Die Schwellenmärkte haben bereits eine starke Entwicklung hinter sich. Die naheliegende Frage für Anleger mit Blick auf das Jahr 2027 lautet: Haben sie den Trend verpasst? Wir glauben nicht. Doch für die nächste Phase der Rallye müssen Anleger möglicherweise an anderer Stelle schauen.
Künstliche Intelligenz (KI) war ein starker Treiber für die Renditen in den Schwellenländern, insbesondere über die Halbleiter-Lieferkette in Taiwan und Südkorea. Doch hinter dem viel beachteten KI-Boom verbirgt sich eine umfassendere Entwicklung. Das Gewinnwachstum breitet sich über verschiedene Sektoren aus, während steigende Investitionen in Verteidigung, Energiesicherheit, Infrastruktur und Lieferketten Chancen in Teilen der Schwellenländer schaffen, die bislang weit weniger Beachtung gefunden haben.
Die Frage für 2027 lautet daher nicht einfach, ob die Schwellenländer weiter steigen können. Es geht vielmehr darum, woher die nächsten Gewinner kommen werden.
Die Schwellenländer liefern Rohstoffe und Produktionskapazitäten
Die Bedeutung der KI ist unbestreitbar. Taiwan und Südkorea stehen im Zentrum der globalen Halbleiter-Lieferkette und haben von den enormen Investitionen in die KI-Infrastruktur profitiert. Blickt man jedoch über die Technologie hinaus, ergibt sich ein breiteres Bild. Auch die Sektoren Rohstoffe, Industrie, Energie und Gesundheitswesen leisten einen Beitrag. Das ist von Bedeutung, da viele der heutigen größten Anlagethemen letztlich von der Realwirtschaft abhängen.
KI benötigt Rechenzentren, Strom und Kabel. Die Diversifizierung der Lieferketten erfordert Fabriken und Logistiknetzwerke. Energiesicherheit erfordert neue Infrastruktur. Höhere Verteidigungsausgaben erfordern industrielle Kapazitäten. Die Schwellenländer liefern viele der Rohstoffe und einen Großteil der Produktionskapazitäten, die dieser Investitionszyklus erfordert.
Ein kürzlicher Besuch bei der südkoreanischen Schiffbauindustrie hat dies deutlich gemacht. Werften, die sich traditionell auf Handelsschiffe konzentriert haben, verzeichnen nun Interesse an Militärschiffen aus Ländern wie den USA, Saudi-Arabien, Peru und Marokko.
Die einzelnen Aufträge sind weniger wichtig als das, was sie signalisieren: Investitionen in materielle Vermögenswerte verteilen sich zunehmend auf verschiedene Länder und Branchen.
Neue Schwellenländer im Fokus
Diese Diversifizierung eröffnet Anlegern ganz neue Chancen. Taiwan und Südkorea verfügen nach wie vor über außergewöhnliche Unternehmen. Doch nach dem sprunghaften Anstieg des Interesses an KI und Halbleitern sind sie kaum noch ein Geheimtipp.
Brasilien liefert einen spannenden Gegenpol. Die dortige Investitionslage wird viel stärker von innenwirtschaftlichen und politischen Faktoren bestimmt. Wahlen und sich ändernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen können Phasen der Unsicherheit und Marktverwerfungen hervorrufen – genau die Bedingungen, unter denen ein konträrer Anleger manchmal Chancen finden kann.
Das Gleiche gilt für alle Schwellenländer. Mexiko, Thailand und Teile Mittel- und Osteuropas haben ihre eigenen wirtschaftlichen, politischen und unternehmensspezifischen Zyklen.
Diese Streuung ist von Bedeutung. Anleger, die davon ausgehen, dass sich die nächste Phase der Schwellenländer-Performance einfach wie die letzte wiederholen wird, laufen Gefahr, einige der interessantesten Chancen zu übersehen.
Es braucht keine große Rotation
Es könnte auch noch einen weiteren Rückenwind geben. Nach Jahren außergewöhnlicher Performance von US-Aktien sind globale Portfolios nach wie vor stark auf US-Vermögenswerte ausgerichtet. Schwellenländer machen einen deutlich geringeren Anteil aus. Das bedeutet, dass Anleger die USA nicht aufgeben müssen, damit Kapitalflüsse in die Schwellenländer an Bedeutung gewinnen. Selbst eine relativ moderate Diversifizierung weg von einem konzentrierten Engagement in den USA könnte einen überproportionalen Einfluss auf eine kleinere Anlageklasse wie die Schwellenmärkte haben. Und diese Kapitalflüsse würden auf ein potenziell günstiges fundamentales Umfeld treffen, das von robusten Gewinnerwartungen und relativ attraktiven Bewertungen geprägt ist.
Die Frage für 2027
Nach einer starken Rallye ist die Versuchung groß, sich zu fragen, ob es bereits zu spät ist. Für die Schwellenländer könnte das die falsche Frage sein. KI wird weiterhin wichtig bleiben. Doch daneben sorgen Verteidigungsausgaben, Infrastruktur, Energiesicherheit, Investitionen in Lieferketten und inländische Konjunkturzyklen für ein viel breiteres Spektrum potenzieller Gewinner. Das verändert die Herausforderung für Anleger.
Die nächste Phase der Schwellenländer-Rallye wird möglicherweise nicht von den Ländern und Unternehmen getragen, die die letzte dominiert haben.
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