YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Finanzmärkte: Globalisierungsgewinne laufen aus - Welthandel entwickelt sich weiter schwach

von Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG

Die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft schien bis vor kurzem ein kaum umkehrbarer Trend zu sein, der zu stetem Produktivitätswachstum und höherem Wohlstand beiträgt. Die Entwicklung des Welthandels stellt dies erstmals in Frage. Auch die politischen Trends legen eine stärkere Regionalisierung und Besinnung auf die Heimatmärkte nahe. Eine logische Konsequenz dieses Umfeldes sind erhöhte Migrationsströme.

Globalisierung bedeutete für eine lange Zeit, dass sich die Weltwirtschaft immer stärker verzahnt, dass Wertschöpfungsketten weltweit aufgeteilt und so komparative Vorteile in der Produktion von Gütern und Dienstleistungen ausgenutzt werden. Jedes Land würde vermehrt das herstellen, was es besser oder billiger kann als andere. Statistisch hat sich dieser Trend dadurch gezeigt, dass der Welthandel stärker steigt als die eigentliche Produktion. Und dies ist seit einiger Zeit nun nicht mehr zu beobachten. In den drei Monaten bis Oktober sind die Welthandelsvolumina im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 1,3% angestiegen, während vor der Finanzkrise noch Werte von 5% und mehr normal waren. Der in US-Dollar gemessene Wert der Handelsströme ist nun sogar absolut geringer als vor einem Jahr, da auch die Preise der gehandelten Güter rückläufig gewesen sind. Dies gilt übrigens für die Importe und Exporte aller Ländergruppen und ist sehr ausgeprägt für Rohstoffe, aber auch für hergestellte Güter. Das liegt sicherlich zum Teil an dem höher bewerteten US-Dollar und niedrigeren Rohstoffpreisen, mag aber auch ein Ausdruck der schwachen globalen Nachfrage sein. Die verstärkte Integration Chinas in die Weltwirtschaft seit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation in 2001 hatte sicherlich die Handelsströme zusätzlich stimuliert. Ein schwächeres Wachstum in China kann daher auch einen etwas schwächeren Welthandel erklären, nicht aber dass der Welthandel nun schwächer wächst als die Weltindustrieproduktion. Hierfür muss es andere Gründe geben. An hohen Frachtraten dürfte es kaum liegen, da niedrige Energiepreise und hohe Überkapazitäten in der Containerschifffahrt die Handelskosten deutlich gesenkt haben. Möglicherweise spielen sonstige nicht-tarifäre Handelshemmnisse eine Rolle – also die Regulierungsanforderungen, denen Importe eines Landes unterliegen. In jedem Fall geht der schwächere Welthandel mit einem anderen, politischen Trend einher – dem einer stärkeren Rückbesinnung auf die eigene Region. Statt verstärkter politischer Integration und Vernetzung ist vor allem in Europa ein Regionalisierungstrend zu beobachten. Ob in Katalonien, Schottland, Finnland oder UK – die Attraktivität überregionaler Einheiten nimmt ab, was sich gewöhnlich auch in einer stärkeren ökonomischen Autonomie ausdrückt. Die zunehmenden Spannungen mit Russland seit der Ukraine-Krise werden dafür vor allem in Osteuropa ein Grund sein. Ein anderer dürfte die schwächere Rolle der USA als einzige globale Hegemonialmacht sein, die Welt nach ihren Vorstellungen zu ordnen. Die stärkere Binnenorientierung der einzelnen Wirtschaftsräume und die damit einhergehende unterdurchschnittliche Handelsentwicklung haben eine lange Zeit unterschätzte aber logische Konsequenz: Eine zunehmende internationale Migration. Die Außen- wirtschaftstheorie zeigt, dass internationaler Handel zu einer stärkeren Angleichung der Lohnniveaus führt. Wenn Handel nicht möglich ist, wäre die Migration der Arbeitskräfte ein Substitut, das zur selben Lohnangleichung führen könnte. Wer die zukünftigen Migrationsströme verringern möchte, sollte sich daher für eine zunehmende Liberalisierung des Welthandels einsetzen.


www.fixed-income.org
--------------------------------------------------
BONDBOOK Restrukturierung von Anleihen
Auf 104 Seiten werden detailliert alle wichtigen Hintergründe rund um die Restrukturierung von Anleihen für Unternehmen und Anleihegläubiger erläutert.
Die Ausgabe kann zum Preis von 29,00 Euro (inkl. USt. und Versand) beim Verlag oder im Buchhandel (ISBN 978-3-9813331-2-1) bestellt werden.
www.restrukturierung-von-anleihen.com
--------------------------------------------------

Investment
Die aktuelle Zins­ent­schei­dung der EZB kom­mentiert Jill Hirzel, Senior Invest­ment Specialist bei Insight Invest­ment:Die EZB hat die Zinssätze in…
Weiterlesen
Investment
Die Europä­ische Zentral­bank hat den Einlagen­zins auf ihrer gestrigen Sitzung unver­ändert bei 2,25% belassen. Konstantin Veit, Port­folio­manager…
Weiterlesen
Investment
BlackRock ver­öffent­licht heute seinen Fixed Income Outlook für das dritte Quartal 2026. In einem Umfeld, das weiterhin von geo­poli­tischen…
Weiterlesen
Investment
Die morgigen Sitzung der Europä­ischen Zentral­bank (EZB) kommen­tiert Claudia Fontanive-Wyss, Portfolio­managerin bei Vontobel:Wir erwarten, dass die…
Weiterlesen
Investment

Kommentar von Ophelie Mortier, Chief Sustainable Investment Officer bei DPAM

Am 24. Juni hat der EU-Rat seinen Vor­schlag für die Reform der Nach­haltig­keits-Offen­legungs­ver­ord­nung SFDR vorgelegt. Ab vor­aus­sicht­lich…
Weiterlesen
Investment

Finanzsektor war weltweit die größte Quelle sowohl für Dividenden als auch für Aktienrückkäufe

Laut der ersten Aus­gabe des „Janus Henderson Global Dividend and Buyback Index“ stiegen die welt­weiten Divi­denden im ersten Quartal 2026 auf 424,5…
Weiterlesen
Investment
Die Renten­märkte sind gestützt durch eine wider­stands­fähige Kon­junktur, solide Unter­nehmens- und Ver­braucher­bilanzen sowie günstige…
Weiterlesen
Investment

von François Rimeu, Chief Strategist, Crédit Mutuel Asset Management

Die allge­meine Ab­schwä­chung der Inflation – die Gesamt­inflation ist im Juni wieder unter 3% gesunken – spricht dafür, dass die Europä­ische…
Weiterlesen
Investment

von François Rimeu, Senior Strategist, Crédit Mutuel Asset Management

Zölle könnten in den kom­menden Monaten erneut zu einem zentralen Markt­thema werden. Obwohl sie nach den starken Markt­tur­bulenzen, die Donald…
Weiterlesen
Investment

von John Kerschner, Global Head of Securitised Products, Janus Henderson Investors

Die jüngste Out­per­for­mance der CLO-Sektoren ist kein Aus­reißer: BBB-CLOs waren nicht nur seit Jahres­beginn (YTD) 2026 der Fixed-Income-Sektor mit…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!