Anleger richten ihren Blick derzeit zu stark auf steigende Renditen und geopolitische Risiken und unterschätzen dabei die verbesserten Wachstumsaussichten, sagt Christian Schwab, Head of Portfolio Management bei Rothschild & Co Wealth Management Deutschland. Vor allem in den USA deuteten vorlaufende Indikatoren auf eine Beschleunigung der Konjunktur hin. Das schafft aus Sicht von Schwab ein grundsätzlich konstruktives Umfeld für Aktien. Gleichzeitig seien nach dem deutlichen Renditeanstieg auch Anleihen wieder interessanter geworden.
„Der Markt fokussiert sich derzeit sehr stark auf die Risiken höherer Zinsen. Dabei wird unterschätzt, dass ein Teil des Renditeanstiegs auf bessere Wachstumsaussichten zurückzuführen ist. Bestätigt sich diese Dynamik, bleibt das Umfeld für Aktien grundsätzlich konstruktiv“, kommentiert Christian Schwab.
Unternehmensgewinne stützen Aktien
Entscheidend für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte sind aus Sicht von Schwab die Fundamentaldaten. Die US-Wirtschaft zeige sich weiterhin robust, getragen von privatem Konsum, Unternehmensinvestitionen und steigenden Gewinnen. Besonders Investitionen in Künstliche Intelligenz und die dafür notwendige Infrastruktur blieben ein wichtiger Wachstumstreiber. In Europa verbesserten sich die Aussichten ebenfalls, wenn auch von einem niedrigeren Ausgangsniveau. Zusätzliche öffentliche Investitionen könnten der Wirtschaft in den kommenden Quartalen weiteren Rückenwind verleihen.
„Solange Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne überzeugen, können höhere Zinsen zumindest teilweise kompensiert werden. Gleichzeitig haben die steigenden Gewinne dazu geführt, dass sich die Bewertungsniveaus sowohl in den USA als auch in Europa attraktiver darstellen“, erklärt Christian Schwab. Auch für Deutschland bleibt Schwab trotz struktureller Herausforderungen zuversichtlich: Er hält Wachstumsraten von über einem Prozent für möglich. In den USA deuteten die vorlaufenden Wirtschaftsindikatoren auf eine noch stärkere Dynamik hin.
Zinserwartungen erscheinen ambitioniert
Die bessere Konjunktur verändere zugleich den Zinsausblick. Noch zu Jahresbeginn hätten viele Marktteilnehmer mit sinkenden Leitzinsen gerechnet. Inzwischen sprächen solides Wachstum, niedrige Arbeitslosigkeit und eine weiterhin erhöhte Kerninflation dafür, dass die Notenbanken ihren restriktiven Kurs länger fortsetzen könnten: Der Kapitalmarkt preise sowohl in den USA als auch in Europa bis Ende 2027 weitere Zinserhöhungen ein.
„Die derzeit eingepreisten Zinserwartungen erscheinen uns ambitioniert. Gleichzeitig haben sich die Bewertungen von Anleihen nach dem erneuten Renditeanstieg deutlich verbessert. Damit ist auch das Chancen-Risiko-Verhältnis heute attraktiver als noch vor einigen Monaten“, so Schwab.
Anleihen werden wieder interessanter
Der jüngste Renditeanstieg habe Anleihen zunächst unter Druck gesetzt, zugleich aber neue Einstiegsmöglichkeiten geschaffen. Schwab dazu: „Renditen von mehr als 5,5 Prozent bei 30-jährigen US-Staatsanleihen und von mehr als 3,6 Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen markieren Niveaus, die seit vielen Jahren nicht mehr zu beobachten waren.“ Für langfristig orientierte Anleger ergeben sich daraus aus Schwabs Sicht wieder interessante Ertragschancen.
Kurzfristige Schwankungen blieben angesichts geopolitischer Spannungen und geldpolitischer Unsicherheit wahrscheinlich. Der Experte sieht die Kapitalmärkte dennoch in einer besseren Ausgangslage, als die aktuelle Risikodebatte vermuten lässt: „Entscheidend für die kommenden Monate wird sein, ob sich die positiven Wachstumssignale in den Konjunkturdaten bestätigen. Dann könnten sich die Märkte wieder stärker an den Fundamentaldaten orientieren und weniger an möglichen Risikoszenarien.“
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