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„Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir weiterhin ein Wachstum von Umsatz, EBITDA und Konzernergebnis“, Dr. Hubertus Bartsch, Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

Dr. Hubertus Bartsch © Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

Dr. Hubertus Bartsch, Geschäfts­führer der Neue ZWL Zahn­rad­werk Leipzig GmbH, erwartet keinen abrupten Wechsel von einer Antriebs­art zur anderen, sondern über viele Jahre ein Neben­einander unter­schied­licher Technologien. Batterie­elektrische Fahr­zeuge und Hybrid­antriebe werden nach seiner Meinung weiter an Bedeutung gewinnen. Für das Gesamt­jahr 2026 erwartet er weiterhin ein Wachstum von Umsatz, EBITDA und Konzern­ergebnis um jeweils 3 bis 5% gegenüber dem Vorjahr.

BOND MAGAZINE: Wie ist die aktuelle Geschäftsentwicklung?

Dr. Bartsch: Unsere Geschäftsentwicklung ist trotz des weiterhin anspruchsvollen Umfelds insgesamt robust. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz mit 83,0 Mio. Euro leicht unter dem Vorjahreswert von 84,5 Mio. Euro. Gleichzeitig haben wir die Ertragsqualität verbessert: Das EBITDA stieg von 7,9 auf 8,5 Mio. Euro, die EBITDA-Marge von 9,3 auf 10,2% und das Konzernergebnis von -0,5 auf +0,3 Mio. Euro. Für uns ist das ein wichtiger Fortschritt, weil er zeigt, dass unsere Maßnahmen bei Produktivität, Kosten und Produktmix greifen. Gleichzeitig gehen neue Projekte in der Elektromobilität, bei Hybridantrieben und im Nutzfahrzeugbereich zunehmend in die Serienfertigung über. Entscheidend wird nun sein, diese zusätzlichen Programme planmäßig hochzufahren und die entsprechenden Volumina zu realisieren, ohne dass die Kosten im gleichen Maße steigen. Unser Fokus liegt deshalb nicht auf Umsatzwachstum um jeden Preis. Wir wollen profitabel wachsen, den operativen Cashflow steigern und damit unsere finanzielle Substanz aus eigener Kraft weiter stärken.

BOND MAGAZINE: Wie ist die Geschäftsentwicklung in China?

Dr. Bartsch: China hat unsere Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr 2026 spürbar gebremst. Der Markt ist von intensivem Wettbewerb, kurzen Modellzyklen und einem hohen technologischen Veränderungstempo geprägt. Dadurch können sich Abrufmengen bestehender Programme kurzfristiger verändern, als wir das aus früheren Jahren kannten. An der strategischen Bedeutung Chinas ändert das jedoch nichts. Wir produzieren in Tianjin lokal für den asiatischen Markt und verfügen damit über eine gute Ausgangsposition, um vom weiteren Wachstum bei Hybrid- und Elektroantrieben zu profitieren. Mit Great Wall Motor haben wir zusätzliche Projekte gewonnen. Gleichzeitig wollen wir unser Kundenspektrum erweitern und über bestehende Partnerschaften weitere Chancen im Nutzfahrzeugbereich erschließen. Wichtig ist uns zudem, den Standort finanziell noch eigenständiger aufzustellen. Deshalb verlagern wir die Finanzierung zunehmend auf lokale Banken und reduzieren Verbindlichkeiten gegenüber Europa. Für 2027 sehen wir wieder Wachstumspotenzial, wenn die neuen Programme stärker zum Umsatz beitragen. Unser Ziel ist kein kurzfristiges Volumenwachstum, sondern ein profitables und zunehmend eigenständig finanziertes China-Geschäft.

BOND MAGAZINE: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?

Dr. Bartsch: Die neue Anleihe erfüllt für uns zwei klare Funktionen: Wir optimieren unsere Finanzierungsstruktur und schaffen zugleich Spielraum für weiteres Wachstum. Über das Umtauschangebot für die Anleihen 2021/2026 und 2022/2027 können wir bestehende Fälligkeiten frühzeitig in das Jahr 2031 verlängern und unser Fälligkeitenprofil damit planbarer gestalten. Neuzeichnungen bringen darüber hinaus zusätzliche Liquidität, die wir gezielt in Wachstumsprojekte investieren wollen. Im Mittelpunkt stehen neue Produkte für Hybrid- und Elektroantriebe sowie weitere alternative Antriebskonzepte. Dabei geht es nicht um Investitionen auf Vorrat. Wir wollen das Kapital möglichst eng an konkrete Kundenprojekte und bereits gewonnene Aufträge koppeln. Je schneller wir diese in stabile Serienumsätze überführen, desto stärker können die Investitionen zu Ergebnis und Mittelzuflüssen beitragen. Damit schaffen wir auf der einen Seite mehr Planungssicherheit bei unseren Fälligkeiten und investieren auf der anderen Seite gezielt in profitables Wachstum – mit dem Ziel, unsere Ertrags- und Finanzkraft zu stärken und die Verschuldung schrittweise zurückzuführen.

