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Bereiten Sie sich auf stürmische Zeiten vor, Fahrwasser für Schwellenländeranleihen bleibt unruhig

von Luc D’hooge, Head of Emerging Markets Debt, Vontobel Asset Management

Für die globalen Märkte war der Oktober ein ereignisreicher Monat und auch die nahe Zukunft dürfte turbulent bleiben. Die US-Aktienmärkte erlebten einen Einbruch, der den S&P 500 um 7 Prozent sinken ließ. Dieser Rückgang ist zwar nicht ganz so stark wie im Februar, aber dennoch erheblich. Da die Anleger zunehmend sicherere Häfen ansteuerten, wertete der US-Dollar auf, während sich Öl und viele andere Rohstoffe abschwächten. Der IWF veröffentlichte seine vierteljährliche Prognose für das weltweite Wachstum und korrigierte seine Erwartungen sowohl für die Industrie- als auch für die Schwellenländer nach unten.

Länderspezifische Entwicklungen belasten Schwellenländer

Die Schwellenländer wurden zudem von zahlreichen länderspezifischen Entwicklungen belastet. Dabei wirkte sich die gesamtwirtschaftliche Abkühlung Chinas am deutlichsten auf die Märkte aus. So sprechen mehrere Indikatoren (Export-PMI, PKW-Verkäufe, usw.) für eine Abschwächung, die vermutlich vor allem auf den Handelsstreit mit den USA zurückzuführen ist. Anfang Oktober reagierte die chinesische Regierung mit moderaten Anreizmaßnahmen und signalisierte zum Monatsende die Bereitschaft, diese auszudehnen. Mit Spannung erwartet wird der G20-Gipfel von Buenos Aires am 1. Dezember, bei dem US-Präsident Donald Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping aufeinandertreffen werden.

Der mysteriöse Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi in einem Konsulat in der Türkei lenkte die Aufmerksamkeit der Märkte auf Spekulationen über politische Intrigen innerhalb des Königreichs. Die Rolle der Türkei in der Aufklärung des Falls, sowie die Freilassung des US-Pastors Andrew Brunson, bescherten türkischen Vermögenswerten eine starke Rally (z.B. Devisen und Bankenanleihen). 

Brasilien wählte im Oktober den Rechtspopulisten Jair Bolsonaro zum Präsidenten. Trotz seiner extremen Ansichten begrüßten die Märkte seine Wahl. Diese Einschätzung teile ich nicht, da seine wirtschaftspolitische Agenda wenig klar ist und er bislang nicht in der Wirtschaftspolitik tätig war. Hält er an dem aggressiven Ton, den er im Wahlkampf anschlug, fest, wird er beim Regieren vermutlich auf Widerstand stoßen. Aus Anlegersicht würde ich sagen, dass die Sambatrommeln in Brasilien vorerst verstummt sind und der Karneval eine Pause einlegt.

Unterdessen hat der angehende Präsident Mexikos, López Obrador (kurz AMLO genannt), das Vertrauen der Märkte in den institutionellen Rahmen des Landes und in seinen Führungsstil erschüttert, nachdem er einen milliardenschweren Flughafen-Neubau auf umstrittene Weise stoppte.

Anleger zeigen sich vorsichtiger, Spreads von Schwellenländeranleihen weiten sich aus

Zu den weniger schlagzeilenträchtigen, dennoch bedeutenden Ereignissen gehörte die endgültige Bewilligung eines IWF-Hilfspakets in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar für Argentinien. Auch die Ukraine sicherte sich ein neues umfassendes IWF-Kreditprogramm und drei arabische Golfstaaten verabschiedeten ein 10-Milliarden-Dollar-Hilfspaket für Bahrain. Die peruanische Oppositionsführerin Keiko Fujimori wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und der südafrikanische Finanzminister wurde ohne viel Drama ersetzt.

Die zahlreichen Schlagzeilen hatten zur Folge, dass sich die Spreads von Schwellenländeranleihen ausweiteten. Das gilt sowohl für Staats- als auch für Unternehmensanleihen. Angesichts dieser Turbulenzen überrascht es kaum, dass die Fonds deutliche Abflüsse verzeichneten. Diese beliefen sich auf rund 500 Millionen US-Dollar in Hartwährungen, was allerdings durch einen umfassenden Zufluss von 1,2 Milliarden US-Dollar in der ersten Oktoberwoche weniger stark zutage trat.

Risiken in Schwellenländern werden bleiben

Und es sieht ganz danach aus, dass das Fahrwasser für Schwellenländeranleihen unruhig bleiben wird: Die oben genannten Ereignisse in den Golfstaaten, in Brasilien, der Türkei und China könnten weitere Wellen schlagen und nicht seefeste Anleger zum Kentern bringen. Allerdings – und das wiederhole ich immer wieder – gehören solche Ereignisse zur Anlagetätigkeit an den Schwellenmärkten dazu und bergen auch Chancen, insbesondere, wenn die Fundamentaldaten stark bleiben. Der US-amerikanische Dichter Oliver Wendell Holmes Sr. brachte dies wie folgt auf den Punkt: „Um einen Hafen zu erreichen, müssen wir segeln, manchmal mit dem Wind und manchmal dagegen. Aber wir dürfen nicht treiben oder vor Anker liegen“. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, den richtigen Wind und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Vontobel Asset Management 
Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen über-zeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlage-klassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Luc D'hooge © Vontobel Asset Management)


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