YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Was erwartet Anleger mit der Zinswende?

von Ariel Bezalel und Harry Richards, Investmentmanager bei Jupiter Asset Management

Nach ihrem Kampf gegen die schlimmste Inflations­welle seit der Volcker-Ära[1] beginnen die großen Zentral­banken der westlichen Welt endlich, die Zinsen zu senken.

In den vergan­genen zwei Jahren hatte sich die US-Noten­bank (Fed) vor allem darauf konzentriert, den Preis­druck in den Griff zu bekommen, der durch den Nach­frage­boom im Nachgang der Corona-Pandemie ausgelöst wurde. Das Wirtschaftswachstum hatte sich als viel robuster erwiesen als erwartet, und verschiedene Datenpunkte sendeten zum Teil widersprüchliche Signale aus. Das erschwerte es den Zentralbanken, Herr der Lage zu werden, und sorgte für Verunsicherung an den Märkten.

Der Anstieg der Kerninflation im ersten Quartal verschreckte die Märkte zusätzlich und führte dazu, dass die Erwartungen an Zinssenkungen in die zweite Jahreshälfte 2024 verschoben wurden. Die ausgeprägte Saisonalität der monatlichen Inflationsdaten und die Unzuverlässigkeit der saisonbereinigten Werte haben die Bewertung der Fortschritte in Richtung des Inflationsziels von 2 Prozent erschwert. Grundlegendere Zahlen verdeutlichen den sich abzeichnenden Trend jedoch.

[1] Als Fed-Vorsitzender von 1979 bis 1987 brachte Paul Volcker die ausufernde Inflation mit aggressiven geldpolitischen Maßnahmen unter Kontrolle

Wir glauben, dass sich die Inflation wieder im Abwärtstrend befindet. Die nicht saisonbereinigten Monatsvergleichszahlen für den US-Kerninflationsindex seit Oktober 2022 zeigen, dass die monatliche Inflation in fast allen Monaten mit einigen wenigen Ausnahmen unter dem Vorjahreswert lag. Auch die üblichen Inflationstreiber waren in den letzten zwei Jahren weitgehend abwesend: In den wichtigsten Industrieländern gab es kein Geldmengenwachstum und die Rohstoff- und Lebensmittelpreise fielen moderater aus.

Der Arbeitsmarkt wird schwächer

Das bevorzugte Inflationsmaß der Fed bewegt sich kontinuierlich in Richtung ihres 2-Prozent-Ziels. Wir weisen bereits seit vielen Monaten auf die Schwäche am Arbeitsmarkt hin und die steigende Arbeitslosenrate könnte ein wesentlicher Grund für die weniger restriktive Haltung von Fed-Chef Jerome Powell sein. Angesichts der nachlassenden Inflation scheint sich die Fed auf ihr anderes wichtiges geldpolitisches Mandat zu konzentrieren.

Die Lage am US-Arbeitsmarkt erscheint derzeit weniger angespannt als vor zwei Jahren. Das sollte zu einer weiteren Normalisierung des Lohnwachstums beitragen. Unserer Ansicht nach ist das derzeitige Lohnwachstum bei Produktivitätszuwächsen von 1,5% bis 2% förderlich für das Erreichen des 2-Prozent-Inflationsziels der Fed. Durch die Aussicht auf einen Arbeitskräfteüberschuss am Arbeitsmarkt muss auch nicht mit einer Lohn-Preis-Spirale gerechnet werden.

Konsumabschwächung in Sicht

Die durch die Pandemie verursachten Verwerfungen haben nach der Aufhebung der Covid-Beschränkungen zu einem starken Nachfrageanstieg geführt. Da es während der Pandemie wenig Möglichkeiten gab, Geld auszugeben, häuften die privaten Haushalte hohe Sparüberschüsse an. Das kurbelte die Nachfrage der Verbraucher, die 70% des US-BIP ausmachen, kräftig an.

Im zurückliegenden Jahr hat sich die finanzielle Lage der Verbraucher jedoch beständig verschlechtert. Bei der Präsentation ihrer jüngsten Quartalsergebnisse zeigten sich die großen Einzelhändler deutlich weniger optimistisch als zuvor. Der allmähliche Anstieg der Ausfälle bei Verbraucherkrediten ist ein weiteres Zeichen für Schwäche. Auch die Restaurantausgaben haben sich seit Jahresanfang etwas abgeschwächt.

Die geschätzten Sparüberschüsse, die niedrige Sparquote, ein größeres Volumen an Verbraucherkrediten, die schwächeren Einkommenserwartungen und die stagnierenden Einzelhandelsumsätze sind weitere Hinweise auf eine Verlangsamung.