BOND MAGAZINE: Die im letzten Jahr platzierte 9,875% NZWL-Anleihe 25/30 konnten Sie relativ erfolgreich nachplatzieren. Welches Volumen hatten Sie zum Valutatag platziert und welches Volumen konnten Sie über die Börse nachplatzieren?

Dr. Bartsch: Bei der Anleihe 2025/2030 hatten wir zum Valutatag am 21. Oktober 2025 zunächst ein Volumen von rund 7,3 Mio. Euro ausgegeben. Davon stammten 6,9 Mio. Euro aus dem Umtausch der Anleihen 2019/2025 und 2021/2026. Schon zu Beginn der Emission hatten wir vorgesehen, das Volumen je nach Marktumfeld schrittweise auszuweiten. Diese Möglichkeit haben wir erfolgreich genutzt. Bis zum 31. August 2026 stieg das ausstehende Volumen auf 10,16 Mio. Euro. Nach der ursprünglichen Platzierung kamen damit weitere rund 2,86 Mio. Euro hinzu. Für uns ist das ein gutes Signal, denn die Nachfrage nach unserer Anleihe hielt auch über den ursprünglichen Emissionszeitraum hinaus an. Gleichzeitig konnten wir die zusätzliche Kapitalaufnahme an unserem tatsächlichen Bedarf und dem jeweiligen Marktumfeld ausrichten. Diesen Ansatz wollen wir grundsätzlich beibehalten.

BOND MAGAZINE: Welche Entwicklung erwarten Sie bei den Antriebsarten und wie sind Sie darauf eingestellt?

Dr. Bartsch: Wir erwarten keinen abrupten Wechsel von einer Antriebsart zur anderen, sondern über viele Jahre ein Nebeneinander unterschiedlicher Technologien. Batterieelektrische Fahrzeuge und Hybridantriebe werden weiter an Bedeutung gewinnen, während der klassische Verbrennungsmotor Marktanteile verlieren, aber auf absehbare Zeit weiterhin eine relevante Rolle im weltweiten Fahrzeugmarkt spielen dürfte. Eine unserer Stärken liegt darin, dass wir uns nicht von einer einzelnen Technologie abhängig gemacht haben. Unsere Kompetenzen bei Zahnrädern, Wellen und Baugruppen sowie in der hochpräzisen Bearbeitung und Wärmebehandlung werden in unterschiedlichen Antriebskonzepten benötigt. Der Umsatzanteil mit Elektro- und Hybridanwendungen lag im ersten Halbjahr 2026 bereits bei rund 19% und soll weiter steigen. Gleichzeitig bleiben automatisierte Getriebe und das Nutzfahrzeuggeschäft wichtige Säulen. Neue Aufträge betreffen insbesondere E-Antriebe, Hybridsysteme sowie Räder und Wellen. Für uns ist deshalb nicht entscheidend, heute schon den technologischen Gewinner von morgen zu kennen. Entscheidend ist vielmehr, dass wir mit unseren Produkten und Fertigungskompetenzen so aufgestellt sind, dass wir bei unterschiedlichen Antriebskonzepten mitwachsen und zusätzliche Wertschöpfung für unsere Kunden übernehmen können.

BOND MAGAZINE: Das Branchensentiment am Kapitalmarkt ist derzeit nicht positiv. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Bartsch: Das zurückhaltende Branchensentiment ist angesichts des Transformations-, Kosten- und Wettbewerbsdrucks in der Automobilindustrie nachvollziehbar. Für uns ist wichtig, darauf mit operativen Fakten, statt mit allgemeinen Aussagen zu reagieren. Trotz leicht rückläufiger Umsätze haben wir im ersten Halbjahr 2026 das EBITDA auf 8,5 Mio. Euro gesteigert und wieder ein positives Konzernergebnis erzielt. Gleichzeitig verbreitern wir unser Produktportfolio und stärken unsere Position in bestehenden Kundenprogrammen. Rund 90% unserer Aufträge werden an uns als Alleinlieferant vergeben. Das schafft Kontinuität und ist gerade in einem volatilen Markt ein wichtiger Faktor. Auch in der Finanzierung setzen wir auf Kontinuität und Transparenz. Seit unserem Anleihedebüt 2014 sind wir regelmäßig am Kapitalmarkt aktiv und haben unsere Verpflichtungen stets vollständig und fristgerecht bedient. Dieser tadellose Track-Record schafft Vertrauen, ist für uns aber kein Ruhekissen. Wichtig bleibt, unsere operativen Ziele zu erreichen und auch in einem anspruchsvollen Umfeld nachvollziehbare Fortschritte bei Ertrag, Cashflow und Finanzkraft zu erzielen.

