Zwar ließ die EZB ihre Leitzinsen unverändert, schlug jedoch vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Nahen Osten einen restriktiveren Ton an. Die EZB rechnet nun kurzfristig mit einer deutlich über dem Ziel liegenden Inflation, die dann im Verlauf des kommenden Jahres wieder auf 2 Prozent zurückgeht.
Präsidentin Lagarde betonte die Unterschiede zur Situation im Jahr 2022. Zugleich machte sie deutlich, dass die EZB mit allen Mitteln mittelfristige Preisstabilität gewährleisten werde.
Für eine klare Einschätzung der geldpolitischen Reaktion ist es aus unserer Sicht noch zu früh, da sowohl Intensität als auch Dauer der Störungen äußerst unklar bleiben.
Die EZB wird besonders auf mögliche Spillover-Effekte auf die Kerninflation achten und die Inflationserwartungen sehr genau beobachten.
Vorerst erwarten wir, dass sich die Restriktivität auf die Rhetorik beschränkt. Gleichzeitig ist die EZB heute weniger geneigt als vor 2022, eine Phase erhöhter Inflation einfach auszublenden.
Die aktuellen Rahmenbedingungen, eine weniger strikt am Basisszenario ausgerichtete Geldpolitik und die geringere Abhängigkeit von makroökonomischen Modellen sprechen für eine flexiblere EZB.
Sollte die EZB im weiteren Jahresverlauf noch aktiv werden, erwarten wir derzeit keine stärkeren Zinserhöhungen als sie bereits an den Märkten eingepreist sind.
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