YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Mittelstandsanleihen: Methodik und Menschen

Standpunkt German Mittelstand

Konsequenzen müssen her: Die unterjährige Pleitewelle bei Mittelstandsanleihen ruft fast alle Beteiligten auf den Plan. Selbst auf dem politischen Parkett in Berlin ist die Thematik mittlerweile angekommen. Die hohen Ausfallraten bei den Minibonds zeigen, dass etwas grundsätzlich falsch laufe in dem Segment. Aus diesem Grund forderten die Grünen die Bundesregierung zum Handeln auf. „Dagegen sieht die Bundesregierung keinen Anlass für neue Regularien. Es liege in der Verantwortung der Anleger, Wertpapierprospekte und andere Informationsquellen auszuwerten sowie sich gegebenenfalls beraten zu lassen. Die bestehenden Standards für Emittenten seien keine Ursache für die hohen Ausfallquoten, heißt es in einer Stellungnahme der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen.“ (Finanztrends Newsletter)

Die Deutsche Börse sieht dies anders und will eine radikale Veränderung ab März 2017. Dann wird der Entry Standard zu Grabe getragen. Aus Sicht der Börse hat er sich nicht als Qualitätssegment durchgesetzt. Das Nachfolgesegment (Namensfindung noch nicht abgeschlossen) soll noch stärker reguliert werden: „Zunächst einmal verschärft die Börse ihren Zugriff auf die Emittenten und deren Dienstleister. Zum einen definiert sie klare Kriterien, die ein Unternehmen erfüllen muss, um mit seiner Aktie oder neuen Anleihen überhaupt an den Markt kommen zu dürfen. Drei von diesen folgenden fünf Kriterien müssen erfüllt sein: Ein Mindestumsatz von 10 Millionen Euro, ein positiver Jahresüberschuss, mindestens 20 Mitarbeiter, ein positives bilanzielles Eigenkapital sowie eine Mindestsumme von 5 Millionen Euro an Eigenkapital, die der Emittent im Vorfeld seines Börsengangs oder seiner Bondemission bereits bei externen Investoren eingeworben haben muss. Ganz generell dürften es Unternehmen mit einem Börsenwert von unter 30 Millionen Euro schwer haben, in das neue Segment hinein zu kommen.“ (Finance Magazin)

Grundsätzlich begrüßen wir die Schaffung neuer Regularien, geben aber zu bedenken: Wenn alle Beteiligten die Regularien des Entry Standards eingehalten hätten (Banken, Rechtsberatungen, Kommunikationsagenturen und die Emittenten), dann wäre es aus unserer Sicht nicht zu so vielen Pleiten in diesem Segment gekommen. Das Motto war: Möglichst schnell und viel. Die Emissionsbegleiter sind eben auch ihrer eigenen P&L verpflichtet. Nur wenige IBO´s wurden deswegen von den Beratern abgelehnt oder floppten gar. Ein Beispiel: apassionata im April letzten Jahres. „
Die geplante Anleiheemission der apassionata Entertainment GmbH im avisierten Zielvolumen von bis zu 30 Mio. EUR wurde (…) abgesagt. Ursächlich für die Absage war laut apassionata die ’zu geringe Nachfrage von institutionellen Anlegern, die den Großteil der Emission übernehmen sollten.’“ (Bondguide) Was lernen wir daraus? Bringt die Einführung eines neuen Segmentes durch die Deutsche Börse was? Denn nur die eine Seite der Medaille betrifft die Börsen und die Berater. Die andere Seite – aus unserer Sicht – die (europäische) Politik und die emittierenden Unternehmen.

Die Einführung des ESUG hat vielen Unternehmen eine neue (und einfache) „Lösung der Schuldenproblematik“ aufgezeigt. Man flüchtet sich unter einen Schutzschirm und strebt eine Insolvenz in Eigenverwaltung an. Im Rahmen eines Sanierungsplans kommt es zu einem Hair-Cut für die Anleihegläubiger, der schnell mal bis zu 90 % des Anleihevolumens bedeuten kann. (Grundvoraussetzung: Das Unternehmen muss keine Insolvenz mangels Masse anmelden. Dann ist natürlich alles weg.) Wir haben schon häufiger beschrieben, dass das ESUG dazu führt, dass Fremdkapitalgeber am Kapitalmarkt nicht mehr teilnehmen wollen. Nun plant die EU noch eine (leichte) Erweiterung des ESUG: „
Unternehmen, die im Kern gesund sind, aber unter einer hohen Schuldenlast ächzen, können auf Erleichterung hoffen: Die EU-Kommission hat einen Richtlinienentwurf vorgelegt, der den Unternehmen eine frühzeitige Restrukturierung der Finanzschulden ermöglichen soll. So will die EU verhindern, dass Unternehmen in die Pleite schlittern und Arbeitsplätze verloren gehen.“ (Finance-Magazin)

