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Staatsanleihen - droht ein Ausverkauf an den Bondmärkten?

TJ Scavone Senior © Cambridge Associates

TJ Scavone, Senior Invest­ment Director bei Cam­bridge Asso­ciates, hält einen anhal­tenden, ungeord­neten Anstieg der Renditen von Staats­anleihen für unwahr­schein­lich. Zwar haben die Renditen in vielen In­dustriel­ändern inzwischen den höchsten Stand seit Jahr­zehnten erreicht – 30-jährige US-Staats­anleihen rentierten zuletzt zeitweise mit 5,4%. Haupt­treiber sind aus seiner Sicht aber nicht die stei­genden Staats­schulden, sondern vor allem das stärkere nominale Wachstum, die hartnäckige Inflation und die restrik­tivere Geldpolitik. Zusätzlichen Inflations­druck erzeugen derzeit die Auswir­kungen des Iran-Kriegs auf die globalen Energie­märkte.

Gegen die These, dass vor allem die hohen Staatsdefizite für den Renditeanstieg verantwortlich sind, spricht laut TJ Scavone auch die Entwicklung der Zinsstrukturkurven. In den meisten Märkten sind die Renditen zweijähriger Anleihen stärker gestiegen als die langfristigen Renditen, während die Zinskurven flacher geworden sind. Würden Investoren vor allem die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen infrage stellen, wäre eher das Gegenteil zu erwarten. Japan bildet teilweise eine Ausnahme; auch Großbritannien sollte aufgrund seiner fiskalischen Lage genau beobachtet werden.

Weitere Faktoren können die Renditen kurzfristig zusätzlich nach oben treiben. Dazu zählen das steigende Emissionsvolumen von Investment-Grade-Anleihen zur Finanzierung von KI-Investitionen sowie der Abbau der Zentralbankbilanzen. Auch Diskussionen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank und Eingriffe des US-Finanzministeriums zur Begrenzung des Drucks auf langfristige Renditen sorgen für Unsicherheit. Für TJ Scavone bleiben Wachstum, Inflation und Geldpolitik jedoch die entscheidenden Einflussfaktoren.

Für die kommenden Monate erwartet TJ Scavone daher weiterhin erhöhte, aber weitgehend innerhalb einer Bandbreite verlaufende Staatsanleiherenditen. Nach dem diesjährigen Anstieg liegen die Renditen vieler großer Industrieländer bereits auf oder über den Niveaus, die durch Wachstum, Inflation und Leitzinsen fundamental gerechtfertigt erscheinen. Ein deutlich stärkerer und dauerhafter Renditeanstieg wäre aus seiner Sicht vor allem dann zu erwarten, wenn Wachstum oder Inflation überraschend kräftig ausfallen. Das größte Risiko sieht er derzeit in einer stärkeren Eskalation des Iran-Kriegs, die Energiepreise und Inflation weiter nach oben treiben könnte.

TJ Scavone empfiehlt Anlegern deshalb, hochwertige Anleihen weiterhin als Kernbestandteil ihrer Portfolios zu halten. Die höheren Ausgangsrenditen verbessern die langfristigen Ertragsperspektiven und bieten einen größeren Puffer gegen weitere Zinsanstiege. Gleichzeitig sind Staatsanleihen bei inflationsgetriebenen Marktkorrekturen weniger verlässliche Diversifikatoren. Anleger sollten ihre Duration daher insgesamt neutral halten und nur in Märkten mit attraktiven Renditen im Verhältnis zu den Fundamentaldaten – etwa Großbritannien – selektiv verlängern. Ergänzend können inflationssensitive Anlagen und Hedgefonds-Strategien die Widerstandsfähigkeit des Portfolios erhöhen.

www.fixed-income.org 

 

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