YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige

Die Auswirkungen möglicher US-Zölle auf China

von Marcus Weyerer, Director of ETF Investment Strategy, EMEA, Franklin Templeton

US-Zölle sind ein aktuell disku­tiertes Thema. Wir sind der Ansicht, dass Präsi­dent Trump die Zölle vor allem als außen­poli­tisches Instru­ment betrach­tet, mit dem er seinen Handels­partnern Zuge­ständ­nisse abringen kann. Es gibt ver­schie­dene Ebenen der Anfällig­keit. China steht im Fokus, aber die Exporte in die USA machen weniger als 3% des BIP aus - keine über­mäßig große Zahl. Zum Vergleich: In Mexiko machen die Aus­fuhren in die USA mehr als ein Viertel des BIP aus. China hat in den letzten Jahren seine Handels­partner von den USA weg diver­sifiziert, vor allem in andere asiatische Länder. Indien befindet sich in einer relativ komfortablen Position. Die Exporte sind nicht die Haupttriebfeder seines BIP, ein beträchtlicher Teil stammt aus weniger zollanfälligen Sektoren der Dienstleistungsbranche. Die EU befindet sich in einer schwierigen Lage, da die Region bereits von niedrigem Wachstum und geringer Produktivität geplagt ist. Ein möglicher Handelskrieg käme für sie gerade zur Unzeit. Innerhalb der EU könnte Deutschland mit seinem hohen Handelsüberschuss in den Fokus der amerikanischen Handelspolitiker rücken.

Die Beziehungen zwischen China und den USA haben sich bereits seit mehreren Jahren verschlechtert, und in Washington hat sich eine parteiübergreifende "Hart-gegen-China-sein"-Haltung fest etabliert. Biden hat mehrere unter Trump eingeführte Ausfuhrbeschränkungen beibehalten und sogar ausgeweitet, die zum Beispiel auf sensible Technologien wie Halbleiter abzielen. Während China in gewissem Maße in der Lage ist, durch nichttarifäre Maßnahmen und regulatorische Hemmnisse sich zu wehren, ist sein Spielraum für zollrechtliche Vergeltungsmaßnahmen begrenzt. So rechnen wir mit schrittweisen Fortschritten durch Verhandlungen über spezifische Themen und nicht mit einem ausgewachsenen Handelskrieg, der im Interesse beider Länder liegt. Während Trumps erster Amtszeit ermöglichte eine Arbeitsbeziehung mit Xi einen gewissen direkten Dialog. Allerdings betrachten die USA China zunehmend als einen systemischen Konkurrenten in den Bereichen Handel, Technologie und Geopolitik, was bedeutet, dass die Diskussionen jetzt weit über Zölle hinausgehen. Langfristig wird die Beziehung wahrscheinlich von Konflikten geprägt bleiben.

Angesichts der angespannten Beziehungen zwischen den USA und China bemühen sich die Unternehmen um eine Diversifizierung ihrer Lieferketten, oft unter dem Namen "China + 1". Das heißt, die Unternehmen kehren China nicht ganz den Rücken, sondern bauen anderswo zusätzliche Kapazitäten auf. Und Indien ist hier ein großer Nutznießer. Die Gründe dafür reichen von geopolitischen Erwägungen über Kosteneinsparungen bis hin zu spezifischen Anreizen, die in Indien zur Verfügung stehen, beispielsweise im Rahmen der so genannten Production-Linked Incentives (PLI). Das von Modi eingeführte Programm lockt ausländische und inländische Investoren mit Subventionen und Steuergutschriften in bestimmten Schlüsselsektoren. Zu den großen Unternehmen, die sich in den letzten Jahren in Indien niedergelassen haben, gehören Apple, Samsung, Foxconn, Hewlett-Packard und Dell. Neben der Elektronikbranche hat Adidas angekündigt, dass es im indischen Bundesstaat Tamil Nadu seine erste "Global Capacity Center"-Fabrik außerhalb Chinas bauen wird. Und auch Pharmariesen wie Pfizer, Novartis und Sanofi sind mit Forschungs- und Entwicklungs- und/oder Produktionsstandorten im Land vertreten.

