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Geopolitischer Schock treibt Ölpreise und Renditen von Staatsanleihen in die Höhe

von RJ Gallo, Deputy CIO Fixed Income bei Federated Hermes

RJ Gallo © Federated Hermes

Vor der Eska­lation im Per­sischen Golf signa­lisierten die Wirt­schafts­daten für den Beginn des Jahres 2026 eine Beschleu­nigung der US-Kon­junktur, nachdem das Wachstum im vierten Quartal 2025 mit 1,4% noch moderat ausge­fallen war. Gestützt wurde dieser Aufwärts­trend durch prog­nostizierte höhere Steuer­rück­erstattungen, verstärkte Ba­uinves­titionen im Bereich der KI-Infra­struktur sowie die ver­zögerten Effekte der geld­politischen Lockerung durch die Fed um 75 Basis­punkte Ende 2025. Parallel dazu sanken die Renditen für US-Staats­anleihen im Februar – begünstigt durch rück­läufige Renditen in Japan, die Volatilität bei Risikoanlagen infolge KI-bedingter Markt­veränderungen sowie anhaltende Bedenken hinsichtlich der Kreditqualität im privaten Sektor.

Die Einleitung der US-amerikanischen und israelischen Militäroperationen gegen den Iran hat die Verunsicherung an den Märkten sichtlich verschärft. Seit Beginn der Kampfhandlungen verzeichneten Rohöl-Futures einen Zuwachs von fast 19 %, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um 20 Basispunkte anstieg. Diese Entwicklungen stehen in einem kausalen Zusammenhang, da höhere Ölpreise die Sorge vor erneutem Inflationsdruck verstärken und die Erwartungen an eine rasche Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank dämpfen. Gleichzeitig spiegeln die steigenden Renditen die Unsicherheit über den Ausgang des Konflikts wider und deuten auf die Kosten einer möglichen Militärkampagne hin, obwohl das Haushaltsdefizit der USA bereits jetzt hoch ist. Die Renditen von Staatsanleihen sind in diesem Monat in allen Industrieländern mit Ausnahme Japans gestiegen, da die weltweiten Inflationsängste im Zusammenhang mit den Ölpreisen die Nachfrage nach sicheren Anlagen übertrafen.

Obwohl die Ölpreise gestiegen sind, konnte dieser Aufwärtstrend zunächst durch eine robuste weltweite Produktion sowie ausreichende Lagerbestände vor Krisenbeginn abgefedert werden. Inzwischen haben jedoch iranische Raketen- und Drohnenangriffe auf die Infrastruktur in der Golfregion sowie die faktische Blockade der Straße von Hormus die Lage verschärft. Je länger diese Beeinträchtigungen anhalten, desto kritischer ist der Anstieg der Spotpreise zu bewerten. Dass die Terminkontrakte für Lieferungen ab September mit über 60 US-Dollar deutlich unter dem aktuellen Spotpreis von 80 US-Dollar liegen, deutet jedoch auf die Markterwartung eines zeitlich begrenzten Konflikts hin. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in der moderaten Reaktion der US-Aktienmärkte und der Credit Spreads wider. Gestützt wird diese Sichtweise durch einen Bericht des Pentagons vom vergangenen Mittwoch: Demnach ist die Frequenz der iranischen Angriffe seit Konfliktbeginn stark rückläufig, was auf erschöpfte Vorräte oder geminderte Kapazitäten hindeutet.

Angesichts der wachsenden Unsicherheit durch den Iran-Konflikt, der gestiegenen Renditen für US-Staatsanleihen und der Sorgen um schlechtere Bedingungen am privaten Kreditmarkt halten sich die kurzfristigen Risiken am Anleihemarkt derzeit die Waage. Es gibt aktuell kein klares Übergewicht für steigende oder fallende Renditen.

Aus diesem Grund hat Federated Hermes seine nisherige, leicht auf fallende Kurse ausgerichtete Position (Short) aufgegeben und auf 'Neutral' umgestellt. Wie gewohnt beobachten wir die wirtschaftliche Entwicklung angesichts der Marktspannungen sehr genau und sind bereit, unsere Strategie bei Bedarf jederzeit anzupassen. 

www.fixed-income.org

 

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