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GOLFINO AG - Interview mit CEO Dr. Bernd Kirsten

Im Frühjahr 2012 hat die GOLFINO AG eine Mittelstandsanleihe im Volumen von 12 Mio. Euro emittiert. Bei einer Laufzeit von 5 Jahren bietet die Gesellschaft einen Kupon von 7,250%. Im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE erläutert CEO Dr. Bernd Kirsten, wie die Mittel aus der Anleiheemission verwendet wurden und gibt einen Ausblick.

BOND MAGAZINE:
Sie haben im Frühjahr letzten Jahres eine Mittelstandsanleihe im Volumen von 12 Mio. Euro emittiert. Wurden Ihre Erwartungen am Kapitalmarkt erfüllt?

Dr. Kirsten: Die Erwartungen wurden übererfüllt. Die Anleihe war in den ersten 90 Handelsminuten überzeichnet. Wir haben uns über das Vertrauen des Kapitalmarkts sehr gefreut.

BOND MAGAZINE:
Wie wurde das Kapital aus der Anleiheemission verwendet und was hat sich seitdem bei GOLFINO getan?

Dr. Kirsten: Das Kapital wurde einerseits in die weitere Expansion investiert, insbesondere im Einzelhandel, andererseits dient es der mittelfristig ausgerichteten Strukturierung des Fremdkapitals.

BOND MAGAZINE: Mit der letzten Frühjahr/Sommer-Kollektion haben Sie neue Labels eingeführt. Wie ist die Kundenresonanz auf die neuen Labels?

Dr. Kirsten: Wir haben keine völlig neue Marke eingeführt, sondern die Kollektion neu gegliedert mit den drei Sub-Labeln White, Green und Black. Ziel ist, damit die Kunden gezielter mit klaren Profilen anzusprechen. White Label ist hoch funktionelle Bekleidung für die Puristen unter den Golfern. Green Label ist Resort Wear, die Funktion und elegante Mode verbindet, während Black Label golfinspirierte Casual Wear auch für Nicht-Golfer ist. Mit letzterem gelingt es uns, neue Kunden im eigenen Einzelhandel zu gewinnen. Dieser Prozess hält an.

BOND MAGAZINE: Sie möchten, insbesondere auch im Ausland, deutlich wachsen. Was hat sich bei der Auslandsexpansion getan?

Dr. Kirsten: Aufgrund der im Folgenden genannten Gründe konnte Golfino seine europäischen Wachstumsziele nicht erreichen. Für den eigenen Einzelhandel gibt es aber weiter noch ungenutzte Potenziale. Vor allem haben wir aber aufgrund der schwachen Entwicklung in Europa den Einstieg in die globale Expansion beschleunigt. So wurden sowohl in China als auch in den USA auf der Grundlage detaillierter Marktstudien Verträge mit kompetenten Generalagenturen abgeschlossen. In den USA wurden Markteintritt und Kollektion begeistert aufgenommen. Dort wird Golfino auch im Einzelhandel direkt investieren. In China stehen die ersten Präsentationen an potenzielle Operating Partner unmittelbar bevor. Dort sollen Golfino Stores von solchen Partnern betrieben werden, während Golfino ausschließlich in die Ware investiert. Durch die Verbindung höchster Qualität mit einer authentischen nicht-chinesischen Marke stößt Golfino in eine Marktlücke. Der US-amerikanische Markt für Golfbekleidung ist fünfmal so groß wie der europäische. Auch in China, das von einer Golfbegeisterung erfasst wird, wird bereits mehr als in Europa verkauft. Es wird damit gerechnet, dass China bis 2020 die USA einholt.

BOND MAGAZINE: Im Geschäftsjahr 2011/12 (zum 30.09.) konnten die Prognosen sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag nicht erreicht werden. Was waren die Gründe dafür?

Dr. Kirsten: Mit einer Exportquote von über 50% ins europäische Ausland wurde Golfino deutlich von der durch die Staatsschuldenkrise ausgelösten Rezession in den meisten Ländern der EU getroffen. Dies war Anfang 2012 so nicht vorherzusehen. Hinzu kam ein miserables Wetter, sowohl im Sommer wie auch im Winter. So spricht man zum Beispiel in Großbritannien, einem wichtigen Markt für Golfino, vom „schlechtesten Sommer seit 100 Jahren“.

BOND MAGAZINE: Wie ist das Geschäft im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres verlaufen?

Dr. Kirsten: Ähnlich wie im Geschäftsjahr davor, und aus den gleichen Gründen. „Die Welt“ vom 20. Juni schrieb: „Das Wetter, das die Modehändler hierzulande gerne als Ursache für alle möglichen Komplikation in die Pflicht nehmen – dieses Mal macht es ihnen das Leben wirklich schwer.“ Während wir 2011/12 im Großhandel noch ein leichtes Plus verzeichnen konnten, ging der Großhandelsumsatz im ersten Halbjahr 2012/13 zurück. Der eigene Einzelhandel erreichte zwar seine Ziele nicht, entwickelte sich aber deutlich positiver als die Benchmark des Umsatzes im deutschen Textileinzelhandel. Laut der Fachzeitschrift Textil Wirtschaft ging dieser zwischen Oktober und März um 6% zurück, während der Golfino-Einzelhandel mit +/-0% zum Vorjahr abschloss.

BOND MAGAZINE: Sind die im Rahmen der Anleiheemission genannten längerfristigen Ziele (Umsatz 2015: ca. 100 Mio. Euro, Umsatz 2020: knapp 200 Mio. Euro) aus heutiger Sicht erreichbar?

Dr. Kirsten: Die von Ihnen genannten Zahlen beschreiben nicht unsere zur Anleiheemission veröffentlichte Umsatzplanung, sondern den geschätzten Wert der verkauften Ware zu Ladenverkaufspreisen. Ein großer Teil unser Umsätze wird mit Einzelhändlern realisiert, an die wir zu Großhandelspreisen fakturieren. Nach heutigem Stand rechnen wir damit, dass unsere Umsatzziele in etwa zwei Jahre später erreicht werden als Anfang 2012 geplant. Wie weiter oben beschrieben, ist das globale Wachstumspotenzial immens.

Das Interview führte Robert Cleve, www.fixed-income.org


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