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„Wir haben uns seit 2020 einen starken Track Record am Kapitalmarkt aufgebaut“, Karsten Reetz, und Christiane Kaufholt-Mecke, reconcept GmbH

Christiane Kaufholt-Mecke © reconcept

reconcept begibt mit dem „reconcept Wind­Energie Deutsch­land I“ bereits die 12. Anleihe. Das Manage­ment betont, dass man sich seit 2020 einen starken Track Record am Kapital­markt aufgebaut hat. Die Mittel aus der Anleihe­emission werden in Windkraft an Land investiert. Primär fließt der Emissions­erlös in den Erwerb von Projektrechten im Windbereich. Man möchte neue Windparks entwickeln oder bestehende Anlagen im Rahmen des sogenannten Repowerings gegen moderne, leistungs­starke Anlagen austauschen. Geografisch konzentriert man sich dabei vor allem auf die nord- und ostdeutschen Bundesländer.

GREEN BONDS: Sie begeben die reconcept WindEnergie Deutschland I-Anleihe. Wie sind die Eckdaten der Anleihe?

Karsten Reetz: Die Anleihe hat ein Emissionsvolumen von bis zu 10 Mio. Euro und ist über die Laufzeit von sieben Jahren mit 7,25% p.a. verzinst, was aus unserer Sicht in der aktuellen Marktphase ein sehr wettbewerbsfähiges Angebot für ein grünes Investment darstellt. Die Covenants beinhalten unter anderem eine Negativverpflichtung, eine Transparenzverpflichtung und ein Kündigungsrecht für die Anleihegläubiger bei einem Drittverzug. Uns war wichtig, ein Produkt zu strukturieren, das sowohl attraktive Renditechancen als auch einen klar nachvollziehbaren Nachhaltigkeitsansatz verbindet. Dieses Angebot richtet sich somit an alle, die ihr Kapital nachhaltig sinnvoll und rentabel arbeiten lassen möchten.

GREEN BONDS: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?

Christiane Kaufholt-Mecke: Die Mittelverwendung konzentriert sich auf die größte Energiequelle Deutschlands, nämlich die Windkraft an Land. Primär investieren wir den Emissionserlös in den Erwerb von Projektrechten im Windbereich. Wir wollen neue Windparks entwickeln oder bestehende Anlagen im Rahmen des sogenannten Repowerings gegen moderne, leistungsstarke Anlagen austauschen. Geografisch konzentrieren wir uns dabei vor allem auf die nord- und ostdeutschen Bundesländer.

Eine weitere Option besteht darin, die Windprojekte um Batterieenergiespeicher zu ergänzen. Dies ermöglicht, die Volatilität der Windstromerzeugung abzufedern und die Energie dann ins Netz einzuspeisen, wenn sie am dringendsten benötigt wird, was die Gesamtwirtschaftlichkeit der Projekte weiter erhöht. Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um das Thema Redispatch ist die Ergänzung um Batterieenergiespeicher interessant.

GREEN BONDS: Seit wann realisiert reconcept Windkraftanlagen?

Reetz: Die reconcept Gruppe ist bereits seit ihrer Gründung im Jahr 1998 im Bereich der Erneuerbaren Energien aktiv und damit einer der Pioniere, was uns heute eine besondere Glaubwürdigkeit verleiht. Windenergie ist praktisch Teil unserer DNA, denn gleich im ersten Jahr unseres Bestehens haben wir eine der ersten Windkraftbeteiligungen Deutschlands aufgelegt. Bis vor wenigen Jahren haben wir uns in Deutschland hauptsächlich auf Windenergie fokussiert. Wir begleiten den heimischen Windenergiemarkt also seit mehr als 25 Jahren aktiv und haben ein tiefes Verständnis – inklusive aller technologischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Veränderungen. In dieser Zeit haben wir umfangreiche Erfahrungen in der Entwicklung, Finanzierung und Strukturierung von Erneuerbare-Energien-Projekten gesammelt und unterschiedliche Marktphasen mitgestaltet - von den ersten EEG-Jahren bis zur heutigen Phase des beschleunigten Ausbaus.

Für unsere hiesige Projektentwicklungs-Pipeline im Bereich Windenergie haben wir Spezialisten an Bord geholt, die über jahrzehntelange Erfahrung in Projektentwicklung, Bau und Betriebsführung von Erneuerbaren Energien, speziell Windenergie, verfügen. Das ist ein entscheidender Faktor, denn Windenergie ist ein anspruchsvolles Geschäft, das technisches Know-how, regulatorisches Verständnis und regionale Vernetzung erfordert.

