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Die Auswirkungen der dauerhaften Niedrigzinsen auf den Anleihemarkt

Monatliche Anleihen-Kolumne des Asset Management Teams der Steubing AG

Fakten, Fakten, Fakten: Die EZB wird die Zinsen mittelfristig nicht erhöhen. Die EZB wird das Anleiheankaufprogramm, was nur halbherzig gestoppt wurde, wieder aufleben lassen. Die EZB wird das Anleiheankaufprogramm ausweiten und die Ankaufquote aufheben.

Dementsprechend müssen Investoren ihr Geld an anderer Stelle für sich arbeiten lassen. Institutionelle und im Hintergrund private Anleger müssen dafür sorgen, dass sich ihre Rücklagen für das Alter nicht stetig reduzieren, sondern dass eine Kapitalentwicklung stattfindet. Gerade im Anleihensegment ist das hochgradig schwierig. International ist es möglich in sicher einzuschätzende Anleihen zu investieren, die einen Kupon von rund 2% haben. Aber durch das Verhalten der Währungshüter diesseits und jenseits des Atlantiks ist es sehr schnell möglich, dass diese Rendite auf einmal zu einem realen Negativzins wird. Zusätzlich reichen natürlich zwei Prozent nicht aus, um eine Altersvorsorge auskömmlich zu verzinsen.

Auf dem „Weg zum Erwachsen werden“ erscheint momentan ein Segment, was vor drei Jahren gestorben zu sein schien – und durchaus mit Recht: Unter dem Marketingnamen „Mittelstandanleihen“ reüssierte so mancher – man kann im Nachhinein beruhigt sagen „betrügerischer“ – Emittent, der sich nicht wie das mittelständische Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sondern eher wie ein Hasardeur verhielt. Unterstützt wurden die Unternehmen von naiven Banken und Agenturen.

Mittlerweile hat sich hier der Markt verändert. Still und leise kommen KMU-Anleihen auf den Markt, die sich selber eine erhöhte Transparenzverpflichtung (als Vorreiter muss hier der Immobilienkonzern Euroboden gelten) geben – und viel wichtiger, sie auch einhalten. Im Jahr 2019 hat sich eine regelrechte Pipeline von KMU-Anleihen entwickelt. Viele Unternehmen aus dem Immobilienbereich nehmen so Fremdkapital auf, um flexibel auf verschiedene Marktopportunitäten reagieren zu können. Zwar können sich institutionelle Investoren auch nicht unbegrenzt mit Immobilienanleihen vollpumpen, aber ein nicht zu unterschätzender Vorteil: Was das Unternehmen in eine Schieflage gerät, wird genügend Masse da sein, an der man sich bedienen kann. Der Kupon ist selten unter 5% zu finden, so dass der Markt für KMU-Anleihen für Investoren in diesem Umfeld attraktiv sein muss. Auf keinen Fall darf hier erneut eine Überhitzung eintreten, die dazu führt, dass Emittenten leere Versprechungen machen, die Sie nicht erfüllen können oder wollen. Das sehen wir aber momentan nicht, denn es fehlen zwei Voraussetzungen. Zum einen handelt es sich bei den Emittenten nicht um künstlich mit Tradition aufgeladene Marken-Unternehmen – zum anderen fehlt eine treibende Kraft in diesem Geschäft. Egal ob Sie sich nun Börsen, Banken oder Kommunikationsagenturen schimpfen. Wir hoffen, dass die Niedrigzinspolitik der EZB keine Schleifspuren, in diesem sich gerade vorsichtig gut entwickelten Markt von KMU-Anleihen hinterlässt.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Ralf Meinerzag © Steubing AG)


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