YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige

Höhere Anleiherenditen: mehr als nur ein Risiko

Bastian Freitag, Head of Fixed Income © Rothschild & Co Wealth Management Deutschland

Die Renditen von Staats­anleihen sind deut­lich gestiegen. Für Bastian Freitag, Head of Fixed Income bei Roth­schild & Co Wealth Manage­ment Deutsch­land, ist das jedoch nicht auto­matisch ein Warn­signal für die Kon­junktur: „Wer den Rendite­anstieg allein mit Inflation oder steigender Staats­ver­schuldung erklärt, greift zu kurz. Ent­scheidend ist, welche Faktoren tat­sächlich hinter den höheren Renditen stehen.“

Dabei lohnt aus seiner Sicht zunächst ein Blick auf die vergangenen Jahre. „Wir haben uns lange an ein Zinsumfeld gewöhnt, das historisch alles andere als normal war“, sagt Freitag. Nach der Finanzkrise bewegten sich die Zinsen über viele Jahre auf außergewöhnlich niedrigen Niveaus. Die heutige Rückkehr zu deutlich höheren Renditen seien deshalb nicht ausschließlich ein neuer Belastungsfaktor, sondern auch eine Normalisierung der Kapitalkosten.

Nicht nur Inflation treibt die Renditen

Inflation sei ein wichtiger, aber nicht der einzige Treiber. „Der jüngste Anstieg der Energiepreise erhöht den kurzfristigen Preisdruck und beeinflusst die Inflationserwartungen“, sagt Freitag. Daraus lasse sich jedoch nicht unmittelbar ein dauerhaft höherer Inflationspfad ableiten. Für die langfristige Renditeentwicklung seien auch die Realzinsen entscheidend: „Ein höheres Renditeniveau kann Ausdruck höherer realer Kapitalkosten sein. Das ist etwas anderes als ein Markt, der ausschließlich eine dauerhaft höhere Inflation einpreist.“

Auch die Geldpolitik müsse in diesem Zusammenhang betrachtet werden. Höhere Leitzinsen und die Erwartung eines länger restriktiven Kurses erhöhten den Druck auf Anleiherenditen. Gleichzeitig komme es darauf an, wie glaubwürdig die Notenbanken bei der Inflationsbekämpfung wahrgenommen würden. „Für die Anleihemärkte ist es ein Unterschied, ob die Renditen wegen eines Vertrauensverlusts steigen oder weil die Notenbank auf eine robuste Nachfrage und höhere reale Wachstumsraten reagiert.“

Der Konjunkturzyklus bleibt entscheidend

Freitag betrachtet deshalb den wirtschaftlichen Kontext als zentral. „Langfristige Anleiherenditen werden nicht nur durch die Staatsfinanzen bestimmt. Auch Wachstum und die Nachfrage nach Kapital spielen eine wesentliche Rolle.“ Das gelte insbesondere dann, wenn Unternehmen ihre Investitionen ausweiten und Kapital produktiver eingesetzt werde. „Eine Wirtschaft, die mehr Kapital nachfragt und höhere Renditen auf dieses Kapital erwirtschaftet, kann auch ein höheres Zinsniveau tragen.“

Für Deutschland und den Euroraum sei dabei allerdings eine differenzierte Betrachtung notwendig, schränkt der Experte ein. „Die wirtschaftliche Dynamik ist hier schwächer als in den USA. Deshalb wäre es zu einfach, den aktuellen Renditeanstieg allein mit einer stärkeren Konjunktur zu begründen.“ Vielmehr spiegelten sich im aktuellen Renditeanstieg in der Eurozone auch die gestiegenen Energiepreise und damit einhergehend Inflationsraten, die deutlich oberhalb des EZB-Ziels verharren.