GREEN BONDS: Welche Projekte haben Sie konkret in der Pipeline?

Kaufholt-Mecke: Die reconcept Gruppe verfügt insgesamt über eine breit diversifizierte Erneuerbare-Energien-Projektpipeline mit einem aktuellen Gesamtvolumen von mehr als zehn Gigawatt. Mit Blick auf den nationalen Windenergie-Bereich prüfen wir derzeit mehrere Opportunitäten. Dabei fokussieren wir uns, wie bei unseren anderen Erneuerbare-Energien-Projekten hierzulande, auf Nord- und Ostdeutschland. Dort verfügen wir über ein gewachsenes regionales Netzwerk, das in der Projektentwicklung ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Ein erstes Projektrecht für einen Windpark mit geplanten 80 Megawatt in Niedersachsen hat sich die Emittentin, die reconcept Windenergie Deutschland GmbH, bereits gesichert. Darüber hinaus arbeitet die reconcept Gruppe derzeit in Deutschland an weiteren Windenergieprojekten mit einem Gesamtvolumen von rund 400 Megawatt. Parallel dazu evaluieren wir weitere Windenergieflächen sowie zusätzliche Entwicklungsoptionen.

GREEN BONDS: Wie lange dauert die Realisierung von Windkraftanlagen, inkl. Planung und Genehmigung?

Reetz: Von der ersten Flächensicherung bis zur Inbetriebnahme sprechen wir in der Regel von ca. sechs Jahren – wenn alles glatt läuft. Das hängt stark vom jeweiligen Standort, dem Genehmigungsverfahren und den Netzanschlussbedingungen ab. Gerade die Genehmigungsphase war in Deutschland lange ein Engpass. Wir sehen jedoch aktuell eine Beschleunigung durch regulatorische Anpassungen der letzten Jahre. Das WindBG sorgt dafür, dass die Bundesländer Flächen für Windenergie ausweisen müssen – konkret ein Prozent ihrer Flächen bis 2027 und zwei Prozent bis 2032. Aktuell laufen die Regionalplanungen dafür auf Hochtouren. Auch Vereinfachungen im Genehmigungsverfahren durch § 6 WindBG sind ein wichtiger Hebel für den Zubau. Im Jahr 2025 wurde ein Rekord bei den neu erteilten Genehmigungen erreicht, was zeigt, dass die politischen Maßnahmen ihre Wirkung entfalten.

GREEN BONDS: Werden Sie die Projekte bei Baureife verkaufen?

Kaufholt-Mecke: Ja, wir konzentrieren uns auch im Windsegment klar auf die Entwicklung bis zur Baureife. In diesem Stadium wollen wir die Projekte dann an Dritte veräußern, beispielsweise an institutionelle Investoren, Energieversorger oder Infrastrukturgesellschaften. Die Nachfrage nach genehmigten und baureifen Windprojekten dürfte bei diesen Stakeholdern weiter steigen, weil der Ausbau der Erneuerbaren politisch klar vorgegeben ist und gleichzeitig der Strombedarf durch Elektrifizierung und Digitalisierung deutlich zunimmt.

GREEN BONDS: Die geopolitische Lage verdeutlicht den Bedarf an Erneuerbaren Energien. Aber die Strompreise sind nicht optimal. Sind die derzeitigen Preise für Sie ausreichend?

Reetz: Wir sehen das aktuelle Preisniveau insgesamt als ausreichend an, insbesondere im langfristigen Kontext. Man darf nicht vergessen, dass Windenergieprojekte auf Jahrzehnte ausgelegt sind. Entscheidend ist daher weniger der kurzfristige Spotmarktpreis als vielmehr die strukturelle Entwicklung des Strommarkts – und dort sehen wir einen klar steigenden Bedarf. Elektromobilität, Rechenzentren und die zunehmende Elektrifizierung der Industrie werden die Stromnachfrage in Deutschland deutlich erhöhen. Gleichzeitig sollen fossile Kraftwerke Schritt für Schritt ersetzt werden. Strom wird ein knappes Gut, wenn Erneuerbare nicht zügig weiter ausgebaut werden.

