YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

High-Yield-Anleihen: Vorsicht, Kurve!

von Gregor Taraszow, Senior Portfoliomanager und Analyst High Yield Corporates des Vermögensverwalters BANTLEON

High-Yield-Anleihen stehen derzeit wegen relativ attraktiver Coupons und der Aussicht auf entsprechende Kursgewinne im Fokus vieler Investoren. Aber den Chancen stehen auch Risiken gegenüber, die beachtet werden sollten. »Vor Investitionen in High-Yield-Anleihen ist sowohl auf Emittenten- als auch auf Anleihenebene eine ausführliche Analyse notwendig«, betont Gregor Taraszow, Senior Portfoliomanager und Analyst High Yield Corporates des Vermögensverwalters Bantleon. »Dazu gehört auch ein Blick auf das Chance-Risiko-Profil der Anleihen.«

High-Yield-Anleihen bieten nicht nur höhere Coupons als Top-Staatsanleihen, sondern im aktuellen Umfeld wirtschaftlicher Belebung auch die Chance auf relativ hohe Kursgewinne. Dennoch sollte man auch die negativen Eigenschaften im Blickfeld haben, zum Beispiel die negative Konvexität. Was versteckt sich hinter diesem Begriff? Im Regelfall lassen sich die Chancen und das Risiko von Anleihen bei stark steigenden oder fallenden Zinsen (positiver oder negativer Zinsschock) mit der Duration (durchschnittliche Anleihenlaufzeit) gut abschätzen. Zudem hat die Nutzung der durchschnittlichen Anleihenlaufzeit den Vorteil, dass sie zu konservativen Ergebnissen führt: Kursrisiken werden über-, Kurschancen hingegen unterschätzt. Um die Auswirkungen von Zinsschocks genauer abzuschätzen, kann man zusätzlich die Konvexität, also die Krümmung betrachten. Diese ist in der Regel positiv, weil der Kursgewinn von Anleihen bei einem negativen Zinsschock höher ist als der Kursverlust bei einem betragsmäßig identischen positiven Zinsschock. Dies wird in Abbildung 1 durch die Krümmung der Kurve deutlich. Der tatsächliche Kursverlauf (orange) ist bei jeglicher Zinsentwicklung besser als die Näherung anhand des Konzepts der durchschnittlichen Anleihenlaufzeit vermuten lässt.

Doch High-Yield-Anleihen drohen im andauernden Niedrigzinsumfeld  – symbolisch gesprochen – aus der Kurve zu fliegen, denn bei ihnen kehrt sich der normalerweise positive Effekt der Konvexität oft ins Negative um. Der Grund dafür sind die für High-Yield-Anleihen typischen Kündigungsrechte des Emittenten. Somit steigt bei stark fallenden Zinsen die Wahrscheinlichkeit, dass der Emittent die Anleihe vorzeitig kündigt, um sich am Markt günstiger zu refinanzieren. Der Anleger hat damit ein schlechteres Chance-Risiko-Profil als bei Anleihen ohne Kündigungsoption. Wichtig ist dies, weil zurzeit 271 von 390 Anleihen (70%) des europäischen High-Yield-Universums vorzeitig kündbar sind und davon wiederum 226 (58%) auf Preisniveaus handeln, bei denen von einer vorzeitigen Kündigung ausgegangen werden muss .

Ein extremes Beispiel für die Auswirkungen der negativen Konvexität wird in Abbildung 1 deutlich: So beträgt das Chance-Risiko-Profil des britischen Nahrungsmittelkonzerns Boparan gerade einmal 48%. Das bedeutet, dass der Kursgewinn bei einem negativen Zinsschock nicht einmal halb so groß ist wie der Kursverlust bei einem betragsmäßig identischen positiven Zinsschock. Im Gegensatz hierzu beträgt das Chance-Risiko-Profil einer deutschen Bundesanleihe 106%. Die Chance ist also größer als das Risiko, weshalb man in diesem Normalfall auch von positiver Konvexität spricht. Dadurch, dass die Boparan-Anleihe auf ihren dritten Kündigungstermin im Juli 2019 gepreist wird, ist ihre effektive durchschnittliche Laufzeit nur 2,0. Trotz ähnlicher Laufzeit beider Anleihen steht dies im krassen Gegensatz zur Duration der nicht vorzeitig kündbaren Bundesanleihe von 5,0. Aufgrund des größeren Hebels erklären sich somit die größeren absoluten Kursbewegungen der Bundesanleihe.

