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Weniger Wachstum, mehr Greenhushing - und doch finanzieren ESG-Anleihen die Energiewende

Ronald Van Steenweghen © DPAM

2,1 Billionen US-Dollar wurden im vergan­genen Jahr weltweit in die Energie­wende investiert, 11% mehr als 2023. Davor lagen die jährlichen Wachstums­raten über 25%. Trotz des gedros­selten Wachstums bleiben ESG-Anleihen jedoch eine tragende Säule der Klima­finanzierung, sagt Renten­fonds­manager Ronald Van Steenweghen von DPAM:

Übergang mit zwei Geschwindigkeiten

Verschiedene Berichte deuten darauf hin, dass sich die Kapitalströme bis 2030 verdoppeln oder sogar vervierfachen müssen, um kritische Klimakipppunkte zu verhindern und eine CO2-arme Wirtschaft zu erreichen. Die Wende findet mit zweierlei Geschwindigkeiten statt: Die meisten Investitionen fließen in ausgereifte Technologien wie den E-Verkehr, erneuerbare Energien und Stromnetze. Auf neuartige Lösungen wie Wasserstoff, saubere Schifffahrt sowie CO2-Abscheiden und -Speichern entfallen nur 7% der Gesamtinvestitionen. Hindernisse für den Ausbau dieser aufkommenden Technologien sind deren technische Komplexität und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Politische Anreize dürften erforderlich werden, um das notwendige Kapital anzuziehen.

Und wer zahlts?

Die meisten Investitionen in die Energiewende wurde über ESG-Kreditmärkte finanziert, v.a. über grüne Anleihen. Grüne und ESG-Anleihen sind speziell darauf ausgelegt, Projekte mit ökologischen und nachhaltigen Vorteilen zu finanzieren. Investoren können so Kapital nach messbaren Auswirkungen einsetzen. Der globale Anleihenmarkt übersteigt 15 Billionen USD. Es besteht also noch viel Raum für die Expansion nachhaltiger Anleihen – im Jahr 2024 wurde bereits mehr als 1 Billion USD emittiert.

Sowohl ausgereifte als auch aufstrebende Technologien werden durch grüne Anleihen finanziert. Insbesondere reife Sektoren eignen sich dafür gut. Vorhersehbare Cashflows machen diese Anleihen für Anleger mit geringer Risikobereitschaft und/oder langem Anlagehorizont attraktiv.

Keine Kompromisse bei der Performance

Auf dem Sekundärmarkt entwickeln sich grüne und traditionelle Anleihen ganz ähnlich. Zwar kommt es zu sektoralen und bonitätsbezogenen Verzerrungen, doch aktiv verwaltete Portfolios können diese bewältigen oder gar von ihnen profitieren. Eine aktuelle Barclays-Studie bestätigt, dass Investoren den Markt für grüne Anleihen für hochwertig halten, aber höchstens einen Aufschlag von wenigen Basispunkten zu zahlen bereit sind. Weiteres Wachstum und mehr Diversifizierung sollten den Markt noch widerstandsfähiger und attraktiver machen.

Abschreckung durch Regulierung?

Es gibt durchaus Bedenken, dass regulatorische Veränderungen Emittenten und Investoren vom ESG-Anleihemarkt abschrecken könnten. Nichtsdestotrotz dürfte dieser weiterhin florieren. Obwohl die Risiken im Zusammenhang mit Klimainvestitionen gestiegen sind, bleibt die zugrunde liegende Wirtschaft solide. Kapital sollte weiterhin fließen.

Die Finanzmärkte tun sich vielleicht schwer damit, Klimarisiken täglich zu bewerten; neuartige Klimatechnik braucht zur Verbreitung womöglich öffentliche Unterstützung. Beides sollte aber weder die Energiewende verlangsamen noch die Rentenmärkte daran hindern, eine zentrale Rolle bei ihrer Finanzierung zu spielen.

Aufstieg des Greenhushing

Manche Emittenten äußern sich öffentlich nur noch zurückhaltend über ihre Klimainitiativen. Ideal ist diese geringere Transparenz zwar nicht. Doch lieber eine diskrete, aber effektive Kapitalverwendung als hochkarätige Versprechen ohne tatkräftige Umsetzung. Investoren müssen angesichts des „Greenhushing“ gründlicher analysieren und sich aktiver engagieren, um die echten „grünen Perlen“ auf dem Markt zu finden.

Insgesamt genießen grüne Anleihen eine hohe Glaubwürdigkeit am Markt, und für die Energieumstellung benötigte Kapital fließt nach wie vor. Investoren, die über die Schlagzeilen hinausblicken und direkt mit Unternehmen zusammenarbeiten, sind am besten positioniert, um von der nächsten Phase der Energiewende zu profitieren.

www.fixed-income.org 


 

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