Kaufholt-Mecke: Hinzu kommt, dass heutige, moderne Windenergieanlagen deutlich effizienter arbeiten als frühere Generationen. Dadurch werden die Stromgestehungskosten massiv gesenkt, was die Rentabilität auch bei moderaten Preisen sichert. Zudem gewinnen langfristige Stromabnahmeverträge zunehmend an Bedeutung und schaffen zusätzliche Planungssicherheit. Wir denken dabei zum Beispiel an die Wasserstoffwirtschaft, aber auch an Rechenzentren – Technologien, deren enormer Strombedarf durch Windenergie gedeckt werden kann.

GREEN BONDS: Die Wirtschaftsministerin sorgt wohl auch eher für Verwirrung als für Planungssicherheit bei Erneuerbaren Energien, oder?

Reetz: Natürlich sorgen politische Diskussionen immer wieder für Unsicherheit. Entscheidend ist aus unserer Sicht jedoch weniger die Tagespolitik als der langfristige Grundtrend – und der zeigt eindeutig in Richtung Ausbau der Erneuerbaren Energien. Deutschland will bis 2030 rund 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien decken. Ohne Windenergie als größte Stromerzeugungsquelle lassen sich diese Ziele schlicht nicht erreichen. Deshalb sehen wir trotz mancher politischen Debatte insgesamt einen regulatorischen Rückenwind für die Branche. In den vergangenen Jahren wurden wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, etwa durch die Ausweisung von Windvorranggebieten oder bei der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Das sind konkrete Verbesserungen, die in der Praxis bereits spürbar sind.

Kaufholt-Mecke: Natürlich wünschen sich Investoren grundsätzlich stabile und verlässliche Rahmenbedingungen. Gerade bei langfristigen Infrastrukturprojekten ist Planungssicherheit enorm wichtig. Aber man sollte auch sehen, dass der politische und gesellschaftliche Konsens zugunsten der Erneuerbaren heute deutlich stärker ist als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren – und vor allem unumkehrbar ist. Die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten hat gezeigt, wie wichtig eine autarke Energieversorgung ist. Deshalb gehen wir fest davon aus, dass der Ausbaupfad für Windenergie weiterhin Bestand haben wird.

GREEN BONDS: In den letzten Jahren war die Windausbeute nicht optimal. Wie beeinflusst dies Ihre Planung?

Reetz: Das Windaufkommen war immer schon schwankend – nicht nur unterjährig, sondern auch im historischen Jahresvergleich. Deshalb basiert professionelle Projektentwicklung niemals auf kurzfristigen Wettertrends, sondern stets auf langfristigen meteorologischen Datenreihen. Bei der Planung werden umfangreiche Windgutachten erstellt, die historische Wetterdaten über viele Jahre hinweg berücksichtigen. Daraus lassen sich realistische Ertragsszenarios ableiten.

Hinzu kommt, dass sich die Technologie in den vergangenen Jahren massiv weiterentwickelt hat – Windparks können heute digital und smart gesteuert werden. Das sorgt insgesamt dafür, dass Standorte effizienter genutzt werden als früher. Grundsätzlich sollte man Windenergie nicht monats- oder jahresbezogen betrachten, sondern über die gesamte Laufzeit einer Anlage. Über lange Zeiträume hinweg gleichen sich wetterbedingte Schwankungen statistisch weitgehend aus.

GREEN BONDS: Gibt es Monate mit einer höheren Windausbeute? Also Monate, die besser sind für Betreiber von Windkraftanlagen?

Kaufholt-Mecke: Ja, grundsätzlich erzielen Windenergieanlagen in den Herbst- und Wintermonaten höhere Stromerträge als im Sommer. Besonders die Zeit von Oktober bis März ist in vielen Regionen Deutschlands windreicher. Das führt dazu, dass Windparks in diesen Monaten häufig deutlich mehr Strom produzieren. Für Betreiber ist das natürlich ein wichtiger Faktor bei der Ertragsplanung.

Moderne Anlagen können zudem auch bei schwächeren Windverhältnissen effizient arbeiten und verfügen über deutlich größere Rotoren als frühere Generationen. Dadurch wird die Stromproduktion insgesamt gleichmäßiger. Für uns als Projektentwickler bedeutet das, Standorte sehr genau zu analysieren und Projekte so auszulegen, dass sie langfristig wirtschaftlich sind. Schwankungen gehören bei Windenergie dazu und lassen sich gut beherrschen.

GREEN BONDS: Dann ergänzt Windenergie die Solarenergie ganz gut, oder?

