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DWS CIO Flash: Erhöhte Unsicherheit durch die globale Ausbreitung des Coronavirus

Die Neuansteckungen in Südkorea und Italien sind alarmierend. Eine schnelle Rückkehr zur Normalität scheint fraglich, kurzfristig bleiben wir vorsichtig

Der Frühling ist für wechselhaftes Wetter bekannt. Aber zum einen haben wir kalendarisch immer noch Winter, und zum anderen ist der aktuelle Umschwung beim Börsenwetter mehr als dramatisch.

Als sei die Coronavirus-Epidemie bereits ein Fall für die Geschichtsbücher, notierten diverse Aktienindizes noch am Mittwoch, den 19. Februar, auf neuen Höchstständen. Auffallend war, dass die Aktienmärkte zwar freundlich handelten, Staatsanleiherenditen jedoch deutlich unter den Ständen vom Januar blieben, der Goldpreis kräftig zulegte und Industriemetalle wie Kupfer sich nach einem kräftigen Preisverfall gerade einmal stabilisieren konnten. Etwas vereinfacht ausgedrückt, beschrieben die verschiedenen Märkte folgendes Bild: Der Wirtschaftseinbruch ist erheblich (das Bild vermittelt der Kupferpreis), Zentralbanken und andere Akteure greifen zu Stimulus in Form von billigem Geld (daher niedrige Staatsanleiherenditen), weshalb sich alles zum Guten wenden werde (und daher die hohen Aktienkurse). Um dieses durchaus positive Narrativ zu rechtfertigen, müssten unserer Meinung nach drei Bedingungen erfüllt sein:

Erstens muss die Ausbreitung der Krankheit rasch eingedämmt werden.

Zweitens muss die Produktion möglichst schnell wieder auf das Vor-Krisenniveau hochgefahren werden.

Und drittens müssen die Zentralbanken und Finanzministern den zusätzliche Stimulus, auf den sich die Märkte freuen, auch zügig liefern.

Bezüglich der letzten Bedingung gibt es guten Grund für Optimismus. Besonders aus China wurden bereits erste Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen gemeldet. Steuersenkungen, Staatshilfen und andere fiskal- wie ordnungspolitische Maßnahmen runden das Bild ab. Auch andere, vornehmlich asiatische, Staaten melden unterstützende Maßnahmen: Thailand, die Philippinen und Indonesien haben bereits die Zinsen gesenkt, genauso wie Brasilien und Mexiko. Die Liste dürfte bald um weitere Länder ergänzt werden.

Schwieriger ist die Beurteilung, inwiefern sich China wieder auf dem Weg zum "Business as Usual" befindet. Offizielle Wirtschaftsstatistiken, die hierüber Aufschluss geben könnten, sind erst in mehreren Wochen zu erwarten. In der Zwischenzeit behelfen sich Analysten mit Staudaten, Luftverschmutzungswerten oder ähnlichen Kennzahlen, die ein tagesaktuelles Bild der Wirtschaftsaktivität anzeigen sollen. Diese Indikatoren beschreiben einen langsamen Anstieg von niedrigen Niveaus aus. Ein weiteres Puzzleteil sind Stimmungsindikatoren, wie die ersten Einkaufsmanagerindizes für Februar. Diese vermittelten besonders im Falle Japans eine dramatische Verschlechterung der Stimmung im Dienstleistungssektor, während im verarbeitenden Gewerbe bisher nur geringe Auswirkungen der Coronavirus-Krise erkennbar sind. Für Europa wurde sogar ein verbessertes Stimmungsbild gemeldet, hier lassen nur einzelne Teilkomponenten auf gewisse Verzögerungen in Lieferketten schließen.

Besonders kritisch steht es jedoch um die erste Bedingung. Zwar ist die Rate der Neuerkrankungen in China weiterhin rückläufig. Grund zur Sorge gibt aber der sprunghafte Anstieg von gemeldeten Infektionen in Südkorea sowie in Italien. Während Südkorea eine wichtige Rolle in globalen Lieferketten spielt, ist mit Italien ein Land mit hoher staatlicher Verschuldung und anfälliger Wirtschaft betroffen. In den letzten Jahren hat der Tourismus in den südeuropäischen Ländern deutlich von den politischen Spannungen in Nordafrika profitieren können. Es steht zu befürchten, dass Touristen auf Nachrichten über einen Coronavirus-Ausbruch rasch mit Stornierungen reagieren könnten. Der Tourismus aus China hat ohnehin schon spürbar nachgelassen.

Dementsprechend empfindlich haben die globalen Märkte auf die Meldungen des Wochenendes reagiert. Europäische Aktienindizes gaben mehr als 3 Prozent ab und auch die Staatsanleiherenditen sanken deutlich. Zehnjährige US Treasury-Renditen etwa nähern sich ihrem Tief von Juli 2016.

Wir haben bereits davor gewarnt, zu früh auf eine Entspannung der Lage zu setzen (siehe CIO Flash vom 30.01.2020), und sind skeptisch in Bezug auf einen vorschnellen Vergleich mit der starken Aktienmarkterholung nach der SARS Krise von 2003 (siehe Chart of the Week vom 14.02.2020). In unserem Hauptszenario für den strategischen Ausblick gehen wir weiter davon aus, dass die Eindämmung des Virus in den kommenden Wochen deutlich sichtbar wird und ein Großteil der ausgebliebenen Wirtschaftsaktivität im Jahresverlauf nachgeholt werden kann. Kurzfristig bleiben wir jedoch etwas vorsichtiger eingestellt, da der Krankheitsverlauf in seiner Dynamik schwer zu greifen bleibt und es nicht genügend Evidenz gibt, dass die Epidemie ihren Höhepunkt überschritten hat. Wir bevorzugen daher eine Positionierung mit Fokus auf Liquidität, Staatsanleihen, Gold und defensiven Aktien.

https://www.fixed-income.org/
(Foto:
© freakwave auf Pixabay)


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