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„Wir haben in unserer Projektpipeline drei genehmigte Windparks, von denen jeder über eine Netzanbindung verfügt“, Willi Balz, Vorstandsvorsitzender, Windreich AG

Die Windreich AG zählt zu den mittelständischen Anleiheemittenten, über die am kontroversesten diskutiert wird. Im Interview mit dem BOND MAGAZINE nimmt der Vorstandsvorsitzende Willi Balz zu unseren Fragen Stellung.

BOND MAGAZINE: Wie haben sich Umsatz und Ergebnis im letzten Jahr entwickelt?

Balz: Für das Jahr 2011 beläuft sich die Konzerngesamtleistung nach HGB auf 161 Mio. Euro (Vorjahr 150 Mio. Euro nach HGB), der Konzernbilanzgewinn nach HGB steigt auf rund 11,9 Mio. Euro an (Vorjahr 2,0 Mio. Euro nach HGB). Die Windreich AG kommt in ihren geschäftlichen Aktivitäten ausgezeichnet voran und konnte in allen Bereichen zulegen. Die Bilanzsumme nach HGB erhöht sich auf über 600 Mio. Euro und das Eigenkapital auf rund 152 Mio. Euro.

BOND MAGAZINE: Ihre Anleihen notierten deutlich unter 100, worauf führen Sie dies zurück?

Balz:
Man verwechselt hier das absolut effiziente Energieerzeugungsinstrument Wind mit ineffizienter Photovoltaiktechnik. Man erkennt nicht, dass wir als Projektentwickler höhere Margen haben, wenn die Hardwarepreise sinken. Somit sind schlechte Nachrichten über Vestas, Nordex und Siemens gute Nachrichten für uns als Projektentwickler. Die Märkte reagieren aber auch zusätzlich auf aggressive negative Lobbyarbeit der Gegner der Energiewende. An unseren unternehmerischen Leistungen kann es jedenfalls nicht liegen. Unsere Projekte liegen voll in Leistungs- und Budgetplänen. Verbesserungspotenzial haben wir sicher im Bereich der Kommunikation, hier wurden aber in den letzten Wochen seit dem CFO-Wechsel entscheidende Verbesserungen eingeführt. So z.B. unsere erfolgreiche Offshore-Konferenz der Macher in Hannover.

BOND MAGAZINE: Wie ist der aktuelle Stand Ihrer Offshore-Projekte?

Balz: Der aktuelle Stand ist äußerst erfreulich, weil wir mit allen drei genehmigten Projekten voll im Plan liegen. Unser erstes Projekt, Global Tech I, wird bereits zum Jahresende Strom einspeisen. Mit der Errichtung des Umspannwerks beginnt der Bau von Global Tech I schon in diesem Sommer. Außerdem werden wir ab 2015 mit dem Bau unseres Ostseeprojekts beginnen. Mit einer effizienten Technik ist der Markt jetzt bereit für einen Aufbau von Windparks in der Ostsee. Diese fehlte bislang, weshalb wir uns bisher in der Ostsee eher zurückhaltend verhalten haben. Die neue Anlagengeneration wie die von Siemens mit Rotoren bis zu 154 Metern Durchmesser ist perfekt für die Ostsee. Unser erstes Ostseeprojekt hat 500 Megawatt und wird mit 6-Megawatt-Maschinen ausgestattet. Die Antragskonferenzen für unsere Projekte Baltic Eagle, Ostseeschatz und Ostseeperle sind bereits erfolgt. Auch die Umweltverträglichkeits- und Baugrunduntersuchungen sind erledigt. Wir rechnen noch im Sommer mit der ersten Baufreigabe.

BOND MAGAZINE: Aber wie ist es um den Netzausbau bestellt?

Balz: Wir haben in unserer Projektpipeline drei genehmigte Windparks, von denen jeder über eine Netzanbindung verfügt. Das Kabel für unseren ersten Offshore-Windpark
liegt schon, Global Tech I ist also schon versorgt. MEG 1 wird zusammen mit Borkum West II des Stadtwerke-Konsortiums Trianel definitiv pünktlich angeschlossen. Verzögerungen bei einem Mitbewerber lassen unser drittes Projekt, Deutsche Bucht, profitieren. Allerdings ist absehbar, dass es bei den Windparks in der Deutschen Nordsee von 2015 bis 2017 allgemein ein gewisses Anschluss-Vakuum geben wird. Davon sind wir aber mit unseren ersten drei Windparks nicht betroffen. In der Ostsee sind die Voraussetzungen ganz andere. Die Entfernungen sind mit höchstens 60 Kilometern viel kürzer. Deshalb braucht man auch keine Gleichstromkabel, sondern kann normale Wechselstromleitungen verwenden. Diese haben deutlich kürzere Lieferzeiten. Hinzu kommt die Tatsache, dass für den Anschluss in der Ostsee nicht Tennet, sondern 50 Hertz zuständig ist. Hier gab es bislang keine negativen Nachrichten bezüglich der Machbarkeit.

BOND MAGAZINE: Sie haben kürzlich eine Windkraftanlage an Daimler verkauft. Welche Rolle spielt das Thema E-Mobilität für Windreich und wann ist mit nennenswerten Umsätzen aus diesem Bereich zu rechnen?