Zu guter Letzt wird das Chance-Risiko-Profil dahingehend getrübt, dass bei steigenden Zinsen und/oder  Risikoprämien sich die durchschnittliche Laufzeit der Boparan-Anleihe erhöht, weil die Wahrscheinlichkeit einer günstigeren Refinanzierung für den Emittenten zu den vorzeitigen Kündigungsterminen abnimmt und die Anleihe zum Beispiel auf ihre Restlaufzeit im Jahr 2021 mit entsprechend längerer Duration handelt. Andererseits erscheint es manchen Investoren opportun, auch in solche Emittenten auf überschaubare Zeit zu investieren, die sie auf lange Sicht eher meiden würden. Gerade im aktuellen Zinsumfeld können 1,5% für ein Jahr sehr verlockend sein: Willkommen im Land der Short-Duration-Fonds. Diese unterschiedlichen Vor- und Nachteile veranschaulichen, warum für Investitionen in High-Yield-Anleihen sowohl auf Emittenten- als auch auf Anleihenebene eine ausführliche Analyse notwendig ist.

Doch was verheißt diese Problematik des europäischen High-Yield-Universums für die nächsten Wochen? Für einen kompletten Ausstieg aus der Assetklasse stehen aktuell noch zu viele Ampeln auf Grün: Trotz der historischen Tiefststände der Renditen sind die Risikoprämien noch höher als vor der Finanzmarktkrise, somit wäre hier noch Luft nach oben. Vor allem aber kündigen unsere makroökonomischen und marktechnischen Indikatoren noch keine Gefahren an. Zusammen genommen ergibt sich für uns das Bild, dass wir uns in der letzten Phase des aktuellen Zyklus befinden. Anders ausdrückt: Wir stufen High-Yield-Anleihen von »buy« auf »hold« herab.



http://www.fixed-income.org/   (Foto: © Bantleon)
------------------------------------------------------------------------
FINANZIERUNGSTAG für Immobilienunternehmen
Namhafte Referenten u.a. von Börse München, BVT, Dentons, Exporo, JLL, LEG Immobilien, Quirin Privatbank und sparendo stellen Ihnen die wichtigsten Trends rund um alternative Finanzierungen für Immobilienunternehmen vor. Die diesjährigen Themenschwerpunkte sind: Mezzanine-Finanzierung, Schuldscheindarlehen, Crowdfunding, Unternehmensanleihe und IPO.
http://www.finanzierungstag.com/
------------------------------------------------------------------------

Investment
Die Renditen von Staats­anleihen sind deut­lich gestiegen. Für Bastian Freitag, Head of Fixed Income bei Roth­schild & Co Wealth Manage­ment…
Weiterlesen
Investment

von David Clewell, Co-Portfoliomanager der Multi-Asset Global Income Strategy bei T. Rowe Price

Die 5-Prozent-Marke bei der Rendite 10-jähriger US-Staats­anleihen war für Anleger eine wichtige psycho­logische Schwelle, da diese seit der Zeit nach…
Weiterlesen
Investment

Hohe Einstiegsrenditen von Anleihen können Inflationsverluste abfedern. Niedrige lassen Anlegern dagegen kaum ein Sicherheitspolster.

In Robert Louis Steven­sons Aben­teuer­roman „Die Schatz­insel“ weist eine Karte den Weg zu Reich­tümern. Doch wer ihr folgt, begibt sich oft in…
Weiterlesen
Investment
Der Kupon eines Syndi­cated Loans passt sich laufend an den Referenz­zins an – anders als bei klassischen Unter­nehmens­anleihen mit festem Kupon.…
Weiterlesen
Investment
Weltweit kommt es zu einem Aus­verkauf langfristiger Anleihen, doch die Schwellen­länder folgen nicht dem üblichen Muster. Höhere globale Renditen…
Weiterlesen
Investment

Barometerwert steigt von -25,97 auf -12,30 Punkte

Die Stimmung unter den gewerb­lichen Immo­bilien­finan­zierern ist im dritten Quartal 2026 besser geworden, bleibt aber weiter im deutlich nega­tiven…
Weiterlesen
Investment
Die US-Hyper­scaler ent­wickeln sich in rasan­tem Tempo zu prägenden Emittenten am Unter­nehmens­anleihe­markt. Die aktuelle Studie des Asset Managers…
Weiterlesen
Investment
Die Kosten der Staats­ver­schul­dung sind in den Schlag­zeilen – nicht nur auf den Wirtschafts­seiten, sondern auch auf den Titel­seiten. Als…
Weiterlesen
Investment
Ariel Bezalel und Harry Richards, beide Invest­ment­manager des Jupiter Dynamic Bond, erläutern, warum Schwellen­länder­anleihen in lokaler Währung –…
Weiterlesen
Investment
Libby Cantrill, Head of Public Policy bei PIMCO, kommen­tiert mög­lichen Folgen der Midterm-Wahlen in den USA. So hätte ein Erfolg der Demo­kraten…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!