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Staatsanleihen bleiben überwiegend ein sicherer Hafen für Anleger

von Maksim Hrupin, Senior Portfoliomanager, BANTLEON

Maksim Hrupin © BANTLEON

Eine schwache Wertent­wicklung seit Jahres­anfang und Kurs­verluste im Umfeld von Krisen­phasen der vergangenen Jahre lassen Anleger an ihren Staats­anleihen­invest­ments zweifeln. Die konjunk­turelle und politische Lage spricht aktuell tatsäch­lich nicht für ein stärkeres Engagement in euro­päischen Staats­anleihen, weil die gewaltigen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur stimulieren, was Risikoassets wie Aktien und Unternehmens­anleihen stützt. Zudem dürfte die steigende Verschuldung Staatsanleihen tendenziell belasten. Gleichzeitig sollten aber zumindest deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries weiterhin Portfolios in konjunkturellen Finanzmarktkrisen schützen. Französische Staatsanleihen hinge-gen dürften sich bis zur Präsidentschaftswahl 2027 nicht als Safe-Haven-Asset eignen.

Staatsanleihen der Eurozone hinken wie im Vorjahr auch im Jahr 2025 den übrigen Anleihenkategorien hinterher, insbesondere Covered Bonds und Unternehmensanleihen. Auf Indexebene ha-ben deutsche Bundesanleihen seit Jahresanfang einen Gesamtertrag von gerade einmal -0,17% er-zielt, französische Staatsanleihen kommen auf 0,8% und alle Staaten der Eurozone zusammengenommen liegen bei 1,33%. Dagegen erzielten Covered Bonds bislang einen Ertrag von 2,55%, während Unternehmensanleihen nach der Spreadrallye im September sogar auf 3,29% kommen. Woran liegt diese Underperformance von Staatsanleihen gegenüber den anderen Anleihenkategorien? Und erfüllen Staatsanleihen der größten und wirtschaftsstärksten Nationen nach wie vor ihre Safe-Haven-Funktion oder sind die hausgemachten Probleme so groß, dass diese Anleihenkategorie oder zumindest bestimmte Länder im Portfolio untergewichtet werden sollten?

Kurze Enttäuschung bei deutschen Bundesanleihen und US-Treasuries
Die ersten Zweifel am Safe-Haven-Status von Staatsanleihen kamen in den vergangenen Jahren auf, als Staatsanleihen aus den USA, Deutschland und Frankreich sich in Krisenphasen nicht so verhalten haben, wie es Anleger erwartet hatten. Exemplarisch ist für 10-jährige deutsche Bundes-anleihen der Beginn des Ukraine-Kriegs im März 2022 zu nennen: Der konjunkturellen Eintrübung folgend fielen die Renditen dieser Staatsanleihen innerhalb weniger Tage um 25 Basispunkte auf knapp unter 0%. Anschließend stiegen sie innerhalb eines Quartals um knapp 175 Basispunkte auf 1,75%. Der starke Zinsanstieg bescherte sicherheitsorientierten Anlegern massive Kursverluste. 

Eine ähnliche Entwicklung war im Jahr 2025 in den USA zu beobachten: Der von Donald Trump ausgerufene Liberation Day und die America-First-Politik fachten die Sorgen vor einem globalen Wirtschaftskrieg an. Weil die Anleger sich Sorgen um eine konjunkturelle Abkühlung machten, sanken die Renditen 2-jähriger US-Treasuries von Februar bis Mai von 4,3% auf unter 4%, während die Renditen 10-jähriger Treasuries um 40 Basispunkte auf rund 4,6% stiegen und damit na-he dem Niveau von 20- und 30-jährigen Treasuries lagen, die bei knapp über 5% rentierten. Diese untypische Versteilerung der Zinskurve in Krisenzeiten – statt gleichmäßig sinkender Renditen bei allen Laufzeitenbändern – hat die Debatte um US-Staatsanleihen als Safe-Haven-Assets befeuert.

