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Chinas Renminbi im Aufwärtstrend - Aufwertungskurs wird aus politischen Gründen beibehalten

Kolumne von Dr. Jan Amrit Poser, Chefökonom, Bank Sarasin & Cie AG

Seit Beginn des Jahres hat sich der chinesische Renminbi gegenüber dem Dollar kaum verändert. Diese Entwicklung nährt Spekulationen, China könne inzwischen seine Wechselkurspolitik der langsamen Aufwertung überdacht haben. Könnte das Motiv der chinesischen Behörden in der Sorge vor einer harten Landung liegen? Die in den letzten Wochen veröffentlichten Daten haben dieser Theorie weitere Nahrung gegeben. Chinas Wirtschaft befindet sich unbestritten im Sinkflug. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist seit Juli 2011 unter der Expansionsmarke von 50 geblieben. Doch der Produktionsrückgang hat sich klar verlangsamt, was auf eine weiche Landung hindeutet. Eine weitere gute Nachricht ist, dass die zyklische Abschwächung auch die Inflation wieder gedämpft hat. Die Inflationsrate ist von ihrem Zenit im Juli 2011 bei 6,5 Prozent auf mittlerweile 3,2 Prozent im Februar gefallen. Dies eröffnet der chinesischen Zentralbank Spielraum für einen erneuten Stimulus.

Die Bank Sarasin erwartet, dass die Public Bank of China in den nächsten Wochen expansive Maßnahmen beschließen wird. So wird sie die Mindestreservequote der Banken reduzieren, wie in den vergangenen Monaten zweimal geschehen. Zudem wird sie auch die Leitzinsen senken, um ein deutlicheres Zeichen zu setzen und Maßnahmen zur Kreditexpansion ergreifen. Von einer Abwertung des Renminbi wird sie aber Abstand nehmen.

Der Grund dafür, dass die Währung nicht für wirtschaftspolitische Zwecke eingesetzt wird, ist politischer Natur. China wird alles tun, um die sich im Wahlkampf befindlichen USA nicht zu provozieren. Einige republikanische Präsidentschaftskandidaten haben schon gedroht, dass sie ab dem ersten Tag ihrer Präsidentschaft China als Währungsmanipulator brandmarken und mit Sanktionen belegen würden. Auch Präsident Obama ist seitens der Demokraten unter Druck, diese populistische Karte auszuspielen. Um den Handelsfrieden zu wahren, wird China den Kurs der langsamen Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar um fünf Prozent pro Jahr weiterverfolgen.

Nach den US-Wahlen im Jahr 2013 könnte das Wechselkursregime aber in Frage gestellt werden. Tatsächlich zeigt die Aufwertung der letzten sechs Jahr inzwischen Wirkung. Der strukturelle Handelsbilanzüberschuss Chinas ist von seinem Spitzenwert von ca. neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2007 inzwischen rasch gefallen und tendiert nun gegen drei Prozent. Auch wenn dies noch immer ein hoher Überschuss ist, zeigen diese Zahlen, dass die chinesische Währung nicht mehr so unterbewertet ist, wie sie es einmal war. Ein weiteres Symptom ist, dass die chinesischen Behörden in den letzten Monaten einen Teil ihrer Devisenreserven reduzieren mussten, um den Wechselkurs zu verteidigen. Der Strom der Devisen geht längst nicht mehr in nur eine Richtung. Die Bank Sarasin geht davon aus, dass China ab dem Jahr 2013 verstärkt Maßnahmen zu einer Flexibilisierung des Wechselkursregimes unternehmen wird und die Volatilität im USD-CNY-Wechselkurs dann zunehmen wird.
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