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DWS: Energieschocks vergehen - Ihr Echo bleibt

Wenn Preise sprunghaft steigen, reagieren Haushalte schnell. Ihre Inflationserwartungen kehren jedoch nur langsam zur Normalität zurück

Inflationserwartungen der Verbraucher im Euroraum für die kommenden zwölf Monate; Quellen: Haver Analytics Inc., European Central Bank; Stand 17.03.2026

Der Krieg gegen den Iran hat eine alte Sorge zurück­gebracht: dass Störungen am Per­sischen Golf – und insbe­sondere an der Straße von Hormus – die Energie­kosten erneut steigen lassen und damit auch die Lebens­haltung verteuern. An den Märkten richtet sich der Blick rasch auf Extrem­szenarien. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Frage, wie sich solche Schocks von den Preisen auf die Erwartungen übertragen. Der Ukraine-Krieg liefert dafür einen aufschluss­reichen Vergleich.

Unser Chart der Woche zeigt auf Basis von monat­lichen Umfrage­daten der Europä­ischen Zentralbank, wie sich die Inflations­erwartungen der Verbraucher für die kommenden zwölf Monate in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien entwickelt haben. (1) Das Bild ist eindeutig: 2022 schnellten die Inflationserwartungen in allen vier Ländern nach oben, in Italien besonders stark. Danach gingen sie nur langsam zurück. Der Schock selbst verlor an Wucht. Sein Abdruck blieb.

Der Mechanismus ist einfach. Verbraucher nehmen höhere Benzin-, Heiz- und Lebensmittelpreise sofort wahr. Vergessen werden solche Preissteigerungen jedoch nicht so rasch. Anders gesagt: Inflationserwartungen verhalten sich weniger wie ein Reflex als wie ein Bluterguss – schnell da, langsam verschwunden. Hinweise aus den Vereinigten Staaten sprechen dafür, dass auch die Belastung des Konsumklimas durch Inflation nur allmählich nachlässt, nicht abrupt. (2)

Das ist heute bedeutsam, weil die Schifffahrtseinschränkungen am Golf nicht nur eine Ölgeschichte sind. Störungen dort können auch Transport- und Düngemittelkosten erhöhen – mit Folgen für Nahrungsmittelpreise und die allgemeinen Lebenshaltungskosten. (3) Hinzu kommen regionale Besonderheiten: In Europa und Asien spielen die Gas- und Strompreise mittlerweile eine genauso große Rolle wie der Rohölpreis selbst. (4) „Entscheidend ist nicht nur, ob die Energiepreise erneut steigen, sondern wie lange dieser Anstieg in den Köpfen der Verbraucher haften bleibt. Das macht die Aufgabe der Notenbanken noch schwieriger“, argumentiert Ulrike Kastens, Senior Economist bei der DWS. Märkte mögen rasch weiterziehen. Haushalte tun dies in der Regel nicht. Für die Geldpolitik ergibt sich daraus ein unangenehmes Dilemma: Sie muss Zweitrundeneffekte im Blick behalten, ohne sich dabei auf Schnellschüsse einzulassen.

1) Europäische Zentralbank, 27.02.2026, “Consumer Expectations Survey results – January 2026”
2) Cummings, R. and Mahoney, N., 04.12.2023, “Digesting inflation”, Briefing Book
3) UN Trade and Development (UNCTAD), 10.03.2026, “Strait of Hormuz disruptions: Implications for global trade and development”
4) S. unseren früheren Kommentar: DWS, Chart of the Week, 06.03.2026, “Oil shocks don’t bite like they used to”

www.fixed-income.org 


 

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