Die Marktexperten des globalen Asset Managers Federated Hermes gehen in kurzen Kommentaren die wichtigsten Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten ein. In dieser Woche analysieren die Experten die Gold-Rally und die Faktoren, die den jüngsten Anstieg vorantreiben. Außerdem erläutern sie, welche Chancen sich für Anleger aus dem neuen EU-Indien-Freihandelsabkommen ergeben und wie sich die Absicherungsstrategien ausländischer Investoren auf den US-Dollar auswirken könnten.
Louise Dudley, Portfolio Manager for Global Equities bei Federated Hermes
Gold: Wie hoch hinaus geht es noch?
Gold hat diese Woche seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und überrascht angesichts des breiteren Marktumfelds viele Beobachter. Der Anstieg ist beeindruckend und wird von optimistischen Analystenvorhersagen, anhaltenden Zentralbankkäufen sowie dem Gefühl vieler Investoren angetrieben, in dem Asset untergewichtet zu sein. Gleichzeitig ist die klassische Korrelation zwischen Gold und Industrie-Metallen nicht mehr so klar wie früher. Beide entwickeln sich stark - was Fragen aufwirft, ob Gold in risikoscheuen Phasen noch als zuverlässiger Schutz wirkt.
Dennoch wächst das Interesse am Asset weiter. Bessere Zugänglichkeit hat die Anlegerbasis erweitert – und der jüngste Schwung verstärkt diesen Trend. Manche warnen, Gold könnte nun in den risikoreichen Spekulationsbereich abdriften, doch viel des Enthusiasmus speist sich aus seiner starken Performance und dem Vertrauen in dauerhafte Nachfrage. Geopolitische Unsicherheiten bieten zusätzliche Unterstützung, da Gold zumindest teilweise seinen Status als sicherer Hafen behält. Die offene Frage bleibt: Wie weit kann die Rally noch gehen, bevor sie auf Widerstände trifft?
Yasmin Chowdhury, Senior Investment Analyst for Global Emerging Market Equities bei Federated Hermes
EU und Indien schließen Meilensteinabkommen
Indien und die EU haben diese Woche nach zwei Jahrzehnten Handelsverhandlungen ein umfassendes Freihandelsabkommen vereinbart. Dieses soll Indiens Exporte diversifizieren und seine Abhängigkeit von den USA verringern.
Das Abkommen hebt oder senkt Zölle auf fast alle Waren zwischen den beiden Regionen und stärkt die Zusammenarbeit auf Verteidigungsebene durch eine neue Sicherheitsinitiative. Indiens arbeitsintensive Branchen profitieren besonders: Zölle von bis zu 10 Prozent fallen für Exporte im Wert von rund 33 Milliarden Dollar weg.
Sektoren wie Textilien, Bekleidung, Leder, Schuhe, Meeresprodukte, Edelsteine und Schmuck, Handwerkskunst, Maschinenbau und Autos werden in Europa wettbewerbsfähiger. Sensible indische Märkte bleiben geschützt, doch Indien öffnet erstmals weit seine stark regulierte Autoindustrie und lässt bis zu 250.000 europäische Fahrzeuge mit Vergünstigungen zu.
EU-Exporte nach Indien – von Autos über Maschinen bis hin zu Wein und Pasta – könnten bis 2032 verdoppelt werden. Die Ratifizierung dauert voraussichtlich ein Jahr und verzögert einen Anstieg des BIP, doch das Abkommen hebt kurzfristig die Stimmung und verringert Unsicherheiten im Handel mit den USA.
John Sidawi, Senior Portfolio Manager for Global Fixed Income beiFederated Hermes
‘Hedge America’ not ‘Sell America’
Der seit Dezember andauernde Abverkauf des US-Dollars lässt viele Anleger ratlos zurück und veranlasst sie, nach einem zugrunde liegenden Motiv zu suchen. Devisenkurse werden durch eine Vielzahl wirtschaftlicher Kennzahlen bestimmt, die Schwankungen unterliegen, doch der jüngste Einbruch des US-Dollars schien aus dem Nichts zu kommen. Da es dafür keine stichhaltige Erklärung gab, griffen die Marktteilnehmer rasch auf eine altbekannte Strategie zurück: „Sell America“.
Seit Jahresbeginn ist der S&P 500 um rund 2 % gestiegen, während US-Staatsanleihen weitgehend unverändert geblieben sind und sich damit ähnlich entwickelt haben wie in den meisten anderen Industrieländern – mit Ausnahme Japans. Aktuelle Daten liefern keine klaren Hinweise auf eine abrupte Umschichtung aus US-Staatsanleihen oder Aktien. Stattdessen scheinen ausländische Investoren ihre US-Positionen eher abzusichern als unmittelbar zu veräußern. Dies ist einer der Hauptgründe für unsere weiterhin pessimistische Dollarprognose.
Nach einem Jahrzehnt überdurchschnittlicher US-Performance liegen die ausländischen Investitionen in den Vereinigten Staaten auf oder nahe historischen Höchstständen. Sowohl mit Blick auf die Gesamtrendite als auch auf die Hedge-Kosten bestand für ausländische Investoren bis 2025 kaum ein Anreiz, das US-Währungsrisiko abzusichern. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend bis 2026 fortsetzt und letztlich Abwärtsdruck auf den US-Dollar ausübt. Zwar deutet derzeit wenig darauf hin, doch könnten sich die Devisenmärkte im Jahr 2026 als weniger ereignisreich erweisen. Sollte sich der Trend eines schwachen Dollars im zweiten Jahr bestätigen, könnte dies auf eine schrittweise Erosion der langjährigen Dominanz der Währung hindeuten.
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