Der Markt für Mittelstandsanleihen hat insbesondere in den letzten 12 Monaten gezeigt, dass dies der falsche Weg ist. Welche Investoren erklären sich unter diesen Voraussetzungen noch bereit, Fremdkapital über den Kapitalmarkt bereit zu stellen? Da nutzt es nichts, dass die Deutsche Börse den Entry Standard abschafft und härtere Kontrollen für den Eintritt in das neue Segment schaffen will, wenn hier auf der anderen Seite Möglichkeiten geschaffen werden, sich von seiner Schuldenlast legal und einfach zu befreien.

Methodik und Menschen: Wir können die Methodik scheinbar verbessern oder verschlechtern. Der handelnde Mensch muss sich verändern. Der Entry Standard hat uns gezeigt, was passieren kann, wenn sich die teilnehmenden Institutionen / Personen wie teilweise Raubritter verhalten. Wirtschaftsethische Grundsätze müssen wieder Einzug halten. Und hoffentlich nicht nur ein vorweihnachtlicher Wunsch: Manchmal ist das Primat des Vertrauens besser als (nicht funktionierende) Kontrolle.

Im „Standpunkt German Mittelstand“ äußert sich das Team um Ralf Meinerzag regelmäßig zum Markt für Mittelstands- und Hochzinsanleihen.

www.fixed-income.org


Investment

von Robert Sockin, Chief US Economist bei PGIM

Ange­sichts der jüngsten Maß­nahmen des US-Finanz­minis­teriums und des anhal­tenden Anstiegs der lang­fristigen Renditen richtet sich die…
Weiterlesen
Investment
Als Reaktion auf die hohen Renditen bei langlaufenden US-Staats­anleihen hat das Finanz­ministerium der Ver­einigten Staaten letzte Woche weitere…
Weiterlesen
Investment
Zum Ende der Woche gehen Experten von Fede­rated Hermes auf das aktuelle Ge­schehen an den wichtig­sten Finanz­märkten ein. In dieser Woche…
Weiterlesen
Investment

von Lotfi Karoui, Multi-Asset Credit Strategist bei PIMCO

Im weiteren Verlauf des Kredit­zyklus bleiben Zahlungs­aus­fälle ein zentrales Thema. Für Investoren, die neben den öffent­lichen Märkten auch die…
Weiterlesen
Investment
Die Renditen lang­laufender US-Staats­anleihen erreichten kürzlich ein Rekord­hoch. Daraufhin – und zwar just an dem Tag, als die…
Weiterlesen
Investment

von Daniel Morris, Chief Market Strategist bei BNP Paribas Asset Management

Rekord­ver­dächtig war dieses Jahr der europä­ische Sommer. In Groß­britan­nien wird er wohl der wärmste seit Beginn der Auf­zeich­nungen im Jahr 1884…
Weiterlesen
Investment

US-Regierung spürt den Druck steigender Zinsen / von Eoin Walsh, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management

Das US-Finanz­minis­terium über­raschte die Märkte gestern Nach­­mittag mit der Ankündigung, seine Rück­kauf­prog­ramme auszu­weiten. Diese sollen vom…
Weiterlesen
Investment

von Bertrand Lecourt, Senior Fondsmanager bei J O Hambro

Nach Hitze und Trocken­heit wird in vielen Teilen Europas wieder über Wasser gespro­chen, eine Ressource, die lange als selbst­ver­ständ­lich galt.…
Weiterlesen
Investment

von Marcio Costa, Senior Portfoliomanager, BANTLEON

Nach dem jüngsten massiven Rendite­anstieg ist das markt­tech­nische Bild für deutsche Bundes­anleihen und US-Treasuries weiterhin moderat negativ zu…
Weiterlesen
Investment

von John Lloyd, Global Head of Multi-Sector and Corporate Credit, und Tom Ross, Global Head of High Yield, Janus Henderson Investors

Die Ver­engung der Credit Spreads (die Rendite­differenz zwischen einer Unter­nehmens­anleihe und einer Staats­anleihe mit ähnlicher Laufzeit) ist…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!