Die Lage in Frankreich spitzt sich zunehmend zu. Angesichts der weiter steigenden Staatsverschuldung richtet sich der Blick der Anleger verstärkt auf die Entwicklung an den Anleihemärkten und die Frage, ob die EZB angesichts des zunehmenden Drucks zum Eingreifen gezwungen sein könnte. Mitch Reznick, Head of Cross Border Credit bei Federated Hermes, kommentiert:
Frankreich rückt zunehmend ins Zentrum des Ausverkaufs an den europäischen Anleihemärkten. Der Spread zwischen französischen OATs und deutschen Bundesanleihen ist auf über 140 Basispunkte gestiegen. Dahinter stehen die wachsende Sorge über die hohe Staatsverschuldung und die anhaltend hohen Haushaltsdefizite, das gestiegene Anleiheangebot sowie die politische Unsicherheit im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen.
Auch die Geschwindigkeit der Entwicklung ist bemerkenswert. Anleger ziehen sich zunehmend aus französischen Staatsanleihen zurück und suchen Sicherheit in deutschen Bundesanleihen, wodurch sich der Renditeabstand weiter ausweitet. Auch in anderen Teilen des europäischen Anleihemarktes zeigen sich erste Belastungen: So haben sich etwa die Spreads italienischer Staatsanleihen ebenfalls ausgeweitet. Frankreichs Bedeutung für europäische Indizes verstärkt die Auswirkungen zusätzlich. Mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent an europäischen High-Yield-Anleihen und CoCos belasten die Entwicklungen in Frankreich die Gesamtperformance dieser Segmente, wobei insbesondere französische Banken unter Druck stehen.
Ein Eingreifen der EZB erscheint zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Sollten sich die Spreads jedoch weiter ausweiten und der Marktdruck zunehmen, könnte sich der Ton der Währungshüter allmählich verändern. Eine gewisse Neubewertung des Risikos ist grundsätzlich nicht problematisch. Allerdings wird Frankreich an den Märkten zunehmend weniger als Teil des europäischen Kerns und stärker als Peripherieland bewertet.
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