YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Der Euro ist auf dem Weg zur italienischen Lira

von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, BANTLEON

Es ist in aller Munde: Der Euro ist erstmals seit 2002 nur noch so viel wert wie ein US-Dollar. Gegenüber dem Schweizer Franken ist der Euro sogar seit über einer Woche unter die Parität gefallen. Zu Beginn der Währungsunion erhielt man noch stattliche 1,60 Franken für einen Euro. In der aktuellen Euro-Schwäche spiegelt sich fraglos die Energiekrise und die Gefahr eines kompletten russischen Gaslieferstopps. Sie ist aber auch Folge der laxen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Während alle angelsächsischen Notenbanken und viele direkte Nachbarn – unter anderem die Zentralbanken der Schweiz, Schwedens, Norwegens und Polens – an der Zinsschraube gedreht haben, zögert die EZB immer noch.

Dabei ist das Inflationsproblem in der Eurozone keineswegs kleiner als in anderen Regionen. Im Gegenteil: Mit 8,6% liegt die Teuerungsrate in etwa auf dem Niveau der USA, Kanadas, Groß-britanniens und Schwedens beziehungsweise deutlich höher als in der Schweiz und Japan. Gleichzeitig befinden sich die Kerninflationsrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) und die Lohnabschlüsse im Aufwind. Das jüngste Schlaglicht in dieser Richtung setzte die IG-Metall. Sie geht mit einer Forderung von 8% in die nächste Tarifrunde der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Der Geist der Inflation ist in der Eurozone somit bereits aus der Flasche und die EZB wird es mit ihrem aktuellen Politikansatz schwer haben, ihn wieder einzufangen.

Um Reputation in der Inflationsbekämpfung aufzubauen, muss eine Notenbank auch unangenehme Entscheidungen treffen. Im Zweifel hat Preisstabilität Vorrang vor der konjunkturellen Entwicklung. Genau diese Linie verfolgt derzeit die Federal Reserve. Notenbankpräsident Jerome Powell räumte ein, dass die geldpolitischen Straffungen mit »Schmerzen« in der Realwirt-chaft verbunden sein werden. Auch ein Abgleiten in die Rezession schließt er nicht aus. Langfristig sei es aber für die Wirtschaft besser, jetzt zu handeln und kleinere konjunkturelle Rück-schläge hinzunehmen, als später den großen Knall zu riskieren. Die jüngste Leitzinsanhebung der Schweizer Nationalbank ist ebenfalls in diesem Sinne zu verstehen. Auch bei den Schweizer Währungshütern lautete das Motto: Lieber jetzt überschaubare Schmerzen in der Exportwirtschaft riskieren, als später die Zinskeule auspacken.

Die EZB hat dagegen die Chance verpasst, Reputation in der Inflationsbekämpfung aufzubauen. Sie nahm stattdessen Rücksicht auf die südeuropäischen Länder, deren Notenbankpräsidenten sich geschlossen für ein vorsichtiges und »graduelles« Vorgehen aussprechen. Zu stark ist die Furcht, dass erneut die Konjunktur abgewürgt wird und die Risikoaufschläge italienischer, spanischer oder griechischer Anleihen aus dem Ruder laufen. Wie deutlich hier auch nach wie vor die Präferenzen in der Bevölkerung auseinanderdriften, zeigt eine aktuelle Umfrage, wo-nach Inflation derzeit in Deutschland als Problem Nummer eins angesehen wird, in Italien da-gegen nur an vierter Stelle steht.

Mit ihrem zögerlichen Kurs riskiert die EZB jedoch, den Euro langfristig als Weichwährung zu diskreditieren. Die aktuell bereits bestehende Unterbewertung gegenüber dem US-Dollar wird sich dann strukturell verfestigen. Dies mögen manche begrüßen, da es kurzfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stützt. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass solche Abwertungsstrategien nicht von Erfolg gekrönt sind. Vielmehr haben sie zu Wohlfahrtsverlusten geführt. Die Schweiz ist das Paradebeispiel für den umgekehrten Weg. Die strukturelle Aufwertung wirkt hier als Produktivitätspeitsche für die Wirtschaft und führt auf Dauer zu Wohlstandsgewinnen.

Eine strukturelle Euro-Schwäche würde überdies die Finanzmärkte der Währungsunion dauer-haft belasten. Weder für Inländer noch Ausländer ist es attraktiv, Geld in einer Region anzule-gen, deren Währung permanent unter Druck steht.

www.fixed-income.org
Foto: Dr. Daniel Hartmann © BANTLEON


 

Investment

von April LaRusse, Head of Investment Specialists bei Insight Investment

Der Konflikt im Iran hat 20% der welt­weiten Ölver­sorgung unter­brochen, indem er den Transit durch die Straße von Hormus blockiert hat. Obwohl die…
Weiterlesen
Investment
Das Land­gericht München I hat den Ange­klagten wegen Beihilfe zum ver­suchten Betrug in 261 tat­einheit­lichen Fällen und falscher uneid­licher…
Weiterlesen
Investment

Durchschnittsmarge für Bestandsfinanzierungen beträgt 169 bp, für Projektentwicklungen 262 bp

Unter den gewerb­lichen Immo­bilien­finan­zierern zeigt sich im ersten Quartal 2026 eine gedämpfte Stimmung. Das geht aus dem neuen BF.…
Weiterlesen
Investment
Aberdeen Invest­ments hat den abrdn SICAV I - Global En­hanced Yield Bond Fund aufgelegt. Der Fonds bietet einen differen­zierten Ansatz für…
Weiterlesen
Investment

von Charlotte Peuron, Portfolio Manager Thematic Equities, Crédit Mutuel Asset Management

Der Angriff des Iran auf Katars Gas­anlagen hat sich umfas­send aus­gewirkt und einen neuen Ausverkauf risiko­reicher Anlagen ausgelöst. In Phasen…
Weiterlesen
Investment

von Torje Gundersen, Head of Tactical Asset Allocation (TAA) bei DNB Asset Management

In Norwegen haben sich die Markt­erwar­tungen hinsicht­lich der künftigen Zinssätze gewandelt: Statt Zins­senkungen werden nun zwei Zins­erhö­hungen…
Weiterlesen
Investment

von Noah Barrett, Research Analyst, Janus Henderson Investors

Die Nachricht von einem zwei­wöchigen Waffen­still­stand zwischen dem Iran und den USA wurde von den Märkten positiv aufge­nommen und schürte die…
Weiterlesen
Investment
Um 12:00 Uhr beginnt ein 30-minütiges Webinar der Deutsche Börse zum Thema „Breit gestreut in Anleihen - aktiv gemanagt oder passiv per ETF?“Anleihen…
Weiterlesen
Investment

von John Kerschner, Global Head of Securitized Products, Janus Henderson Investors

Die aktuell ver­öffent­lichten VPI-Daten fielen so gut aus, wie ange­sichts des durch den Iran-Konflikt bedingten Anstiegs der Energie­preise zu…
Weiterlesen
Investment
Die Markt­experten des globalen Asset­managers gehen in kurzen Kommen­taren auf das aktuelle Geschehen an den wichtigsten Finanz­märkten ein. In…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!