Kaufholt-Mecke: Absolut. Wind- und Solarenergie haben unterschiedliche Erzeugungsprofile und ergänzen sich dadurch sehr gut. Genau diese Ergänzung ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Photovoltaik liefert naturgemäß die höchsten Erträge in den sonnenreichen Monaten und tagsüber. Windenergie hingegen ist insbesondere im Herbst und Winter stark und kann auch nachts Strom produzieren. In Kombination mit Speichertechnologien können Erneuerbare so im Mix den Strombedarf decken.

Aus unserer Sicht wird die Zukunft nicht in einzelnen Technologien gedacht werden, sondern in integrierten Energielösungen. Deshalb beschäftigen wir uns neben Wind und Solar auch mit Speichertechnologien. Batteriespeicher können helfen, Erzeugungsspitzen besser zu nutzen und das Stromsystem flexibler zu machen. Die Energiewende braucht genau dieses Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien. Genau auf diesen integrierten Ansatz richten wir die strategische Weiterentwicklung unserer Pipeline zunehmend aus, um robuste und wirtschaftlich attraktive Projekte zu realisieren.

GREEN BONDS: Das ist Ihre 12. Anleiheemission. Wie ist der Track-Record mit den bisherigen Anleihen?

Reetz: Wir haben uns seit 2020 einen starken Track Record am Kapitalmarkt aufgebaut. Dass wir bereits die 12. börsennotierte Anleihe begeben, zeigt, dass wir uns im Bereich der KMU-Anleihen als zuverlässiger Emittent fest etabliert haben. Wir haben sämtliche Zinszahlungen stets pünktlich und vollständig geleistet. Zudem konnten wir mehrere Anleihen aufgrund der hohen Nachfrage während der Platzierungsphase mehrfach aufstocken. Das zeigt aus unserer Sicht deutlich, dass unsere Kapitalmarktstrategie funktioniert und wir über eine starke, treue Investorenbasis verfügen. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die vollständige und fristgerechte Rückzahlung des reconcept Green Bond I im Volumen von 13,5 Mio. Euro im August 2025. Damit haben wir gezeigt, dass wir nicht nur erfolgreich emittieren und platzieren, sondern auch die Rückführung der Anleihen planmäßig leisten.

Gerade im Segment der KMU-Anleihen ist ein belastbarer Track Record ein zentraler Faktor für Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Investoren achten sehr genau darauf, ob ein Emittent seine Verpflichtungen fristgerecht und lückenlos erfüllt. Genau diese Kontinuität und Zuverlässigkeit haben wir in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt. Mit unserer neuen Wind-Anleihe bieten wir erneut eine attraktive Investmentmöglichkeit. Unser Ziel bleibt es, Ökonomie und Ökologie so zu verbinden, dass am Ende alle profitieren – das Klima, die Gesellschaft und natürlich auch unsere Anlegerinnen und Anleger.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.green-bonds.com 

Eckdaten des reconcept WindEnergie Deutschland I

Emittentinreconcept Windenergie Deutschland GmbH
Kupon7,25% p.a.
Zeichnungsfrist21.05.2026-20.05.2027 über www.reconcept.de/ir
Valuta20.04.2027
Laufzeitbis 20.04.2034 (7 Jahre)
Zinszahlunghalbjährlich
Emissionsvolumenbis zu 10 Mio. Euro
ISIN / WKNDE000A460JX9 / A460JX
Stückelung1.000 Euro
Anwendbares RechtDeutsches Recht
Listingab 20.04.2027 im Open Market (Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse)
Financial AdvisorLewisfield Deutschland GmbH
Wertpapierprospektwww.reconcept.de/ir 

Mittelstandsanleihen – aktuelle Neuemissionen

Emittent

Zeichnungsfrist

Kupon

Green Bond

PNE

22.05.-09.06.2026 (Umtausch), 26.05.-11.06.2026 (Zeichnung)

6,750%-7,750%

nicht formal

LEEF Blattwerk

02.03.2026-26.02.2027

7,250%

nicht formal

reconcept Windenergie Deutschland

21.05.2026-20.05.2027

7,250%

nicht formal

Aream Infrastruktur Finance

19.08.2025-18.08.2026

7,250%

ja

FCR Immobilien

02.04.2026-30.03.2027

6,250%

nein

ASG EnergieInvest

10.03.2026-09.03.2027

7,000%

nicht formal

reconcept Green Global Energy Bond II

20.11.2025-19.11.2026

7,750%

ja

EVERYIELD

n.bek.

n.bek.

nicht formal

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