Entscheidend sei das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, von Inflation und Geldpolitik über Wachstum bis hin zu den langfristigen Perspektiven der öffentlichen Finanzen. Freitag dazu: „Die Frage ist nicht nur, wie viel ein Staat aufnimmt, sondern auch, wie sich Wachstum, Inflation und die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen entwickeln.“ Damit verschiebe sich auch der Blick auf die aktuellen Renditen. „Ein Renditeanstieg ist nicht per se gut oder schlecht. Er muss im Kontext seiner Ursachen betrachtet werden.“

Anleihen könnten wieder zum Portfolioertrag beitragen

Für Anleger hat das veränderte Zinsumfeld aus Sicht Freitags eine konkrete Konsequenz: „Steigende Renditen sind kurzfristig natürlich mit Kursverlusten bei bestehenden Anleihen verbunden. Für neu investiertes Kapital bedeutet ein höheres Ausgangsrenditeniveau aber auch ein höheres langfristiges Ertragspotenzial.“

Damit könnten Anleihen wieder stärker aus eigener Kraft zum Portfolioertrag beitragen. „Über Jahre standen Anleihen vor allem für Diversifikation und Stabilität. Heute liefern sie wieder einen laufenden Ertrag, der für langfristig orientierte Anleger relevanter geworden ist.“

Von einer sicheren Wende am Rentenmarkt könne dennoch keine Rede sein, so Freitag: „Inflation, Geldpolitik und geopolitische Risiken können die Renditen weiter bewegen. Deshalb kommt es weniger darauf an, einen exakten Wendepunkt vorherzusagen, als die Qualität der Anleihen und die passende Laufzeitstruktur im Blick zu behalten.“

Freitags Schlussfolgerung: „Das höhere Zinsniveau verändert die Ausgangslage für Anleger. Anleihen sind wieder mehr als nur ein Puffer für schwächere Aktienmärkte: Sie können wieder einen eigenständigen Beitrag zum langfristigen Ertrag leisten.“

www.fixed-income.org

 

Investment

von Bruno Lamoral, Portfoliomanager für institutionelle Mandate bei DPAM

Mit Blick auf das vierte Quartal werden die US-Zwischen­wahlen erhebliche Aufmerk­samkeit auf sich ziehen. Während allge­mein erwartet wird, dass die…
Weiterlesen
Investment

von Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, DWS

Erneut stehen wir vor der allzu ver­trauten Frage: Ist die hohe Inflation oder die jüngste Ab­kühlung am US-Arbeits­markt für die Zins­ent­scheidung…
Weiterlesen
Investment
Viele europä­ische Regie­rungen geraten in die Enge, weil sich ihre Haus­halts­lage ver­schlech­tert und der poli­tische Druck wächst. Warum für…
Weiterlesen
Investment
Ned Naylor-Leyland, Head of Strategy Gold & Silver, analysiert die jüngsten Markt­trends bei Gold und Silber, die stei­gende Profita­bilität von Gold-…
Weiterlesen
Investment
Europä­ische Banken und Versicherer haben bis Ende Sep­tember grüne Anleihen (Green Bonds) im Volumen von 56 Mrd. Euro emittiert. Das geht aus dem…
Weiterlesen
Investment
BlackRock hat den Fixed Income Outlook für das vierte Quartal ver­öffent­licht. Die Kern­aussage des Fixed-Income-Teams sind: Dank des höheren…
Weiterlesen
Investment
Anläss­lich der Fed-Sitzung nächste Woche kommen­tieren Experten von Insight Invest­ment Experten, Teil von BNY Mellon und einer der größten Fixed…
Weiterlesen
Investment
Markt­kommen­tar des BlackRock Invest­ment Institute (BII). Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapital­markt­strategie Deutsch­land, Schweiz, Öster­reich…
Weiterlesen
Investment
Das dritte Quartal 2026 stand im Zeichen geo­politisch getrie­bener Energie­preise und restrik­tiver Noten­banken. Die Kon­junktur blieb über­raschend…
Weiterlesen
Investment

von Richard Bernstein, Global Head of Macro and Customized Investing, Chris Benway, Director of Research, and Michael Talaga, Global Head of Credit…

Anleger neigen dazu, den Zentral­banken viel Aner­kennung für die mehr als 30 Jahre an­dauernde Des­inflation zu zollen, die vor der Pandemie…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!