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Globale Inflation ist keine Gefahr, aber in Deutschland sind Inflationsängste möglich

Finanzmarktkolumne von Dr. Alessandro Bee, Ökonom, Bank Sarasin & Cie AG

Die beispielslose Liquiditätsflut der Zentralbanken wirft die Frage auf, ob diese Maßnahmen in der mittleren Frist nicht zu einer gefährlichen Inflationsspirale führen. Viele Gründe sprechen allerdings dafür, dass sich die globale Wirtschaft in den nächsten Jahren eher in einem deflationären als in einem inflationären Umfeld bewegen wird. Die Arbeitslosigkeit befindet sich in vielen Ländern auf einem rekordhohen Niveau, was stagnierende oder gar sinkende Löhne bedeutet. Die Immobilienmärkte in den USA und in einigen Ländern Europas sind in einer Korrekturphase. Das setzt Mieten und Banken unter Druck. Darüber hinaus müssen Privathaushalte und Regierungen Schulden abbauen, was Wirtschaftswachstum und Inflation bremst. Zuletzt sind auch die Banken gezwungen, ihre Bilanzsummen zu reduzieren. Das hat zur Folge, dass die von den Zentralbanken zur Verfügung gestellte Liquidität nur tröpfchenweise in den Wirtschaftskreislauf einfließt und sich damit kaum inflationäres Potenzial entwickelt.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Kaum ein Schwellenland ist gezwungen Schulden abzubauen – weder auf privater noch auf staatlicher Ebene. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht zu verlieren, halten diese Länder den Wechselkurs zum US-Dollar konstant. Damit sind sie gezwungen, die US-Geldpolitik zu übernehmen. Diese ist aber für die US-Wirtschaft zugeschnitten, welche Deflationsgefahren entgegensieht. Die extrem lockere US-Geldpolitik ist für viele Schwellenländer schlicht zu expansiv, was zu Inflationsängsten führt. Allerdings beginnen die Schwellenländer sich neu zu orientieren. China beispielsweise hat angekündigt in den nächsten Jahren von einem exportgetriebenen Wachstum zu einem Wachstum mit starker Inlandsnachfrage zu wechseln. In diesem Prozess dürften die Schwellenländer ihren fixen Wechselkurs zum US-Dollar aufgeben. Die nachfolgende Aufwertung der Schwellenländerwährungen werden die Importpreise senken und so die Inflationsgefahren mindern.

Auch in Deutschland können mittelfristig Inflationsängste aufkommen. Das Land erntet heute die Früchte der Strukturreformen des letzten Jahrzehnts. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist inzwischen auf ein 30-Jahres-Tief gefallen. Während aber die Schwellenländer nur über einen fixen Wechselkurs an den USA hängen, ist Deutschland in der Europäischen Währungsunion gefangen. Fixe Wechselkurse können rasch angepasst werden, ein Ausstieg aus der Währungsunion ist für Deutschland jedoch nicht machbar. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Geldpolitik nicht an der robusten Konjunktur in Deutschland ausrichten. Im Gegenteil: Die EZB muss auf schwache Länder wie Spanien Rücksicht nehmen – aus Angst vor einer Staatspleite. Die Geldpolitik der EZB wird in den nächsten Jahren für Deutschland daher eher zu expansiv sein.
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94 Seiten, 29 Euro
http://www.fixed-income.org/fileadmin/2011-11/Flyer_BondBook.pdf
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