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AXA-Group Chefökonom Gilles Moëc: Schlechte Aussichten für US-Anleihemarkt / EZB als Retter bei US-Zöllen?

Gilles Moëc © AXA

Die Stärke des US-Arbeits­marktes wurde jüngst bestätigt. Die Fed wird in ihrer Entschei­dung, eine Zins­pause einzulegen, weiter bestärkt. Nichts davon ist gut für den US-Anleihen­markt.

Wenn die Zuwan­derung gestoppt wird, während die Ent­stehung neuer Arbeits­plätze weiterhin im Bereich von 1,5-2 Prozent zunimmt, braucht es wahr­schein­lich einen beträchtlichen Anstieg der Löhne, um mehr einheimische „Nicht-Arbeitende“ zurück auf den Arbeitsmarkt zu locken.

US-Finanzpolitik: Haushaltsstreit und Steuerfragen im Fokus

Die Langfrist- (und Kurzfrist)zinsen am US-Anleihemarkt sind nach wie vor höher als in der jüngsten Haushaltsdefizit-Prognose des Congressional Budget Office (CBO), sodass sich die Lage verschärfen könnte.

Die Steuerpläne des Weißen Hauses entsprechen den Wahlversprechen von Donald Trump. Die Lösung des Haushaltsproblems dürfte die Feuerprobe für die Durchsetzungsfähigkeit des Präsidenten in seiner Partei sein.

Die Uneinigkeit zwischen dem Senat und dem Repräsentantenhaus über den Haushalt ist ein Warnschuss. Unkonventionelle Ideen, die der Regierung zusätzlichen finanziellen Spielraum verschaffen sollen, wie der Rückgriff auf die Goldreserven des Finanzministeriums, sind ein Zeichen für das Ausmaß des Haushaltsproblems der USA.

US-Zollpolitik: Handelskonflikte und ihre weitreichenden Folgen

In der Planung der neuen US-Regierung sind die Zölle nicht nur dazu da, den US-Handel wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sondern auch Teil der Steuergleichung. Ohne diese Einnahmequelle wird es schwieriger, die Steuersenkungen durch den Kongress zu bringen.

Trotz der 30-tägigen Galgenfrist für Kanada und Mexiko dürfen angesichts der großen Bedeutung der Zolleinnahmen im Haushaltsplan weitere erhebliche Anhebungen der US-Zölle bevorstehen. Die 10-prozentige Abgabe auf chinesische Produkte ist nicht das Ende.

Europa ist bisher von der ersten Salve der US-Zölle verschont geblieben. Es scheint jedoch, dass die nationalen Regierungen und die europäischen Institutionen bereits damit rechnen, „die nächsten auf der Liste“ zu sein.

Die massive Unsicherheit im Rahmen der US-Zollpolitik wirkt sich wahrscheinlich bereits auf die Entscheidungen der Unternehmen in Europa aus, und das zu einer Zeit, in der die Investitionen bereits schwach sind.

Geldpolitik in Europa: Die EZB unter Druck

Eine klare EU-Strategie mit Blick auf die US-Zinspolitik lässt auf sich warten, Paris und Berlin sind derzeit nicht in der Lage, entscheidende Maßnahmenpakete durchzusetzen. Unternehmen könnten jetzt jede Form von Rückversicherung gut gebrauchen. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass ein rasches Entgegenkommen der EZB in dieser Phase die einzige Möglichkeit ist.

Vieles spricht zunehmend für eine weitere Lockerung der Geldpolitik im Euroraum, während die vergangene Klausurtagung der EU-Staats- und Regierungschefs keine bahnbrechenden Entscheidungen brachte.

Gegenläufige Trends: Während der US-Arbeitsmarkt boomt, schwächelt Europa

Die letzten quantitativen und qualitativen Kennzahlen der EZB signalisieren, dass der Arbeitsmarkt rasch nachlässt und ein starker Rückgang der Löhne bevorsteht. Nach der jüngsten ECB Corporate Telephone Survey halten europäische Unternehmen zudem Handelskriege für inflationssenkend und nicht für inflationstreibend wie die Verfechter einer strafferen Geldpolitik innerhalb der EZB.

Globale Zentralbanken: Wachsende Unsicherheit, neue Prioritäten

Die Bank of England hatte zuletzt ihren Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt, obwohl sie ihre Inflationsprognosen angehoben hatte.

Die Unsicherheit veranlasst die Zentralbanken außerhalb der USA dazu, sich eher auf die Wachstums- als auf die Inflationsrisiken zu konzentrieren.

www.fixed-income.org


 

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