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Wenn Sicherheit knapp wird: Covered Bonds als Ergänzung zu Staatsanleihen

Werner Krämer © Lazard Asset Management

Ange­sichts der welt­weit stei­genden Staats­ver­schul­dung besteht ein wach­sender Bedarf an Alter­nativen und Ergän­zungen zu klas­sischen Staats­anleihen. Diese Meinung vertritt Werner Krämer, Geschäfts­führer und Senior Economic Analyst bei Lazard Asset Manage­ment in Deutsch­land. Während die Nachfrage nach sicheren Kapital­anlagen über Jahre gestiegen sei, werde das Angebot jedoch knapper. Covered Bonds könnten in diesem Umfeld stärker in den Fokus rücken. Ihre Besonderheit: die doppelte Besicherung durch die emittierende Bank und den Deckungsstock.

Wie deutlich sich das Universum erstklassig bewerteter Anleihen verändert hat, zeigt der Bloomberg Global Aggregate Bond Index. Der Anteil von Papieren mit AAA-Rating ist von fast 60 Prozent im Jahr 2005 auf zuletzt 12,3 Prozent gesunken. „Sicherheit ist im Gegensatz zum Vermögen nicht beliebig vermehrbar“, sagt Krämer. „Wenn gleichzeitig die Staatsverschuldung weltweit steigt und immer weniger Staaten über ein AAA-Rating verfügen, müssen sich Anleger mit der Frage beschäftigen, wo sie Sicherheit jenseits klassischer Staatsanleihen finden können.“

Doppelte Besicherung als Kernqualität

Covered Bonds bieten aus Krämers Sicht eine mögliche Antwort. Ihr wesentliches Merkmal ist die doppelte Pfandbriefdeckung: „Die zweifache Besicherung ist die Kernqualität von Covered Bonds“, erklärt Krämer. „Der Anleger hat nicht nur einen Anspruch gegenüber der Bank. Im Insolvenzfall kommt mit dem Deckungsstock eine zweite Sicherheitsebene hinzu, die nicht in die Insolvenzmasse fällt.“ 

Das Prinzip des deutschen Pfandbriefs hat sich inzwischen weit über Deutschland hinaus verbreitet. Fast alle europäischen Länder verfügen über Covered Bond-Märkte nach dessen Grundkonzeption, hinzu kommen Märkte außerhalb Europas. Gleichzeitig hat sich das Gewicht innerhalb Europas verschoben. Frankreich ist im europäischen iBoxx Euro Covered Index mit 26,0 Prozent inzwischen stärker vertreten als Deutschland mit 19,7 Prozent. Insgesamt lag der Marktwert des Index Mitte Juni 2026 bei 922 Milliarden Euro.

Risiko und Ertrag im Blick

Auch aus Risiko-Ertrags-Sicht sieht Krämer Argumente für die Anlageklasse. In der historischen Analyse weisen Covered Bonds trotz eines im Durchschnitt höheren Ratings sowie einer niedrigeren Duration und Volatilität einen Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen auf. Daraus ergibt sich eine höhere Sharpe Ratio, also risikobereinigte Rendite, als bei den Papieren in Staatsanleihenindizes.

„Anleger müssen bei hoher Kreditqualität nicht zwangsläufig auf einen Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen verzichten“, sagt Krämer. „Historisch verbinden Covered Bonds ein attraktives Risiko-Ertrags-Profil mit geringeren Schwankungen. Das macht sie zu einer interessanten Ergänzung in Rentenportfolios.“

Diese Eigenschaften haben allerdings ihren Preis. Covered Bond-Märkte sind fragmentierter und weniger liquide als die Staatsanleihemärkte großer Kernländer. Hinzu kommen unterschiedliche nationale Rechtsrahmen, Strukturen und Deckungsstöcke. Zwar hat die europäische Harmonisierung das Sicherheits- und Transparenzniveau erhöht und die Vergleichbarkeit verbessert, doch Unterschiede zwischen Ländern und einzelnen Emissionen bleiben bestehen.

Komplexität spricht für aktives Management

Gerade diese Unterschiede machen für Krämer eine genaue Analyse erforderlich. „Covered Bond ist nicht gleich Covered Bond. Wer sich nur am Rating orientiert, greift zu kurz“, sagt er. „Entscheidend sind auch der rechtliche Rahmen, die Qualität des Emittenten, die Besicherung und die Struktur des Deckungsstocks.“

Für Lazard Asset Management spricht die zunehmende Internationalisierung deshalb für einen aktiven Ansatz. Neben der Kreditqualität einzelner Staaten und Emittenten analysieren die Experten zusätzlich die rechtliche Konstruktion der jeweiligen Märkte sowie unter anderem Überdeckung, Fälligkeitsprofile und Charakteristika der Deckungsstöcke. 

„Je globaler der Covered Bond-Markt wird, desto wichtiger wird die Titelauswahl“, so Krämer. „Die Anlageklasse kann einen stabilen Beitrag zu diversifizierten Rentenportfolios leisten. Voraussetzung ist aber, dass Anleger die Unterschiede hinter dem gemeinsamen Etikett ‚Covered Bond‘ genau kennen.“

www.fixed-income.org 

 

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