Balz: Das ist richtig. Wir freuen uns, dass die Daimler AG mit ihrem smart fortwo Electric Drive auf eine konsequent CO2-freie Fortbewegung setzt. Mit der kürzlich erworbenen riesigen Windkraftanlage aus unserem Windpark Hof, direkt an der Autobahn gelegen, produziert die Daimler AG den Treibstoff für die ersten 2.500 smart fortwo Electric Drive. Windenergie ist die effizienteste der erneuerbaren Energien und daher bestens geeignet, um den Treibstoff für die künftige E-Mobilität zu erzeugen. Unser selbst aufgebauter, 50 Jahre alter elektrischer Jaguar E-Type transportiert durch seinen hohen Aufmerksamkeitsfaktor diese wichtige Botschaft. Wir produzieren mittels eines portablen Windrads den Strom für dieses Auto und wurden bereits Sieger in der Prototypenklasse der Future Car Challenge 2011. Die Future Car Challenge ist die Weltmeisterschaft für energieeffizientes Fahren in England. Außerdem fährt etwa ein Drittel unserer Firmenwagen elektrisch. Wir planen zurzeit nicht, unter die Autobauer zu gehen. Es geht uns vielmehr darum aufzuzeigen, dass E-Mobilität nur Sinn macht, wenn man den Strom dafür erneuerbar erzeugt. Und die Windkraft ist der Treibstoff für die künftige E-Mobilität.

BOND MAGAZINE: Ihre zweite Anleihe wurde mittlerweile voll platziert. Bei Kursen, die seit Monaten die 60%-Marke nur von unten gesehen haben, stellt sich schon rein mathematisch die Frage nach der Machbarkeit.

Balz: Bei einer überschlägigen Auswertung der Anleihe 2011/2016 mit einem Volumen von 75 Mio. Euro ergibt sich folgende Platzierungsstruktur: 58 Mio. Euro Institutionelle, 9 Mio. Euro Private und 8 Mio. Euro Zeichnungsbox. Der gewichtete Durchschnittszins beträgt ca. 9%, da ein Großteil der Anleihe gleich zu Beginn platziert wurde. Mit einer nicht erfolgten Vollplatzierung wollte ich mich nicht zufrieden geben. Die erhöhten Kosten für den Kapitaldienst sind durch unser Geschäftsmodell leicht zu tragen.

BOND MAGAZINE: Sie sind alleiniger Aktionär und Vorstandsvorsitzender. Nehmen Sie die Frage nicht persönlich, aber wie sieht es mit dem Thema Schlüsselpersonenrisiko aus?

Balz: Aber das ist ja gerade unser Vorteil. Alle unsere Konkurrenten haben keinen Key-Man. D.h. im Moment verfügen wir als inhabergeführte, flexibel und schnell reagierende Einheit über dramatische Wettbewerbsvorteile. Das ist die bestmögliche Konstellation, um schnell und richtig zu entscheiden. Ohne mich wäre die Windreich AG operativ immer noch besser aufgestellt als alle unsere Konkurrenten. Ich möchte hier anführen Herrn Anil Srivastava, ehemaligen CEO bei AREVA Renewables mit Verantwortung für ein Milliardenbudget, Herrn Tim Kittelhake, den Mr. Offshore Deutschlands, der, nahezu im Alleingang, das Projekt Global Tech zu seiner brillanten Qualität geführt hat, oder auch Herrn Heiko Roß, den ehemaligen CEO von Bard. Aber Sie haben schon recht. Auch in unserem Rating bei der Creditreform wird das Thema Key-Man-Risk umfangreich behandelt. Man spricht dort allerdings auch von einer Key-Man-Chance, und die habe ich konsequent genutzt.

BOND MAGAZINE: Wie sieht Ihre weitere langfristige Finanzierungsstrategie aus?

Balz: Da der Wert speziell von Offshore-Windparks bei längerer Haltedauer und größerer Projektreife dramatisch ansteigt, werden wir auch künftig Finanzierungsbedarf haben. Dabei wollen wir auch künftig im Bereich Projektfinanzierung wie bei Global Tech I mit Hilfe der EIB und KfW pro Windpark gut eine Milliarde Euro auf Projektebene fremdfinanzieren. Die Windreich AG selbst wird die drei bisherigen Standbeine klassische Bankenfinanzierung, private Investoren und bondm noch um strukturierte Finanzierungsmodelle, mit Projektrechten besichert, erweitern. Hierzu läuft im Moment ein von unserem Finanzierungsexperten Herrn Martin Korbmacher, Ex-Credit Suisse Topbanker, moderierter Beautycontest. Namhafte Großbanken sind im Rennen und geben Angebote mit einem hohen dreistelligen Volumen ab. In einem günstigeren Marktumfeld würde sich zusätzlich auch ein IPO anbieten. Das ist ja naheliegend, wenn man sich im am stärksten wachsenden Marktsegment, der Offshore-Windenergie, einen 35%igen Marktanteil gesichert hat.

Das Interview führte Christian Schiffmacher.
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Veranstaltungshinweis:
Unternehmer-Workshop „Unternehmensanleihen - Finanzierungsalternative für den Mittelstand“
am 19.06. in München und am 19.09. in Frankfurt
www.bond-conference.com
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