Regierung muss den Konsum ankurbeln

Wir gehen davon aus, dass sich eine mögliche Konjunkturerholung in China zunächst im Stimmungsbild zeigen wird. Um China auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu manövrieren, der nicht ausschließlich an Exporte oder Investitionen gebunden ist, muss die Regierung den Konsum ankurbeln. Die Herausforderung besteht darin, dass die Menschen angesichts eines deflationären Immobilienmarktes, gesunkener Aktienkurse und steigender Arbeitslosigkeit weniger bereit oder in der Lage sind, Geld auszugeben. Die Sparquote in China ist hoch. Mit dem umfangreichen staatlichen Konjunkturprogramm, das das Vertrauen in den Immobilien- und Aktienmarkt stärken soll, den niedrigeren Zinssätzen und den gezielten Maßnahmen zur Lösung der strukturellen Probleme auf dem Arbeitsmarkt sollte sich die Stimmung verbessern. Darüber hinaus hat der Umfang des Pakets die Hoffnung geweckt, dass noch mehr kommen wird und dass die Wirtschaft endlich wieder ganz oben auf der Agenda der chinesischen Führung steht.

Die Begünstigten der jüngsten Konjunkturmaßnahmen sind eine breite Koalition aus chinesischen Privatanlegern, Brokern, ausländischen institutionellen Anlegern und längerfristig aus der Wirtschaft insgesamt. Einige Shortseller wurden auf dem falschen Fuß erwischt und waren gezwungen, ihre Positionen zu schließen, was zu dem starken Anstieg der Aktien von 40 % innerhalb weniger Wochen beigetragen haben könnte. Diese Euphorie ebbt nun teilweise ab, aber die Regierung hat eine deutliche Botschaft ausgesandt, ihre Entschlossenheit nicht zu unterschätzen. Wenn die Regierung im Wesentlichen auf Aktien setzt, dürfte dies mittelfristig das Vertrauen der Anleger und Verbraucher stärken, was sich dann auch auf die Realwirtschaft auswirken kann, z. B. über den Konsum. 

www.fixed-income.org 
Foto: Marcus Weyerer (Quelle: Franklin Templeton)


 

Investment

von Bruno Lamoral, Portfoliomanager für institutionelle Mandate bei DPAM

Mit Blick auf das vierte Quartal werden die US-Zwischen­wahlen erhebliche Aufmerk­samkeit auf sich ziehen. Während allge­mein erwartet wird, dass die…
Weiterlesen
Investment

von Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, DWS

Erneut stehen wir vor der allzu ver­trauten Frage: Ist die hohe Inflation oder die jüngste Ab­kühlung am US-Arbeits­markt für die Zins­ent­scheidung…
Weiterlesen
Investment
Viele europä­ische Regie­rungen geraten in die Enge, weil sich ihre Haus­halts­lage ver­schlech­tert und der poli­tische Druck wächst. Warum für…
Weiterlesen
Investment
Ned Naylor-Leyland, Head of Strategy Gold & Silver, analysiert die jüngsten Markt­trends bei Gold und Silber, die stei­gende Profita­bilität von Gold-…
Weiterlesen
Investment
Europä­ische Banken und Versicherer haben bis Ende Sep­tember grüne Anleihen (Green Bonds) im Volumen von 56 Mrd. Euro emittiert. Das geht aus dem…
Weiterlesen
Investment
BlackRock hat den Fixed Income Outlook für das vierte Quartal ver­öffent­licht. Die Kern­aussage des Fixed-Income-Teams sind: Dank des höheren…
Weiterlesen
Investment
Anläss­lich der Fed-Sitzung nächste Woche kommen­tieren Experten von Insight Invest­ment Experten, Teil von BNY Mellon und einer der größten Fixed…
Weiterlesen
Investment
Markt­kommen­tar des BlackRock Invest­ment Institute (BII). Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapital­markt­strategie Deutsch­land, Schweiz, Öster­reich…
Weiterlesen
Investment
Das dritte Quartal 2026 stand im Zeichen geo­politisch getrie­bener Energie­preise und restrik­tiver Noten­banken. Die Kon­junktur blieb über­raschend…
Weiterlesen
Investment

von Richard Bernstein, Global Head of Macro and Customized Investing, Chris Benway, Director of Research, and Michael Talaga, Global Head of Credit…

Anleger neigen dazu, den Zentral­banken viel Aner­kennung für die mehr als 30 Jahre an­dauernde Des­inflation zu zollen, die vor der Pandemie…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!