Fokus auf hochwertige Vermögenswerte

Außerhalb der USA ist die Erholung der Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe bereits ins Stocken geraten. Ein Mix aus höheren Energiepreisen, fehlendem Spielraum für zusätzliche Haushaltsausgaben und einer nachlassenden Wettbewerbsfähigkeit von Waren gegenüber China macht einen Wachstumsaufschwung unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass die Ergebnisse der Wahlen in Europa die Unsicherheit an der politischen Front noch verstärken. Chinas strukturelle Probleme sind auch noch nicht gelöst.

In Großbritannien hat die Struktur des Hypothekenmarktes eine deutlich schnellere Übertragung der geldpolitischen Impulse auf die Realwirtschaft ermöglicht und die verfügbaren Einkommen und den Konsum gedämpft. Das Beschäftigungswachstum ist in Großbritannien zuletzt ebenfalls deutlich schwächer ausgefallen. Seit Jahresanfang sind die Löhne hier nicht mehr gestiegen.

Seit Powells jüngsten Äußerungen zur Geldpolitik konzentrieren sich die Diskussionen am Markt vor allem auf Tempo und Ausmaß bevorstehender Zinssenkungen. Die Anleger fragen sich immer noch, ob eine „weiche Landung“ mit minimalen negativen Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Gesamtwirtschaft möglich ist oder ob wir auf eine Rezession zusteuern.

Was uns angeht, halten wir die Realzinsen für zu hoch und sehen die Gefahr, dass sich die Zentralbanken zu einer noch schnelleren Lockerung ihrer Geldpolitik gezwungen sehen könnten, als sie die Märkte derzeit eingepreist haben. Dies könnte Anleihen, insbesondere den bonitätsstärkeren Segmenten der Anlageklasse, Auftrieb geben.

www.fixed-income.org 
Grafik: Im Vergleich zum geschätzten neutralen Zinssatz erscheinen die Realzinsen restriktiv*
Quelle: Bloomberg, NY Fed, Jupiter, Stand 31.07.24. Der reale Zentralbankzinssatz wird durch Abzug der Jahresrate des Kern-VPI (Kern-PCE für die USA) berechnet. * Berechnung des neutralen Zinssatzes auf der Grundlage des Holston-Laubach-Williams-Modells.


 

Investment

von RJ Gallo, CIO Global Fixed Income bei Federated Hermes

Die Renditen von Staats­anleihen aus Industrie­ländern sind in den letzten Wochen stark gestiegen. Ange­trieben wurde diese Ent­wicklung durch den…
Weiterlesen
Investment

von Charlotte Peuron, Portfolio Manager Thematic Equities, Crédit Mutuel Asset Management

Gold, das häufig als eine Form von „Währung“ betrachtet wird, profitierte seit der COVID-Krise erheblich von den hohen Haus­halts­defiziten in den…
Weiterlesen
Investment

von Cathy Hepworth, Head of PGIM Fixed Income's Emerging Markets Debt Team

In unserer kurz­fristigen Ein­schätzung der Spreads von Staats­anleihen aus Schwellen­ländern in Hart­währungen sind wir konstruktiv-vorsichtig. Das…
Weiterlesen
Investment
BlackRock legt heute vier neue iShares iBonds UCITS ETFs auf und erweitert sein Angebot an Anleihen-ETFs mit fester Laufzeit um die Fällig­keits­jahre…
Weiterlesen
Investment
Trotz der jüngsten Turbu­lenzen an den Finanz­märkten bleibt Lazard Asset Manage­ment opti­mistisch für Wandel­anleihen. „Die jüngsten…
Weiterlesen
Investment
Anleihen aus dem Öl- und Gas­bereich sind Profiteure aus dem Preis­schock in Folge des Iran-Krieges, wie Norbert Schmidt und Gerhard Mayer,…
Weiterlesen
Investment

von Josh Shipley, Head of Europe Direct Lending bei PGIM

Während eines Groß­teils des ver­gangenen Jahr­hunderts wurden euro­päische Fußball­vereine weniger wie Unter­nehmen behandelt, sondern eher wie…
Weiterlesen
Investment

von Jason DeVito & Mohammed Elmi, beide Senior Portfoliomanager bei Federated Hermes

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hat die weltweite Ölver­sorgung erheb­lich beein­trächtigt – was sich schließlich auch in den Preisen…
Weiterlesen
Investment
Lowie Debou, Fonds­manager bei DPAM, beurteilt die Ent­wicklung von Preisen und Inflations­er­wartungen infolge des Iran­konflikts: 1.  „Unmittelbar…
Weiterlesen
Investment
Infolge des Iran­kriegs erwartete die Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) bereits im April einen Inflationsschock und weitere…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!