeschäftigung herrscht. Weder Inflation noch Beschäftigung liefern den Notenbankern ein klares Signal. Allerdings lässt das Lohnwachstum nach und die Lage am US-Arbeitsmarkt kühlt sich allmählich ab. Damit ist der Arbeitsmarkt derzeit ein solides, wenn auch kein starkes Argument für eine abwartende Haltung.

Bei einem seiner seltenen Auftritte außerhalb der FOMC-Pressekonferenz äußerte sich Fed-Chef Warsh nicht zum geldpolitischen Ausblick. Dies wurde weithin als Zeichen dafür gewertet, dass die Fed am Status quo festhalten wird – vermutlich in Anlehnung an seine „Ankündigung“ in Jackson Hole vor der letzten Zinserhöhung. Dennoch senden andere Fed-Vertreter weiterhin gemischte Signale. Gouverneur Christopher Waller hält beispielsweise weitere Zinserhöhungen nach wie vor für möglich, obwohl höhere Renditen von US-Staatsanleihen die Finanzierungsbedingungen verschärfen. Fed-Vizechef Philip Jefferson plädiert für Geduld, während Gouverneurin Michelle Bowman wenig Dringlichkeit zum Handeln sieht. Andere, darunter Austan Goolsbee, Beth Hammack, John Williams und Susan Collins, befürchten, dass sich die Inflation als hartnäckiger erweisen könnte als erwartet. Diese Bandbreite an Einschätzungen deutet darauf hin, dass im Ausschuss selbst Uneinigkeit darüber besteht, ob die Geldpolitik bereits ausreichend restriktiv ist. In jedem Fall scheinen sich die US-Notenbanker in den vergangenen Monaten häufiger zu Wort gemeldet zu haben und nicht seltener, wie es Fed-Chef Warsh zunächst nahegelegt hatte. Wir werten dies als Zeichen eines aktiven FOMC, was aus unserer Sicht für die Unabhängigkeit der Institution spricht.

Insgesamt erwarten wir, dass die US-Notenbank die Zinsen im Oktober unverändert lässt und zugleich eine falkenhafte Grundhaltung beibehält. Zwar ist die Inflation weiterhin unangenehm hoch, doch die Kombination aus einer schwächeren Arbeitsmarktdynamik und stabilen Erwartungen für die Kern-PCE-Inflation spricht für Geduld. Eine falkenhafte Zinspause erscheint daher wahrscheinlicher als eine weitere Zinserhöhung. Da die Inflation jedoch keinen klaren Abwärtstrend zeigt, ist die Debatte über eine weitere Straffung noch lange nicht beendet.

www.fixed-income.org

 

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