Zum Ende der Woche gehen Experten von Federated Hermes auf das aktuelle Geschehen an den wichtigsten Finanzmärkten ein. In dieser Woche analysieren die Experten, warum die jüngsten Wahlumfragen aus Frankreich sich direkt negativ an der Pariser Börse bemerkbar machten. Zudem wird beleuchtet, wie Washington versucht, die langfristigen Zinsen seiner Anleiheemissionen per "Twist" zu drücken und warum die Märkte dem Finanzministerium trotzdem die kalte Schulter zeigen.
Politischer Platzregen an der französischen Börse
Filippo Alloatti, Head of Financials (Credit) bei Federated Hermes
Das war keine gute Nachricht für die großen Finanzkonzerne an der Pariser Börse. In einer von Le Figaro beauftragten Wahlumfrage stehen Marine Pen und das Rassemblement National mit 33 bis 35 Prozent an erster Stelle, Jean-Luc Mélenchon und sein linkes Bündnis liegen abgeschlagen bei 16 bis 19 Prozent.
Die rivalisierenden Kandidaten an der Spitze treten mit vom Markt skeptisch beäugten Wirtschaftsprogrammen an, insbesondere da die 10-Jahres-Anleihen heute schon bei über 4 Prozent liegen und die öffentliche Verschuldung konstant steigt. Das wirtschaftsnahe Mitte-Rechts-Spektrum hingegen ist zersplittert. Dessen Kandidaten teilen die Plätze drei, vier, fünf und sechs unter sich auf.
Über Vorwahlen, bei denen am Ende ein gemeinsamer Mitte-Rechts-Kandidat steht, könnte es trotzdem für den Einzug in die zweite Runde bzw. Stichwahl reichen. Geschieht das nicht, dürften die französischen Märkte einstweilen im Regen stehen bleiben.
Das US-Finanzministerium müht sich ab, der Markt zuckt mit den Schultern
R.J. Gallo, CIO Global Fixed Income bei Federated Hermes
Kurz nach der Intervention zur Stützung des fallenden japanischen Yen machte US-Finanzminister Scott Bessent deutlich, dass er bereit ist, aktiv gegen den jüngsten Anstieg der langfristigen Zinsen vorzugehen.
Dieser Schritt lässt vermuten, dass das US-Finanzministerium eine Art „Operation Twist“ durchführt – historisch gesehen der Verkauf kurzfristiger und Kauf langfristiger Anleihen, um die Zinskurve zu verzerren und so die Kreditkosten zu senken –, da die zusätzlichen Rückkäufe am langen Ende durch die Emission weiterer Schatzwechsel finanziert werden.
Die USA nehmen zur Finanzierung des hohen Defizits nach wie vor in großem Umfang neue Schulden auf. Dieser „Twist“ könnte die Zusammensetzung der Schulden also ausreichend stark verändern, um auf die Zinskurve einzuwirken. Das hohe Defizit und der Finanzierungsbedarf bestehen jedoch weiterhin. Verglichen mit den massiven strukturellen Problemen aus dem kumulierten Schuldenberg sowie entsprechenden Zinsverpflichtungen der US-Regierung ist das aber ein Nebenschauplatz. Anleihen mit längerer Laufzeit spiegeln immer mehr die verflochtenen Erwartungen aus Inflation, Wirtschaftswachstum, weiteren Emissionen und Laufzeitprämien wider. Zudem haben bereits das wachsende Schuldenniveau, Haushaltsdefizite und Inflationssorgen die Risikoprämien und Realrenditen innerhalb der letzten Jahre stetig steigen lassen. Schlussendlich macht eine immer stärker unter politischem Druck stehende Fed diese Mischung aus Marktsicht nicht attraktiver.
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