BOND MAGAZINE: Welche Prognose können Sie für das Gesamtjahr 2026 geben?

Dr. Bartsch: Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir weiterhin ein Wachstum von Umsatz, EBITDA und Konzernergebnis um jeweils 3 bis 5% gegenüber dem Vorjahr. Nach dem ersten Halbjahr erfordert das auf der Umsatzseite eine spürbare Beschleunigung. Diese Erwartung basiert nicht auf einer allgemeinen Markterholung, sondern vor allem auf Projekten, für die wir im ersten Halbjahr die Voraussetzungen für den Serienanlauf geschaffen haben. Dazu zählen insbesondere Räder und Wellen für Elektroantriebe im Premiumsegment, Hybridanwendungen sowie zusätzliche Volumina im Nutzfahrzeugbereich. Auf der Ergebnisseite sollen Produktivitätsfortschritte, ein besserer Produktmix und eine höhere Auslastung zusätzliche Impulse liefern. Das erste Halbjahr hat bereits gezeigt, dass wir die Profitabilität auch bei leicht rückläufigem Umsatz steigern können. Für die zweite Jahreshälfte kommt es nun vor allem auf die tatsächlichen Kundenabrufe, insbesondere in China, und den planmäßigen Hochlauf der neuen Programme an. Auf dieser Basis bestätigen wir unsere Prognose für das Gesamtjahr 2026.

BOND MAGAZINE: Wo sehen Sie NZWL in fünf Jahren – also am Laufzeitende der Anleihe?

Dr. Bartsch: In fünf Jahren soll NZWL noch profitabler, finanziell stärker und strategisch breiter aufgestellt sein als heute. Zugleich wollen wir unsere Expertise über die unterschiedlichen Antriebskonzepte hinweg weiter ausbauen und damit zusätzliche Wachstumspotenziale im Markt erschließen. Der Anteil von Elektro- und Hybridanwendungen soll weiter steigen. Darüber hinaus wollen wir das Nutzfahrzeuggeschäft ausbauen und bei bestehenden Kunden zusätzliche Produkte und Wertschöpfungsstufen übernehmen. In China soll das Geschäft auf einer breiteren Kundenbasis stehen und stärker lokal finanziert sein. Für unsere Anleihegläubiger ist jedoch nicht allein entscheidend, wie sich unser Produktportfolio entwickelt. Wachstum muss sich in höherer Ertragskraft, steigenden freien Mittelzuflüssen und einer im Verhältnis zur Ertragskraft sinkenden Nettoverschuldung niederschlagen. Genau darauf ist unsere Entwicklung ausgerichtet: Die heute aufgebauten Kapazitäten und gewonnenen Serienprogramme sollen in den kommenden Jahren zunehmend Ergebnis und Liquidität generieren und damit die finanzielle Basis schaffen, um die Rückzahlung der Anleihe 2031 frühzeitig vorzubereiten.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org

Eckdaten der Anleihe 2026/2031 

EmittentinNeue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH
Kupon9,875% p. a.
Zinszahlungjährlich
Zeichnungsfrist23.09.2026-22.10.2026 (12 Uhr): über www.nzwl.de/ir 
Umtauschfrist23.09.2026-21.10.2026 (18 Uhr)
Umtauschprämie20 Euro je umgetauschter Anleihe 2021/2026 bzw. 2022/2027
Valuta29.10.2026
Laufzeitbis 29. Oktober 2031 (5 Jahre)
Emissionsvolumenbis zu 15 Mio. Euro
ISIN /WKNDE000A5GS6J0 / A5GS6J
Stückelung1.000 Euro
Anwendbares RechtDeutsches Recht
ListingVoraussichtlich ab 29.10.2026: Open Market der Deutsche Börse AG
Financial AdvisorLewisfield Deutschland GmbH
BookrunnerQuirin Privatbank AG
Internet / Wertpapierprospektwww.nzwl.de/ir

Mittelstandsanleihen – aktuelle Neuemissionen

Emittent

Zeichnungsfrist

Kupon

Green Bond

Katjesgreenfood

23.09.-15.10.2026 (Umtausch), 23.09.-19.10.2026 (Zeichnung)

7,750%-8,500%

nein

UBM Development

28.09.-16.10.2026 (Umtausch), 06.10.-23.10.2026 (Zeichnung)

7,000%

ja

Aream Infrastruktur Finance

bis 21.08.2027

7,250%

ja

GEPVOLT

bis 02.12.2026

8,000%

nicht formal

reconcept Windenergie Deutschland

21.05.2026-20.05.2027

7,250%

nicht formal

Arteus Energy

12.06.2026-11.06.2027

7,750%

nicht formal

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig (NZWL)

23.09.2026-22.10.2026 (Zeichnung), 23.09.2026-21.10.2026 (Umtausch)

9,875%

nein

European Space Ventures

n.bek.

n.bek.

nein

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