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„Im Bereich der Digitalisierung sind wir den anderen Unternehmen einen Schritt voraus“, Kamil Kowalewski, VST BUILDING TECHNOLOGIES AG

Die VST BUILDING TECHNOLOGIES AG, ein Anbieter von patentgeschützten Verbundelementen für den Hochbau, konnte im vergangenen Jahr den Umsatz, auch durch Akquisitionen, deutlich steigern. Neben der Expansion in weitere europäische Länder ist die Digitalisierung für VST von großer Bedeutung. Zudem führt das börsennotierte Unternehmen eine kleine Kapitalerhöhung durch. Im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE erläutert Vorstand Kamil Kowalewski die Strategie.

BOND MAGAZINE: Wie war die Geschäftsentwicklung im Jahr 2020?

Kowalewski: Wir haben die Premiumverbund-Gruppe zum 01.07.2019 mehrheitlich übernommen, ebenso wie die Nitra-Gruppe. 2020 waren die Zahlen durch die Übernahmen beeinflusst, da die Unternehmen voll konsolidiert wurden. Der Umsatz ist daher von 41,9 Mio. Euro auf 58,6 Mio. Euro gestiegen. Das ist zum einen auf das Baugeschäft zurückzuführen. Wir sind aber auch mit Verbundelementen gewachsen, die Auslieferung von VST-Verbundelementen an Kunden in Schweden, Dänemark, Deutschland und Österreich hat sich ebenfalls positiv entwickelt. Wir haben auch 2020 auf Expansion gesetzt.

BOND MAGAZINE:
Wie hat sich diese internationale Expansion auf die Zahlen ausgewirkt?

Kowalewski:
In Dänemark haben wir Ende 2019 begonnen zu expandieren, Anfang 2020 auch in UK, Irland und Polen, wobei wir in den drei genannten Ländern beim Ausbruch der Corona-Pandemie auf die Bremse getreten sind. In Dänemark waren wir schon weiter, wir hatten schon Personal eingestellt und wir hatten schon Aufträge akquiriert. Wir konnten in Dänemark fünf Projekte gewinnen, die aktuell gebaut werden. In UK, Irland und Polen wird es noch etwas dauern, wobei wir in Polen auch den ersten Auftrag erhalten haben und gerade die ersten Verbundschalungselemente für ein Wohnimmobilienprojekt liefern. Wir sind auch guter Dinge, dass wir zeitnah in Irland das erste Projekt gewinnen werden. Die Expansion ist natürlich mit Kosten verbunden und man muss einen langen Atem haben. Wir haben 2020 in den vier  neuen Märkten etwa 2,1 Mio. Euro in den Vertrieb und in den Aufbau von Mitarbeitern investiert. Der Markt in Irland wurde von UK aus bearbeitet. Die Kosten haben sich 2020 in der G+V niedergeschlagen, 2021 erwarten wir das natürlich nicht mehr. In Dänemark haben wir schon einige Projekte, daher werden wir im laufenden Jahr schon ein ausgeglichenes Ergebnis haben, in Polen ebenfalls. In Deutschland und Österreich laufen die Geschäfte gut, die Auslastung ist zufriedenstellend. Der Lockdown im Frühjahr 2021 war natürlich nicht förderlich. Denn im Frühjahr beginnt man i.d.R. mit den Projekten. Aufgrund von Reisebeschränkungen gab es im ersten Quartal noch ein paar Verzögerungen.

BOND MAGAZINE: Welchen Umsatzanteil haben Sie 2020 mit Ihren Verbundelementen erzielt und welchen Anteil mit dem Bau, also mit Premiumverbund?

Kowalewski: Wir haben mit Verbundelementen einen Umsatz von rund 8 Mio. Euro erzielt und mit der Bautätigkeit insgesamt einen Umsatz von rund 49 Mio. Euro.

BOND MAGAZINE: Sie hatten die Expansion in andere Länder angesprochen. Bezog sich das auf Ihre Verbundelemente oder auf den Bau?

Kowalewski: In Dänemark möchte der Kunde einen Rohbau. Wir liefern unsere Elemente, montieren diese und errichten den Rohbau. In Polen wollten wir auch Rohbauten anbieten, aufgrund der Corona-Pandemie haben wir uns nach Partnern umgesehen. Wir liefern also die Verbundelemente und die Partner bieten die Montage und die Betonage an.

BOND MAGAZINE: Haben Sie Gewerbeprojekte in der Pipeline, die von der Corona-Pandemie betroffen sind?

Kowalewski: Wir haben ein Hotelprojekt in der Pipeline. Das Projekt wurde Anfang 2020 gestartet und läuft normal weiter. Wir haben auch Studentenwohnheime mit einem Retailbereich im Erdgeschoss in der Vorbereitung, wenn man diese als Gewerbeprojekte bezeichnen möchte. Vom Bautyp sehen wir es eher als Wohnungsbau. Diese Projekte entwickeln sich natürlich auch normal. Sonst haben wir nur Wohnimmobilien in der Pipeline. Alle Projekte laufen weiter. Der Mix hat sich etwas verschoben, bei den neuen Projekten handelt es sich ausschließlich um Wohnbauprojekte. Früher hatten wir immer mal Mixed-use-Objekte oder Hotels, aktuell sind es ausschließlich Wohnprojekte, einschließlich Studentenwohnheimen.

