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Die schleichende Entwicklung „grüner“ Anleihen in globalen Portfolios

von Johann Plé, Senior Portfolio Manager bei AXA Investment Managers

Johann Plé © AXA Investment Managers

Der Markt für grüne Anleihen wird zunehmend zu einer eigen­ständigen Asset­klasse, die allmählich auch welt­weit an Bedeu­tung gewinnt. Mit einem Emissions­volumen von 448 Mrd. Euro im letzten Jahr ist Europa nach wie vor die treibende Kraft, aber wichtig ist vor allem, dass Emittenten, die einmal eine grüne Anleihe begeben haben, dies in der Regel immer wieder tun. Deshalb gehen wir davon aus, dass viele der 2024 emittierten Papiere nach ihrem Ablauf durch neue ersetzt werden.

Interesse besteht nicht nur in Europa. Auch in Asien, Australien und den Emerging Markets gewinnt die Assetklasse an Bedeutung. Regulierungen, Transparenz und Nachhaltigkeitszusagen sorgen dort für das gleiche Wachstumspotenzial wie in Europa vor zehn Jahren. Auch Regierungen außerhalb Europas emittieren weiterhin Green Bonds. So begab beispielsweise China in diesem Jahr seine erste Anleihe dieser Art. Da auch andere Länder Green-Bond-Emissionen planen, werden das Volumen und die Legitimität des Marktes weiter steigen.

Außerdem ist uns aufgefallen, dass sich grüne Anleihen im Vergleich zu traditionellen Papieren in den letzten Jahren gut entwickelt haben. Aus unserer Sicht liegt das an ihrer Struktur: Der Markt für Green Bonds hat mit etwa 50% einen höheren Unternehmensanleihenanteil als der Anleihenmarkt insgesamt.  Zudem reagiert er sensibler auf die Euro-Zinsen. Diese Unterschiede sind maßgeblich für den Mehrertrag, vor allem in einem günstigen Marktumfeld, weil die Duration und die Ratingstruktur des Green-Bond-Marktes denen der Gesamtindizes stark ähneln.

Auch die Bewertungen sind vergleichbar. Die Zeiten, in denen grüne Anleihen etwas teurer waren, sind vorbei. Heute beträgt das „Greenium“ im Durchschnitt nur noch etwa 1 Basispunkt, was quasi keine Auswirkungen auf die Kurse hat.

Da es aber keine allgemeingültige Definition für grüne Anleihen gibt, sollten Investoren vorsichtig bleiben. Es gibt zwar „grüne“ Label, aber nur auf freiwilliger Basis, sodass eingehende Prüfungen unabdingbar sind. Wir untersuchen, ob ein Emittent glaubwürdig ist und das Netto-Null-Ziel anstrebt. Und wir prüfen, ob die mit der Anleihe finanzierten Projekte wirklich im Einklang mit den Klimazielen stehen.

Der Green-Bond-Markt ist gewachsen, und viele Investoren betrachten die Assetklasse als Kernkomponente ihrer Anleihenportfolios. Aber nach wie vor gilt es, einige Hürden zu überwinden, vor allem im Zusammenhang mit Regulierungen. Deshalb ist ein aktiver und disziplinierter Ansatz für diesen Markt aus unserer Sicht der beste Weg, um Chancen zu erkennen und zu nutzen.

Aus diesen Gründen halten wir Green Bonds für ein effizientes Instrument, um Anleihenportfolios mit Nachhaltigkeitszielen zusammenzustellen, ohne auf Ertrag verzichten zu müssen oder das Risiko zu erhöhen. Das liegt daran, dass es immer auf die Richtung ankommt, nicht auf die Größe eines Marktes: Wenn Sie möchten, dass Ihr Portfolio stärker auf das Netto-Null-Ziel ausgerichtet ist, müssen Sie in klimaorientierte Emittenten und Projekte investieren. Grüne Anleihen bieten genau das und öffnen Wege für Engagement.

Natürlich leisten Anlagen in Green Bonds heute mehr als die Einbindung von ESG-Faktoren.  Sie können Investoren auch eine Reihe anderer Vorteile bieten:

•  Risikominderung
Da sie dieselben Eigenschaften wie traditionelle Anleihen haben (vermutlich sogar noch bessere, weil sie transparenter sind), können Green Bonds interessant für Investoren sein, die sich aus risikoreicheren Assetklassen zurückziehen wollen, um durch Anlagen in Anleihen der Marktunsicherheit nicht mehr so stark ausgesetzt zu sein.

•  Ertragspotenzial
Auch für Investoren, die mehr Ertragspotenzial wünschen, als traditionelle Anleihenportfolios in der Regel bieten, könnte der Green-Bond-Market interessant sein, weil er einen höheren Unternehmensanleihenanteil hat.

•  Niedrigerer USA-Anteil
Aus den USA kamen noch nie viele Green Bonds, und das dürfte sich so schnell nicht ändern. Deshalb sind grüne Anleihen für Investoren, die ihren USA-Anteil senken wollen, eine glaubwürdige, echte Alternative.

Vielen Anlegern geht es nicht einfach nur um ein gutes Gewissen. Sie wollen qualitativ hochwertige Anlagen, die zusätzliche Transparenz bieten und etwas bewirken. Zwar gibt es beim Vergleich von grünen Anleihenfonds mit konventionellen Anleihenportfolios immer noch Probleme mit dem Tracking Error, aber für Anleger, für die dies nicht das Maß aller Dinge ist, sind Green Bonds aus unserer Sicht eine interessante Option. 

www.green-bonds.com – Die Green Bond-Plattform.


 

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