Die Renditen bleiben im Vergleich zum letzten Jahrzehnt auf einem hohen Niveau, was auf die anhaltende Inflation, steigende Haushaltsdefizite und eine strukturell höhere Laufzeitprämie zurückzuführen ist. Trotz der anhaltenden Marktvolatilität bleibt das strukturelle Umfeld unverändert. In diesem Umfeld ist die Duration jedoch kein verlässlicher sicherer Hafen mehr, sondern zunehmend eine Quelle der Volatilität.
In den USA ist Vorsicht gegenüber Staatsanleihen geboten. Die Inflation liegt weiterhin über dem Zielwert, die Arbeitsmarktdaten stabilisieren sich und das Wachstum zeigt sich weiterhin robust, unterstützt durch fiskalische Expansion, lockerere Finanzierungsbedingungen und starke AI-bezogene Investitionsausgaben. Während die Märkte möglicherweise eine eher zurückhaltende Haltung der Federal Reserve erwarten, scheinen die aktuellen Renditen von Staatsanleihen das Risiko eines anhaltend hohen nominalen BIP-Wachstums zu unterschätzen. Gleichzeitig dürfte die hohe Emission von Staatsanleihen den Aufwärtsdruck auf die längerfristigen Renditen aufrechterhalten und damit Gegenwind für das lange Ende der Kurve schaffen.
In Europa ist die Lage ähnlich. Das Wachstum hat trotz früherer Handelsstörungen positiv überrascht, und die Hinwendung zu einer lockeren Fiskalpolitik in Deutschland und auf EU-Ebene dürfte die Konjunktur bis 2026 stützen. Dieser fiskalische Impuls birgt ein Aufwärtsrisiko für die Renditen und schränkt den Spielraum für eine bedeutende Rallye bei den Laufzeitprämien ein. Italien bleibt relativ gesehen weniger attraktiv, da die Bewertungen von BTPs auf dem aktuellen Niveau nur eine begrenzte Rendite bieten.
Großbritannien nimmt eine etwas andere Position ein. Ein schwächer werdender Arbeitsmarkt, disinflationäre Trends, ein schleppendes Wachstum und eine schwache Produktivität dürften der Bank of England Spielraum für eine deutlichere Lockerung ihrer Geldpolitik verschaffen.
Insgesamt spricht die Risikobilanz dafür, das Durationsengagement in den USA und Kontinentaleuropa zu begrenzen und sich in Großbritannien selektiver zu positionieren.
In den Schwellenländern bieten sich selektive Chancen, insbesondere in Lateinamerika. Die Region profitiert von einer sich verbessernden makroökonomischen Dynamik, Reformfortschritten in wichtigen Volkswirtschaften und einer unterstützenden externen Dynamik, darunter stärkere Rohstoffpreise und eine konstruktive geopolitische Ausrichtung gegenüber den USA. Auch die technischen Bedingungen sind günstig, mit soliden Zuflüssen in Schwellenländeranleihen. Brasilien sticht hervor, da hier Spielraum für weitere Zinssenkungen besteht, die derzeit nicht eingepreist sind, ebenso wie Mexiko.
Bei Unternehmensanleihen bleibt das Umfeld trotz enger Spreads positiv. Die Gesamtrenditen sind im historischen Vergleich weiterhin attraktiv, die Nachfrage nach neuen Anleiheemissionen ist robust und das widerstandsfähige Wachstumsumfeld stützt die Fundamentaldaten. Hochverzinsliche Anleihen scheinen aufgrund ihrer höheren Sensitivität gegenüber dem Wachstum und ihres niedrigeren Durationsprofils besser positioniert zu sein als Investment-Grade-Anleihen, während Unternehmen aus Schwellenländern ebenfalls von einem schwächeren Dollar und entspannteren Finanzbedingungen profitieren.
Mit Blick auf das Jahr 2026 scheinen Unternehmensanleihen besser positioniert zu sein als Laufzeitanleihen. Die fiskalische Expansion und das erhöhte Angebot an Staatsanleihen dürften den Aufwärtsdruck auf die Renditen in den Industrieländern aufrechterhalten, was für ein geringeres Durationsengagement neben selektiven Kreditrisiken spricht.
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