Schlechtere Ratings belasten französische Staatsanleihen
Auch in der zweitgrößten Wirtschaftsnation Europas zeigen sich Probleme: Frankreich hat nach unzähligen politischen Verwerfungen und der Einigung auf einen Sparplan, der durch Proteste und ein gespaltenes Parlament teilweise wieder zurückgedreht wurde, mit steigenden Schulden und jährlichen Haushaltsdefiziten von etwa 5% zu kämpfen. Diese politische Unsicherheit in Kombination mit mangelnden Strukturreformen bei einer schlechten Datenlage führten zu Herab-stufungen durch die Ratingagenturen Fitch und S&P auf jeweils »A+«, während Moody´s unter Beibehaltung des Ratings von »AA-« das Land mit einem negativen Ausblick versehen hat. In der Folge stieg die Risikoprämie französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen von knapp 70 auf etwa 85 Basispunkte. Zeitweise war die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen mit 3,42% höher als die ihrer Pendants der langjährigen Sorgenkinder Italien (3,39%) und Griechenland (3,25%), das noch vor einigen Jahren ein Rating auf Ramschniveau hat-te und aktuell bei einem Split-Rating zwischen »BBB« und »BBB-« rangiert, während Italien nach zwei Heraufstufungen in den vergangenen Jahren mit »BBB+« bewertet wird.

Deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries bleiben sichere Häfen
Sind Staatsanleihen aus Deutschland, den USA und Frankreich damit als Safe-Haven-Assets nicht mehr gefragt und ist die aktuelle Schwäche in der Wertentwicklung nachhaltig? Mitnichten. So zeigten deutsche Bundesanleihen in den jüngsten konjunkturellen Krisen weiterhin ihre Stärke, zum Beispiel als im April der Zollkonflikt mit den USA aus dem Ruder geriet: Während die Risikoprämien von Unternehmensanleihen um 50% bis 100% stiegen, fiel die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von ihrem Höchststand bei knapp 3% zügig auf knapp 2,5%. Auch US-Treasuries bewiesen in den vergangenen zwei Monaten Stärke: Ihre Rendite fiel infolge schwächerer Arbeitsmarktdaten von knapp 4,8% auf 4%, was zu hohen Kursgewinnen führte. 

Diese Beispiele machen deutlich, dass gegen die Folgen plötzlicher konjunktureller Einbrüche, die häufig idiosynkratischer Natur sind und damit nicht prognostizierbar, vor allem deutsche Bundes-anleihen EUR-Portfolien und US-Treasuries USD-denominierte Portfolios schützen. Frankreich dagegen scheint bis zur Präsidentschaftswahl 2027 ein Sorgenkind zu bleiben, weshalb französische Staatsanleihen sich derzeit nicht als Safe-Haven-Asset eignen. Unter Relative-Value-Aspekten sind sie jedoch im Vergleich zu italienischen und griechischen Staatsanleihen gleicher Laufzeit attraktiv. Denn mit dem französischen Staat kaufen Anleger ein immer noch gutes Rating und investieren in die zweitgrößte europäische Wirtschaftsnation, die eine immense Wirtschaftskraft hat.

Zugleich investieren sie jedoch auch in die strukturellen Probleme und den negativen Trend Frankreichs, während zum Beispiel Italien in den vergangenen Jahren durch seinen budgetpolitischen Kurs Vertrauen geschaffen hat. Aktuell wird für das Jahr 2025 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von etwa 0,6% gerechnet. In den Jahren 2026 und 2027 dürfte es aufgrund der gestärkten Binnennachfrage sogar um 0,8% wachsen. Zudem bewegt sich das Haushaltsdefizit Italiens in diesem Jahr mit 3,1% nahe der Zielmarke von 3% – bei gleichzeitig nur leichtem An-stieg des Schuldenstandes auf 137% bis Anfang 2027.

Sind die Krisen jedoch inflationsinduziert in Begleitung von steigenden Zinsen, gibt es keine Safe-Haven-Prämie für Staatsanleihen. Das gilt auch für fiskalische und politische Probleme, die struktureller Natur sind und die Solvenz eines Staates infrage stellen, wie jüngst in Frankreich. 

Europäische Staatsanleihen derzeit nicht übergewichten
Insgesamt spricht die konjunkturelle und politische Lage aktuell nicht für ein stärkeres Engagement in europäischen Staatsanleihen, weil das gewaltige deutsche Infrastruktur-Paket und die Mehrausgaben für die Verteidigung in Europa die Konjunktur stimulieren, was einerseits Risikoassets wie Aktien und Unternehmensanleihen stützt. Andererseits führen die expansiven Schritte zu einem höheren Angebot an Staatsanleihen und – sofern kein massives Wirtschaftswachstum entsteht – steigenden Verschuldungskennzahlen, was Staatsanleihen tendenziell belastet. Unge-achtet dessen bleiben hochqualitative Staatsanleihen ein Portfoliobaustein, der in unruhigeren Zei-ten an den Finanzmärkten Stabilität im Portfolio schaffen wird.

www.fixed-income.org


 

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