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Ein Waffenstillstand löst keine Stagflation - Warum der April mehr Klarheit verlangt als er liefert

von Joel Frick, Investment Lead, BENDURA BANK AG

Joel Frick © Bendura Bank

Das erste Quartal 2026 fühlte sich an wie ein ganzes Jahr - und das ist keine Metapher. Grönland, Venezuela, Iran: Innerhalb von drei Monaten hat sich die geo­politische Landkarte grund­legend verändert. Der aktuelle Waffen­stillstand mag kurzfristig Entlastung bringen. Doch wir sind überzeugt: Die makro­öko­nomischen Nach­wirkungen dieses Quartals werden das Investment­umfeld noch weit über den April hinaus prägen.

Der Ölpreis als Taktgeber – und seine Grenzen

Die Schließung der Straße von Hormus hat eines schonungslos offengelegt: Energieversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Rund 20 Prozent der globalen Ölströme flossen durch diese Engstelle - bis sie es nicht mehr taten. Der Brent-Preis bewegte sich zeitweise zwischen 110 und 115 US-Dollar je Barrel. Strategische Reserven und Lagerabbau haben den unmittelbaren Schock abgefedert, aber diese Puffer sind temporär.

Die entscheidende Variable für die nächsten Monate ist nicht der Konflikt selbst, sondern sein Preis - im wörtlichen Sinne. Eine Faustregel: Ein anhaltender Anstieg des Ölpreises um 10 US-Dollar erhöht die Gesamtinflation langfristig um rund 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte. Bei einem Preisniveau um 100 US-Dollar könnte die OECD-Inflation auf über 4 Prozent steigen - bei 140 US-Dollar sind 5 bis 6 Prozent nicht auszuschließen. 

Notenbanken zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsangst

Die Federal Reserve hat auf ihrer März-Sitzung die Leitzinsen unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen - und damit signalisiert, wie eng ihr Spielraum geworden ist. Zinssenkungserwartungen haben sich vollständig aufgelöst; stattdessen preist der Markt eine Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent für eine Zinserhöhung im laufenden Jahr ein. Das klassische geldpolitische Drehbuch - angebotsseitige Energieschocks „durchschauen“ und abwarten - ist unter Druck geraten, weil die Inflationserwartungen der Haushalte bereits klar nach oben zeigen.

Europa steckt in derselben Zwickmühle, aber mit noch weniger Spielraum. Die EZB hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,9 Prozent gesenkt; die Inflation im Euroraum ist im März von 1,9 auf 2,5 Prozent gestiegen - nahezu ausschließlich getrieben durch Energie. Wer auf schnelle Zinssenkungen als Portfolioentlastung gesetzt hat, muss diesen Plan revidieren.

Aktienmärkte: Billiger, aber noch nicht billig

Vierzehn Billionen US-Dollar vernichtete Börsenkapitalisierung in einem einzigen Monat - das hat die Bewertungen realistischer gemacht, aber noch nicht attraktiv. Die US-Marktkapitalisierung liegt immer bei rund 66 Billionen US-Dollar, mehr als doppelt so hoch wie die amerikanische Wirtschaftsleistung. Eine Prämie für die stärkste Volkswirtschaft der Welt ist nachvollziehbar. Das lässt jedoch kaum Raum für Fehler. Zehn der elf S&P-500-Sektoren schlossen den März im Minus; der gleichgewichtete Index fiel stärker als der kapitalgewichtete. Das zeigt: Die Schwäche war breit, nicht nur ein Tech-Problem.

Die einzige Sektor-Ausnahme war Energie. Wer dort positioniert war, hat vom Schock profitiert. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Marktmechanik – und dürfte Bestand haben, solange der zugrunde liegende geopolitische Konflikt ungelöst bleibt.

Was das für Portfolios bedeutet

Wir sehen das aktuelle Umfeld als Belastungstest für echte Diversifikation. Kapital, das in den vergangenen Jahren konzentriert in US-Technologie geflossen ist, hat jetzt einen konkreten Anlass zur Neubewertung. Rohstoffnahe Märkte, kürzere Durationen bei Anleihen und inflationsresistente Anlageklassen zeigen relative Stärke - nicht als taktisches Manöver, sondern als Ausdruck einer strukturelle Neuausrichtung.

Gold hat im März enttäuscht: Ein Rückgang von über 5.300 auf nahe 4.100 US-Dollar je Feinunze zeigt, dass steigende Realrenditen und ein starker US-Dollar den Safe-Haven-Status überlagern können. Das verändert nicht die langfristige Rolle von Gold im Portfolio - aber es mahnt zur Vorsicht gegenüber vereinfachten Krisen-Narrativen.

Der Waffenstillstand ist ein Signal, aber noch kein Frieden. Solange die politische Lösung aussteht, bleibt das Investmentumfeld von Unsicherheit geprägt. Genau in solchen Phasen zahlt sich ein disziplinierter, szenarien-basierter Ansatz aus - wie wir ihn konsequent verfolgen. 

www.fixed-income.org

 

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