BOND MAGAZINE: Möchten Sie die Expansion in weitere Märkte vorantreiben oder möchten Sie in den neuen Märkten erst einmal mehr Volumen generieren?

Kowalewski: Wir wollen unsere Stellung in den Märkten festigen. Wenn ein Kunde in einem anderen Land ein Projekt realisieren möchte, dann werden wir ihn natürlich auch beliefern. Im Bereich der Digitalisierung möchten wir aber weiter expandieren. Wir sind im Bereich Building Information Modeling (kurz: BIM; deutsch: Bauwerksdatenmodellierung) aktiv, denn die Baustellen werden immer digitaler. Es entsteht immer zuerst ein „digitaler Zwilling“, bevor man mit dem Bau startet. Wir sind gerade dabei alle VST-Elemente zu digitalisieren und mit entsprechenden Attributen zu versehen. Die Software weiß dann, welche beispielsweise statischen Eigenschaften die Wand auszeichnet, welchen Schallschutz oder welchen Brandschutz die Wand hat. Entsprechend entsteht ein intelligentes Modell, bei dem Sie wissen, welche Maße das Projekt hat, wie viel Stahl Sie benötigen und Sie erhalten eine Preisindikation. Und Sie erhalten alle bauphysikalischen Werte. Sie können absehen, ob Sie den Passivhausstandard erreichen oder was noch gemacht werden muss, um den Standard zu erreichen. Aber auch die Dokumentation wird deutlich erleichtert. Das hilft bei Ausschreibungen, beim Einreichen von Dokumenten oder wenn man Zertifikate für Nachhaltigkeitsstandards erhalten möchte. Wir wollen bis zum Herbst alle Produkte in der Software haben und auf allen gängigen Datenbanken platzieren. Die Daten sind für Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Sprachen auch viel leichter zu verstehen als Handbücher. Und Projektentwickler aus anderen Ländern in denen wir gar nicht aktiv sind, könnten in den Datenbanken auf unsere Produkte und Dienstleistungen stoßen und Projekte bei uns anfragen. Wir gehören zu den Vorreitern bei der Digitalisierung wie schon damals mit der automatisierten Fertigung. Im Bereich der Digitalisierung sind wir den anderen Unternehmen einen Schritt voraus.

BOND MAGAZINE: Wie sind Sie von dem Anstieg der Rohstoffpreise betroffen?

Kowalewski: Wir haben Jahresvereinbarungen, sodass die Auswirkungen nicht so groß sind. Einen Preisanstieg spüren wir allerdings bei Stahl. Aber wenn man mit Stahlbeton arbeitet, dann betrifft das alle Unternehmen, es betrifft uns genauso wie die Mitbewerber. Die anderen Produkte sind in Bezug auf den Preis gesichert.

BOND MAGAZINE: Wird sich die Digitalisierung und die Integration von Premiumverbund mittelfristig positiv auf die Margen auswirken?

Kowalewski: Wir haben 2020 trotz Corona ein positives EBITDA erwirtschaftet. Die Integration der Premiumverbund als auch die Expansion hat auf der Kostenseite natürlich zunächst belastet. Die Integration und Optimierung der Kosten ist noch nicht gänzlich abgeschlossen. Die Elementeproduktion läuft auf einem hohen Niveau. Im vierten Quartal 2021 wird unser Werk in Nitra voraussichtlich nahezu voll ausgelastet sein. Wenn die Auslastung nachhaltig ist, könnten wir womöglich auch ein weiteres Werk in Polen errichten. Wir haben uns bereits in mehreren Regionen potenzielle Liegenschaften angesehen.

BOND MAGAZINE: Sie planen eine kleine Kapitalerhöhung. Was ist der Hintergrund?

Kowalewski: Das soll eine klassische Wachstumsfinanzierung sein. Für die Expansion und die neuen Projekte haben wir natürlich einen höheren Liquiditätsbedarf. Wir wollen 100.000 Aktien zu 8,50 Euro je Aktie platzieren. Wir haben ein genehmigtes Kapital, das es uns ermöglichen würde, bis zu rd. 10 Mio. Euro einzusammeln.

BOND MAGAZINE: Wer wird die Kapitalerhöhung für Sie platzieren?

Kowalewski: Einige Family Offices und eine Bank sind auf uns zugekommen. Wir werden diese Kapitalerhöhung selbst platzieren, da wir bereits erste positive Rückmeldungen von Investoren haben.

BOND MAGAZINE: Und welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für Ihr Business?

Kowalewski: Nachhaltigkeit ist für uns ein sehr wichtiges Thema. Wir haben schon sehr viele Passivhäuser realisiert und haben auch einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Wir wurden übrigens auch vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort mit dem equalitA Sigel für innerbetriebliche Frauenförderung ausgezeichnet. Ein solches Sigel haben nicht viele Unternehmen in unserer Branche erhalten.

BOND MAGAZINE: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org
Foto: Kamil Kowalewski
© VST BUILDING TECHNOLOGIES AG


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