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Ein positiver Start ins Jahr

von Alexis Renault, Global Head of High Yield bei ODDO BHF AM

Alexis Renault © ODDO BHF AM

Der europä­ische Hoch­zins­markt startete mit be­merkens­werter Stabilität in das Jahr. Die Kredit­spreads bewegten sich in einer relativ engen Spanne zwischen 240 und 270 Basis­punkten und lagen bis Februar nur leicht über dem Niveau zum Jahres­ende. Getragen von einer attraktiven Carry-Komponente fiel die Performance solide aus: Der ICE BofA ML Euro High Yield Non-Financial Fixed Floating Rate Constrained Index (HEAE-Index) erzielte seit Jahresbeginn eine Rendite von rund 0,9%.

Die Aktivitäten am Primärmarkt unterstrichen das Interesse der Anleger zusätzlich. Das Bruttoemissionsvolumen von 15,3 Mrd. Euro seit Jahresbeginn übertraf das des Vorjahres, und neue Emissionen wurden reibungslos vom Markt aufgenommen – ein ermutigendes Zeichen für die anhaltende Nachfrage nach Rendite in einem immer noch günstigen makroökonomischen Umfeld.

Geopolitischer Schock und Marktreaktion
Die Lage veränderte sich schlagartig mit der Eskalation des militärischen Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran. Die Auseinandersetzung weitete sich rasch auf den gesamten Nahen Osten aus und richtete sich zunehmend gegen kritische Infrastruktur – insbesondere gegen zentrale Energieversorgungswege.

Die Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Routen für den globalen Öl- und LNG Transport, führte sofort zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise. Die Ölpreise überschritten die Marke von 100 US Dollar, und auch die Gaspreise zogen stark an.

Diese Entwicklungen hinterließen deutliche Spuren an den Rentenmärkten. Die höheren Energiekosten schürten erneut Inflationssorgen und lösten eine Neubewertung der geldpolitischen Erwartungen aus – insbesondere in der Eurozone. Dort wurden die zuvor erwarteten Zinssenkungen nicht nur zurückgenommen, sondern durch aufkommende Erwartungen möglicher Zinserhöhungen ersetzt

Ausblick und Auswirkungen auf das Portfolio
Trotz der erhöhten Unsicherheit hat sich der europäische Hochzinsmarkt als relativ widerstandsfähig erwiesen. Die Spreads weiteten sich auf 320 Basispunkte aus – rund 50 Basispunkte höher als Ende Februar – eine spürbare, aber nicht extreme Marktreaktion.

Die weitere Marktentwicklung hängt in hohem Maße von Dauer und Intensität des Konflikts in der Golfregion ab. Anhaltend hohe Energiepreise könnten die Inflation zusätzlich antreiben und das globale Wachstum belasten.

Weitere Risiken ergeben sich aus der schwer vorhersehbaren US Handelspolitik, anhaltenden geopolitischen Spannungen in anderen Regionen sowie möglichen Ausstrahlungseffekten aus den privaten Kreditmärkten. Dort stehen zunehmende Sorgen über steigende Abflüsse aus Private Debt Fonds und wachsenden Liquiditätsdruck im Vordergrund.

Gleichzeitig bietet die Anlageklasse weiterhin einen angemessenen Carry, wobei die aktuelle Rendite bis zur Fälligkeit von 6,0 % einen erheblichen Puffer gegenüber einer weiteren Ausweitung der Spreads darstellt. Die Fundamentaldaten der Unternehmen bleiben überwiegend solide, auch wenn erste Hinweise für eine allmähliche Verschlechterung erkennbar sind. Es wird weiterhin erwartet, dass die Ausfallraten kurzfristig moderat bleiben, gestützt durch das anhaltende globale Wachstum – ein Szenario, das davon ausgeht, dass sich der Iran Konflikt und der damit verbundene Energiepreisschock als vorübergehend erweisen.

In einem von Volatilität und Unsicherheit geprägten Umfeld bleibt Flexibilität von zentraler Bedeutung. Aus Risikosicht erscheint eine defensive und breit diversifizierte Allokation sinnvoll. Unternehmen mit stabilen Erträgen und widerstandsfähigen Geschäftsmodellen sind besser positioniert, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen. Entsprechend bleibt eine sorgfältige Emittentenauswahl auf Grundlage einer fundierten Kreditanalyse sehr wichtig.

Insgesamt halten wir an einer vorsichtig konstruktiven Einschätzung europäischer Hochzinsanleihen fest. Zwar bleibt das Risiko erhöht, doch bietet die Anlageklasse weiterhin risikoadjustiert ein interessantes Ertragsprofil für Anleger, die in der Lage sind, sich in einem zunehmend komplexen makroökonomischen Umfeld zu orientieren. Wir bevorzugen einen Fokus auf Hochzinsanleihen mit kurzer Laufzeit, deren geringere Zinssensitivität einen deutlichen Puffer gegenüber einer möglichen weiteren starken Ausweitung der Spreads bietet.

www.fixed-income.org

 

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