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Fidelity Marktkommentar: Italiens Regierung betreibt ein gefährliches Spiel

Konfrontationskurs der italienischen Regierung treibt Volatilität an, italienische Banken unter Druck

Andrea Iannelli, Anleiheexperte bei Fidelity, erwartet, dass der Konfrontationskurs der italienischen Regierung zu einer anhaltenden Unsicherheit an den italienischen Kapitalmärkten führen kann. Die Ansteckungsgefahr für andere Peripherieländer ist hingegen gering - noch.

Die italienische Regierung betreibt mit ihrer aggressiven Rhetorik zum Schuldenhaushalt und ihrem Konfrontationskurs zu Europa ein gefährliches Spiel. Dabei provoziert sie nicht nur auf europäischer Ebene Konflikte, sondern auch am Kapitalmarkt. Weder die Börsen noch die Europäische Kommission rechnen damit, dass der politische und finanzielle Kurs nachhaltig und die Wachstumsprognose von 1,5% realistisch ist. Nach den jüngsten Turbulenzen am Aktien- und Anleihemarkt erwarten wir im Zuge der Verhandlungen mit der Europäischen Kommission eine weiterhin hohe Volatilität. Kurzfristig stehen vor allem Italiens Banken unter Druck. Längerfristig besteht das Risiko negativer Auswirkungen für die Realwirtschaft und den Binnenkonsum.

Noch ist der italienische Kapitalmarkt eine Insel
Vor allem am Rentenmarkt haben sich die Prognosen extrem und zum Teil irrational eingetrübt, wobei die Erwartungen bereits in den Kursen eingepreist sind. Insofern erwarten wir keine weiteren Korrekturen infolge der erwarteten Rating-Herabstufung durch S&P. Zudem fürchten die Märkte noch kein Übergreifen auf andere Euro-Peripherieländer. So hat sich der Spread zwischen spanischen und italienischen Staatspapieren seit Jahresbeginn erheblich ausgeweitet. Auch italienische Unternehmenspapiere mit Investment-Grade-Rating haben sich relativ immun gezeigt (s. Grafiken). Aus der Sicht von Investoren sind also italienische Unternehmen ein sichereres Investment als der italienische Staat.

Während italienische Staatsanleihen 2010 noch zu 40 Prozent von ausländischen Investoren gehalten wurden, ist dieser Wert auf rund 30 Prozent gefallen. Kritisch ist, dass die zur Finanzierung des Schuldenhaushalts erforderlichen Bond-Emissionen in eine Phase fallen, in der die EZB ihr Anleihekaufprogramm weiter zurückfährt.

Banken sind wegen ihrer hohen Bestände an italienischen Staatsanleihen direkt von steigenden Renditen betroffen. Zwar haben die den Mittelstand finanzierenden Institute ihre Bilanzen in den vergangenen Jahren gestärkt. Höhere Spreads bedeuten jedoch mehr notleidende Kredite, höhere Abschreibungen und potenzielle Verluste. Da Italiens Wirtschaft durch viele kleinere und mittelgroße Unternehmen geprägt ist, deren Finanzierung vor allem über Bankkredite erfolgt, wird die gesamte italienische Wirtschaft anfälliger - auch wenn die effektiven Auswirkungen für die Realwirtschaft bislang gering sind. Last but not least besteht auch die Gefahr, dass der Binnenkonsum durch schlechtere Finanzierungsbedingungen für die privaten Haushalte beeinträchtigt wird und folglich die Wachstums- und Defizitprognosen der Regierung weiter gefährdet wird.

Andrea Iannelli, Anleiheexperte bei Fidelity, kommentiert:
„Italien betreibt mit seiner Schuldenpolitik ein gefährliches Spiel und geht auf direkten Konfrontationskurs zur Europäischen Kommission und zu den Kapitalmärkten. Italiens Banken und längerfristig auch mittelständischen Unternehmen sowie die privaten Haushalten drohen dabei Kollateralschäden. Die Lage könnte sich erheblich verbessern, wenn die italienische Regierung bei den Budgetverhandlungen etwas mehr Flexibilität zeigen würde.“

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Andrea Iannelli © Fidelity)



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