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Italien ante portas

Kolumne des Asset Management Teams der Steubing AG

Viele reden momentan ausschließlich über Donald Trump und seine Iran Politik – verbunden mit Auswirkungen auf die europäische Konjunktur und die Zinspolitik der EZB. Nur wenige Analysten beschäftigen sich mit der massiven italienischen Regierungskrise, die seit den Wahlen in diesem Frühjahr herrscht und die damit verbundene potenzielle Krise der Europäischen Gemeinschaft. Denn schließlich ist Italien die drittgrößte Wirtschaftskraft der EU.  „Bis zuletzt wollte Italiens Staatspräsident Sergio Matterella die italienischen Politiker zur Raison bringen. Zwei Monate nach der Wahl haben sie noch immer keine Regierung zustande gebracht. Mattarella verwies auf Sorgen um die Wirtschaft, den Staatshaushalt und die Europäische Währungsunion.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Mai 2018) Auch wenn jetzt erst einmal scheinbar die Kuh vom Eis zu sein scheint – der laute Appell des Staatspräsidenten an die handelnden Parteien hat wohl erst einmal gefruchtet und die Lega Nord wird zusammen mit der Fünf Sterne Bewegung eine Regierung bilden. Die beiden Parteien haben aber einen strikt europakritischen Wahlkampf gemacht und werden nicht ihre strikt-partikularen Interessen für Gemeinschaftsinteressen aufgeben.

Uns verwundert, dass all Jene, die vor Jahren wegen der Verschuldung Griechenlands und die Verflechtung zwischen den griechischen Banken und dem Staat laut Alarm geschlagen haben, dieses Thema im Fall Italien kaum beachten. Im Gegensatz zu Griechenland haben wir in Italien auch noch eine mittlerweile massive europäische Bekenntniskrise – wohl mit ausgelöst durch die nicht gelöste Flüchtlingskrise der EU (Dublin Abkommen) und dem Erstarken von rechtspopulistischen Parteien wie Lega Nord, der Fünf Sterne Bewegung und der Forza Italia.

„Wegen der Rettung zweier Banken hat Italien im vergangenen Jahr deutlich mehr Schulden gemacht als zunächst angegeben. Das italienische Defizit lag 2018 bei 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), wie das Statistikamt Istat mitteilte. Italien gehört zu den am höchsten verschuldeten Industriestaaten. Der Schuldenberg entsprach 2017 rund 131,8 Prozent der Wirtschaftsleistung.“ (SPON, 04.04.2018)

In den letzten Tagen gerieten die 10jährigen italienischen Staatsanleihen stark unter Druck. Die Rendite dieser Papiere stieg um 0,10 Prozentpunkte auf 1,85 Prozent. Auch die jetzige Regierung wird – da muss man kein römischer Augure sein – nicht lange Bestand haben können. Denn alleine die Haltung zu Europa verhindert weitere Investitionen in Italien und auch den Binnen-Konsum.

Was heißt das alles in der Konsequenz? Die Zinserhöhungen der EZB werden nicht so schnell kommen, wie viele insbesondere Nord-Europäer sich erhoffen. Wenn die EZB die Zinsen erhöhen würde, müsste Italien um Investoren anzulocken, den Kupon für seine Staatsanleihen deutlich erhöhen und käme damit bei einer nicht mehr prosperierenden Konjunktur und mit dem höheren Schuldendienst in eine extrem angespannte Lage. Aus dem gleichen Grund sehen wir es auch noch nicht letztlich beschlossen an, dass die EZB ihr Anleihenaufkaufprogramm auslaufen lässt. Die Pläne der möglichen neuen Regierung in Italien noch mehr Schulden zu machen, wird ein Auslaufen des Anleihenkaufprogramms noch weiter in Frage stellen. Seit der Finanzkrise ist der italienische Schuldenberg um rund EUR 550 Milliarden angestiegen. Davon hat die EZB fast 80% in ihren Büchern. Aber Europa kann ein kriselndes Griechenland auffangen – eine Finanzkrise in Italien würde das europäische Konzept zum Scheitern verurteilen. Deswegen sollten wir unseren Blick nicht nur in den Nahen Osten oder über den Atlantik sondern auch direkt hinter die Alpen richten, wenn wir wirtschaftliche Gefahren sichten wollen.

Das Unternehmen
Die Wolfgang Steubing AG Wertpapierdienstleister (Steubing AG) ist eine unabhängige Wertpapierhandelsbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gegründet von dem Frankfurter Unternehmer Wolfgang Steubing im Jahr 1987, erfolgte im Jahr 1999 die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Die Geschäftstätigkeit der Steubing AG (Geschäftsjahr: 1. Juli bis 30. Juni) setzt sich aus folgenden Bereichen zusammen: Kapitalmarktgeschäft; Institutionelle Kundenbetreuung; Handel und Integriertes Orderflow Management in börsennotierten Aktien, Anleihen, Zertifikaten, Optionsscheinen und ETFs; Spezialistentätigkeit und Designated Sponsoring. Die Steubing AG gehört zu den finanzstärksten Wertpapierhandelsbanken in Deutschland. Den Vorstand der Gesellschaft bilden Alexander Caspary und Carsten Bokelmann. Firmengründer Wolfgang Steubing fungiert als Vorsitzender des Aufsichtsrates.

http://www.fixed-income.org/
(Foto: Ralf Meinerzag © Steubing AG)


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