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ESG kann für Unternehmen zur Lebensversicherung werden

Die Ära des Shareholder Value ist vorüber. An seine Stelle werden künftig Nachhaltigkeitsfaktoren treten. Warum die Krise eine Zäsur ist und warum ESG-Kriterien das neue Mantra der Wirtschaft werden, erläutert die Legg-Mason-Boutique Western Asset Management in einem aktuellen Marktkommentar.

Über Jahrzehnte galt für börsennotierte Unternehmen in erster Linie die Devise: Die Zahlen müssen stimmen. In jedem Quartal. Obwohl die Diskussion um verantwortungsvolle Geldanlagen seit einigen Jahren an Fahrt gewinnt und bei vielen Unternehmen bereits Spuren hinterlassen hat, liefen ESG-Faktoren bis zur Pandemie-Krise für viele Unternehmen eher in der Kategorie „nice to have“. Doch die Krise hat einiges verändert: Einerseits schob sich die Bedeutung von Unternehmen für das Gemeinwohl in den Vordergrund. Wenn Unternehmen wie BASF oder LVMH Desinfektionsmittel herstellen oder ihren guten Draht nach China dazu nutzen, um Atemschutzmasken zu organisieren, dann geht es um mehr als nur die nächsten Quartalszahlen. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung haben und dieser gerecht werden sollten.

Auch hat die Pandemie-Krise bislang eindrucksvoll demonstriert, dass ESG-Kriterien alles andere als weiche Faktoren sind, die es im Geschäftsbericht auf den hinteren Seiten in blumigen Worten zu beschreiben gilt. Ganz im Gegenteil: ESG kann für Unternehmen zur Lebensversicherung werden. Die Krise hat gezeigt, dass vor allem diejenigen Gesellschaften gut durch die turbulente Marktphase kommen, die ESG-Kriterien bereits umsetzen. In den USA halfen beispielsweise Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Krankenversicherungsleistungen dabei, dass sich das Virus an Arbeitsplätzen weniger schnell ausbreiten konnte. Auch haben Unternehmen profitiert, die ihren Arbeitnehmern bereits seit längerer Zeit anbieten, im Homeoffice zu arbeiten. Diese waren auf den Lockdown schlichtweg besser vorbereitet und hatten bereits eingespielte Prozesse rund um die Remotearbeit.

Dass dieser Eindruck durch Fakten untermauert werden kann, zeigt auch ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Harvard Business School, den Professor George Serafeim gemeinsam mit Kollegen erarbeitet hat. Demnach entwickelten sich die Aktien von Unternehmen, die ESG-Faktoren bei Mitarbeitern und Zulieferern umsetzen, zwischen dem 12. Februar und dem 24. März 2020 besser. In eine ähnliche Kerbe schlagen Untersuchungen von Bloomberg oder Morningstar, die während der Krise ESG-Fonds untersucht haben.

Viele Kritiker werden nun glauben, dass dies nur ein kurzfristiger Effekt war und die Märkte spätestens dann, wenn ein Impfstoff gefunden ist, wieder in den alten Trott zurückfinden. Gleich mehrere Gründe sprechen dagegen: Zum einen hat die Krise dafür gesorgt, dass viele Unternehmen Verbesserungen rund um ESG eingeleitet haben. Diese Entwicklung dürfte sich spätestens während der nächsten Krise als gute Investition erweisen. Experten erwarten, dass das Risiko von Krisen angesichts von Klimawandel und wachsender Weltbevölkerung tendenziell eher noch zunehmen wird. Hinzu kommt, dass es trotz der Fortschritte rund um ESG noch viele Bereiche gibt, in denen sich Unternehmen besser aufstellen können: Faire Bezahlung, die Förderung von Ideenvielfalt oder mehr integrative Maßnahmen zur Gewinnung von Mitarbeitern sind nur einige davon. Neben dem Quartalsergebnis werden derartige Nachhaltigkeitsfaktoren in Zukunft zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Investoren tun gut daran, ESG-Kriterien schon heute in ihre Entscheidungen einfließen zu lassen.

https://www.green-bonds.com/

Foto:
© Gerd Altmann auf Pixabay

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