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Von Risiko zu Rendite: Schwellenländeranleihen im neuen Marktumfeld

von Cathy Hepworth, Head of Emerging Markets Debt bei PGIM Fixed Income

Cathy Hepworth © PGIM Fixed Income

In den letzten fünf Jahren hat EMD eine Reihe globaler Schocks überstanden: die Covid-Pandemie, den Krieg in der Ukraine, die Neukali­brierung globaler Lieferketten, Handels­kriegs­drohungen und zuletzt den Konflikt im Iran. Dennoch hat EMD diese Phase nicht nur durchgehalten, sondern ist gereift. Untermauert wird diese Entwicklung durch stärkere makro­ökonomische Fundamental­daten, glaubwürdige politische Rahmen­bedingungen und die zunehmende Tiefe der lokalen Kapitalmärkte.

EMD wird zur strategischen Positionierung

Die Transformation von EMD zeigt sich am besten anhand des veränderten Anlegerverhaltens. Im Jahr 2013 löste der „Taper Tantrum” wahllose Abflüsse aus den Schwellenländern aus. Heutzutage ist die Marktreaktion gemäßigter. Während es 2022 angesichts der aggressiven Straffung der Geldpolitik durch die Fed zu Kapitalabflüssen kam, erfolgte 2023, 2024 und insbesondere seit Jahresbeginn 2025 eine Kapitalrückführung – insbesondere in lokale Märkte. Entscheidend ist, dass ein Großteil dieses Kapitals strategischer und institutioneller Natur ist, insbesondere für Hartwährungs- und Mischmandate. Diese werden von traditionellen Flow-Kennzahlen wie ETF- oder Investmentfondsdaten nicht erfasst.

Eine solche Verschiebung spiegelt ein differenzierteres Risikoverständnis wider. Die These der „fragilen Fünf“ wurde von einer nuancierteren Sichtweise abgelöst. Viele Schwellenländer weisen nun überschaubare Leistungsbilanzdefizite, glaubwürdige Inflationsziele und starke lokale Märkte auf. Diese Verbesserungen haben das Risiko starker negativer Reaktionen selbst bei externen Schocks verringert.

Der Carry Trade behauptet sich erneut

In einem Umfeld mit hohen Leitzinsen in den Industrieländern bieten Schwellenländer attraktive Carry-Chancen. Der J.P. Morgan EMBI Global Diversified Index erzielt derzeit eine Rendite von rund 7,5%, wobei aktive Manager durch selektive Engagements, beispielsweise in Staatsanleihen mit BB-Rating und quasi-staatlichen Anleihen mit einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren, zusätzlichen Wert generieren können.

Auch Anleihen in Lokalwährung gewinnen an Attraktivität. In vielen Schwellenländern sind die Realzinsen nach wie vor hoch und die Inflation weniger problematisch als möglicherweise in den USA. Die Zentralbanken in Lateinamerika und Teilen Asiens halten ihre Zinsen entweder unverändert oder sind zu Senkungen bereit. Dadurch entsteht ein günstiges Umfeld für Durationsengagements. Während viele asiatische Märkte Chancen für zinsgetriebene Kapitalgewinne bieten, liefern Länder wie Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Südafrika attraktive Nominal- und Realrenditen.

Die Entwicklung des Dollars: strukturelle Auswirkungen

Der Dollar ist nach wie vor ein zentraler Faktor in der EMD-Gleichung. Kurzfristig profitiert er von Zinsdifferenzen und der relativen Wachstumsstärke der USA. Langfristig scheint der Greenback jedoch auf einem Abschwung zu sein.

Für institutionelle Anleger hat dieser Trend Auswirkungen, die über die Währungsabsicherung hinausgehen. Ein schwächerer Dollar verbessert das Renditeprofil von EMD in Lokalwährung und unterstützt breitere Kapitalzuflüsse in Nicht-Dollar-Anlagen. Zudem streben Zentralbanken und Staatsfonds zunehmend eine Diversifizierung ihrer Reserven an, wovon EMD profitieren dürfte.

Risikomanagement in einem fragmentierten Markt

Trotz geopolitischer Spannungen – darunter der Konflikt zwischen Israel und dem Iran – haben die EMD-Märkte eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Abkopplung von Risiken bewiesen. Die darauffolgende erfolgreiche Emission von Anleihen im Wert von 4,5 Milliarden US-Dollar durch Mexiko unterstreicht die Liquidität des Marktes und das Vertrauen der Anleger. Die zunächst sprunghaft angestiegenen Ölpreise gaben schnell wieder nach und die Spreads blieben stabil.

Dieses Anlegerverhalten deutet darauf hin, dass sie sich zunehmend auf Bottom-up-Fundamentaldaten und weniger auf Top-down-Panik konzentrieren. Tail-Risiken werden zwar anerkannt, aber nicht überbewertet. Es scheint die vorherrschende Meinung zu sein, dass selbst in ungünstigen Szenarien die Verkaufswelle nur von kurzer Dauer sein und die politischen Reaktionen glaubwürdig sein werden.

EMD ist heute längst nicht mehr so fragil wie früher. Es ist ein reifer, diversifizierter und zunehmend strategischer Bestandteil institutioneller Portfolios. Anleger, die bereit sind, über das „Headline Risk“ hinauszuschauen und sich mit den Fundamentaldaten auseinanderzusetzen, können attraktive und nachhaltige Chancen nutzen.

www.fixed-income.org


 

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