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KMUs und der Kapitalmarkt in der Coronakrise: Mehr Chancen als Risiken

Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Nachdem nun die ersten Lockerungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben einsetzen und sich die Kapitalmärkte nach den dramatischen Volatilitäten in vielen Finanzinstrumenten zunehmend stabilisieren stellt sich die große Frage: Wie geht es weiter?

Eine allgemeine Prognose hierzu ist sicher schwer zu treffen, da es keine Erfahrungen mit einem weltweiten Shutdown weitreichender Wirtschaftszweige gibt. Unabhängig von den allgemeinen Unsicherheiten durch den schwer vorherzusagenden weiteren Verlauf der Pandemie, werden die Entwicklungen regional und nach Branchen sehr differenziert verlaufen.

Hierbei dürfte insbesondere der Wirtschaftsraum USA durch einen besonders schweren Verlauf der Pandemie und ein in derartigen Phasen wenig belastbares Sozialsystem noch sehr lange mit den Folgen zu kämpfen haben. Bestimmte Produktions- und Lieferketten werden repatriiert werden, was neben den Vorwürfen im Bezug auf den Ausbruch der Pandemie insbesondere die chinesische Wirtschaft betreffen dürfte. Von dieser Rückkehr der Kapazitäten nach Europa werden flexible Mittelständler im besonderen Umfang profitieren.

Damit wird die Investitionsentscheidung für Anleger künftig nicht leichter. Detaillierte Kenntnis der fundamentalen Situation wird ein Schlüsselfaktor für langfristig erfolgreiche Investitionen in Aktien wie auch in Unternehmensanleihen sein. Die bisher so erfolgreichen diversifizierten Indexinvestments dürften gegenüber einer Einzelauswahl künftig zurückstehen.

In diesem Umfeld können sich KMUs, die Ihre Hausaufgaben hinsichtlich Börsenreife und Transparenz auch in der Krise erledigt haben, bzw. deren Geschäftsmodelle auch für die Zeit wieder normalisierter Umstände plausibel erscheinen, sicher behaupten.

Die Wirtschaft und gerade KMUs benötigen mehr denn je einen leistungsfähigen Kapitalmarkt, um eine effektive Allokation der gigantischen Liquidität zu gewährleisten. Gerade die Kreditwirtschaft in Deutschland zeigte bereits vor dem Ausbruch der Pandemie nur schwache wirtschaftliche Performance. Die neueste Umfrage zum Zugang von Unternehmen zu Finanzmitteln zeigt wenig Überraschendes: Die Verfügbarkeit von Bankkrediten für KMUs hat sich von 10% auf 5% halbiert. Der Grund: Die Banken vergeben generell weniger Firmenkundenkredite. Nun fordert die EZB die Banken zu umgehen. Die Zentralbank möchte, ähnlich der US-Notenbank FED, selbst Kredite an KMUs vergeben. Die EZB hat aber überhaupt nicht die Ressourcen, um einen Kredit-Vergabeprozess zu steuern – erst recht nicht kurzfristig.

Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Joachim Wuermeling, warnt die Institute vor steigenden Belastungen im Kreditgeschäft im zweiten Halbjahr. "Die größten Sorgen machen mir als Aufseher die Kreditrisiken, die voraussichtlich vermehrt ab dem dritten Quartal schlagend werden.“ Im Fokus stehen dabei für ihn Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige, die etwa ein Viertel aller vergebenen Kredite ausmachen und deren Volumen zu mehr als zwei Drittel eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren haben. Moratorien, Bilanzierungs- und Abschreibungsregeln führten zu einem Zeitgewinn, erklärte Wuermeling und fügte hinzu: "Der Moment der Wahrheit aber wird kommen, wenn sich die Kreditrisiken materialisieren.“

Insofern müssen zunehmend mittelständische Unternehmen auf andere Finanzierungsquellen ausweichen, um die notwendigen Investitionen in den „Wiederaufbau“ und die Anpassung der deutschen Wirtschaft an die vorstehend beschriebenen tektonischen globalen Verschiebungen darzustellen. Und Emittenten, welche die klassischen Entscheidungsparameter wie glaubwürdiges Management, eine (coronabereinigte) vorzeigbare Historie und ein belastbares Geschäftsmodell vorzeigen können, werden das Vertrauen der Investoren auch bekommen. Es gilt natürlich den richtigen Finanzierungsmix zwischen Eigenkapital und Fremdkapital zu finden und insofern erwarten wir Bewegung sowohl für den Aktienmarkt als auch für den Markt der Unternehmensanleihen.

Bezeichnenderweise gibt es KMU-Anleihen, die wieder nahe dem Vorkrisenniveau notieren und damit bestätigen, wie eine ernstzunehmende Kapitalmarktpräsenz und Transparenz auch in schwierigen Zeiten umzusetzen ist. Diese Kriterien werden auch für neue Emittenten gelten müssen. Eine sorgfältige Auswahl ist erste Bürgerpflicht für Investoren. Im Bereich der Immobilien dürfte sich die Entwicklung des Marktes sehr differenziert fortsetzen.  Anleger sollten neben den regionalen und regulatorischen Kriterien darauf achten, in welchem Segment ein Unternehmen tätig ist. Denn die Entwicklung bei Büro, - Gewerbe,- und Übernachtungsimmobilien wird nicht linear mit der der Wohnimmobilien verlaufen. Auch in anderen Branchen gilt „Trau-Schau-Wem“. Die am Kapitalmarkt tätigen Banken sollten dies beherzigen und dem Investor eine maximale Transparenz in Form von hochwertigem Research, Emissionsprospekten oder Ratingreports anbieten.

Die bisherige europäische Regulierung (MiFID II, MAR) hat insbesondere das KMU Segment belastet – das ist ja zwischenzeitlich auch bei den Regulatoren angekommen. Die jüngste Konsultation der European Securities and Markets Authority (ESMA) zum Review des sogenannten „Unbundlings“ bei KMU-Research liefert entsprechende Signale. Hier ist es dringend erforderlich, die regulatorischen Hürden für KMU im Kapitalmarkt auf ein angemessenes und effektives Niveau zu setzen. Erfahrungsgemäß wird dies aber leider (zu) lange dauern.

Nutzbar erscheinen die Förderungsmöglichkeiten durch Garantien für Schuldtitel durch den Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes. Eine staatliche Förderung bei der Beschaffung von ebenfalls dringend benötigtem Eigenkapital über den Kapitalmarkt ist hier ebenfalls wünschenswert. Steuerliche Anreize für Investitionen in geeignete KMUs oder bei den Transaktionskosten wären eine wichtige Unterstützung, um diese weltweite Krise in Europa und in Deutschland zu meistern.

Wir sind uns sicher: Der Kapitalmarkt wird schneller wiederauferstehen als manche heute glauben mögen. Denn er wird dringend gebraucht.

Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE0006656101, WKN 6656101) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 38.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.

www.fixed-income.org
Foto: Kai Jordan © mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank


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