YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Nach dem “Referenzi“ oder „Unverhofft kommt oft“ - Verfassungsänderung durch das italienische Volk abgelehnt

von Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel

Am 4. Dezember fand die Abstimmung über eine von Ministerpräsident Renzi auf den Weg gebrachte Verfassungsreform statt. Das Ereignis stand zwar lange Zeit im Schatten der Wahl des neuen US-Präsidenten einen Monat zuvor, kam aber in der letzten Woche doch verstärkt auf die Tagesordnung der Börsianer. Die allgemeine Erwartung lag auf einer Ablehnung des Vorhabens und damit einhergehend dem Rücktritt Renzis als Ministerpräsident. Genau so kam es.

Vorerst keine negativen Auswirkungen an den Börsen
Anders als erwartet, gab es jedoch kein Börsenbeben. Im Gegenteil: im Laufe des Montagvormittags stiegen Aktien und der Euro deutlich an. Die Zinsen für Bundesanleihen setzten ihren bereits seit Oktober bestehenden Anstieg fort. Italienische Staatsanleihen notierten nur marginal höher als in der Vorwoche. Offensichtlich wurden die potenziellen negativen Auswirkungen des Referendums auf die Börsen bereits vorher eingepreist. Wer auf weiter fallende Aktiennotierungen gesetzt hatte, musste sein Fehlkalkül schnell korrigieren und Aktien kaufen, was die Kurse zusätzlich befeuerte.


Kurzfristig hängt alles von der Regierungsneubildung ab
Das Heft des Handelns liegt nun in den Händen des italienischen Staatspräsidenten Mattarella. Er wird die Bildung einer Übergangsregierung veranlassen. Nachdem Matteo Renzi bereits abgelehnt hat, wird diesen Auftrag wahrscheinlich ein respektierter Technokrat, z.B. Wirtschaftsminister Padoan, übernehmen. Schon zwischen 2011 und 2013 hatte eine technokratische Regierung unter Mario Monti für einige Monate die Geschicke des Landes geleitet. Nur wenn die neue Regierung nicht innerhalb von 70 Tagen nach Renzis Rücktritt gebildet werden kann, müsste Mattarella vorgezogene Neuwahlen ausrufen. Da die meisten Parteien daran jedoch kein Interesse haben, ist dies nicht zu erwarten. Die Arbeit der Übergangsregierung wäre dann mit den regulären Neuwahlen im Mai 2018 beendet. Bei diesen könnten eurokritische Protestparteien wie z.B. die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo größeren Einfluss gewinnen. Vorerst sieht es aber so aus, als ob in den nächsten Monaten politisch alles in „gewohnten italienischen Bahnen“ verlaufen wird.


Trotzdem ist keine Entspannung angesagt, nicht in Italien…
Zwar ist der Börse ein vorweihnachtliches Debakel erspart geblieben, allerdings sind die bestehenden Problemfelder damit keinesfalls gelöst. In Italien sind dies vor allem eine ausufernde Staatsverschuldung mit über 130 Prozent bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt und die latente Bankenkrise. Einige italienische Großbanken stehen angesichts der schwierigen geschäftlichen Lage im Nullzinsumfeld und einem Berg fauler Kredite vor dringend notwendigen Kapitalerhöhungen. Sollten diese nicht aus eigener Kraft gelingen, kämen unweigerlich Fragen nach einer staatlichen Rettung auf, die eben von der designierten Übergangsregierung beantwortet werden müssten. Erschwerend kommt hinzu, dass gemäß den aktuellen europäischen Regelungen staatliche Beihilfen für Banken nur unter sehr restriktiven Voraussetzungen möglich sind.


…und schon gar nicht in Europa
In Europa steht nach wie vor die ungelöste Staatsschuldenkrise auf der Agenda. Gleichzeitig drängt die EZB verstärkt darauf, die Rolle als Dauer-Feuerwehrmann, die sie seit 2008 inne hat, abzugeben. Ihre Mittel sind nahezu erschöpft oder wirken sich angesichts der allgegenwärtigen Nullzinsen massiv negativ auf Sparer, Unternehmen und Finanzindustrie aus. In die Bresche springen müssten die Regierungen der europäischen Teilnehmerstaaten mit dringend notwendigen Strukturreformen und zukunftsgerichteten Investitionen. Genau das kann allerdings auch in den kommenden Monaten kaum erwartet werden – nicht nur in Italien. So stehen 2017 in den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland Parlamentswahlen auf dem Programm. Wahlkampfzeiten sind aber generell nicht die Zeiten reformfreudiger Regierungen. Erschwerend kommt hinzu, dass in den meisten Euro-Teilnehmerstaaten weiterhin eurokritische Kräfte auf dem Vormarsch sind.


www.fixed-income.org
  (Foto: Carsten Mumm, Donner & Reuschel)

Investment
Die aktuelle Zins­ent­schei­dung der EZB kom­mentiert Jill Hirzel, Senior Invest­ment Specialist bei Insight Invest­ment:Die EZB hat die Zinssätze in…
Weiterlesen
Investment
Die Europä­ische Zentral­bank hat den Einlagen­zins auf ihrer gestrigen Sitzung unver­ändert bei 2,25% belassen. Konstantin Veit, Port­folio­manager…
Weiterlesen
Investment
BlackRock ver­öffent­licht heute seinen Fixed Income Outlook für das dritte Quartal 2026. In einem Umfeld, das weiterhin von geo­poli­tischen…
Weiterlesen
Investment
Die morgigen Sitzung der Europä­ischen Zentral­bank (EZB) kommen­tiert Claudia Fontanive-Wyss, Portfolio­managerin bei Vontobel:Wir erwarten, dass die…
Weiterlesen
Investment

Kommentar von Ophelie Mortier, Chief Sustainable Investment Officer bei DPAM

Am 24. Juni hat der EU-Rat seinen Vor­schlag für die Reform der Nach­haltig­keits-Offen­legungs­ver­ord­nung SFDR vorgelegt. Ab vor­aus­sicht­lich…
Weiterlesen
Investment

Finanzsektor war weltweit die größte Quelle sowohl für Dividenden als auch für Aktienrückkäufe

Laut der ersten Aus­gabe des „Janus Henderson Global Dividend and Buyback Index“ stiegen die welt­weiten Divi­denden im ersten Quartal 2026 auf 424,5…
Weiterlesen
Investment
Die Renten­märkte sind gestützt durch eine wider­stands­fähige Kon­junktur, solide Unter­nehmens- und Ver­braucher­bilanzen sowie günstige…
Weiterlesen
Investment

von François Rimeu, Chief Strategist, Crédit Mutuel Asset Management

Die allge­meine Ab­schwä­chung der Inflation – die Gesamt­inflation ist im Juni wieder unter 3% gesunken – spricht dafür, dass die Europä­ische…
Weiterlesen
Investment

von François Rimeu, Senior Strategist, Crédit Mutuel Asset Management

Zölle könnten in den kom­menden Monaten erneut zu einem zentralen Markt­thema werden. Obwohl sie nach den starken Markt­tur­bulenzen, die Donald…
Weiterlesen
Investment

von John Kerschner, Global Head of Securitised Products, Janus Henderson Investors

Die jüngste Out­per­for­mance der CLO-Sektoren ist kein Aus­reißer: BBB-CLOs waren nicht nur seit Jahres­beginn (YTD) 2026 der Fixed-Income-Sektor mit…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!