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Jupiter AM Marktkommentar: Jetzt die Portfolioqualität erhöhen

von Ariel Bezalel, Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV

Die langfristigen Fundamentaldaten dürften die Zinsen in den USA noch für längere Zeit niedrig halten - auch wenn es in den nächsten Monaten zu einer weiteren Zinserhöhung und Reduzierung der Fed-Bilanz kommen sollte.

Zentralbanken werden künftig die Schlagzeilen beherrschen

Kürzlich sind Details über die Pläne der Fed bekannt geworden, ihre Bilanz vor Ende des Jahres zu reduzieren. Die Ankündigung der Fed zur geplanten „quantitativen Straffung“ wurde von den Märkten weitgehend eingepreist, die materiellen Auswirkungen dieser Reduzierung bleiben jedoch abzuwarten. Es ist schwierig, dessen Auswirkungen genau vorherzusagen, sofern sie tatsächlich eintreffen. Wir gehen jedoch davon aus, dass wir es mit Deflation zu tun bekommen werden mitsamt negativen Folgen für die Wirtschaft. Risikoaktiva, die von der quantitativen Lockerung profitiert haben, dürften ebenfalls betroffen sein.

Ökonomen der Fed hinterfragen interessanterweise allmählich die Gültigkeit der Phillips-Kurve, sprich die inverse Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation, insbesondere da die Inflationszahlen weiter hinter den Erwartungen zurückbleiben. Wir sehen in den Zinserhöhungen lediglich einen Nebenschauplatz der abflachenden Zinskurve: Festzustellen ist, dass sich die Zinskurve während des zweiten Quartals 2017 deutlich abgeflacht hat. Der Renditeabstand zwischen 2-jährigen und 10-jährigen US-Staatsanleihen fiel im Juni auf 80 Basispunkte und lag damit nur knapp über dem Tiefststand von Oktober 2016 nach der Finanzkrise. Grundsätzlich glauben wir, dass diese abflachende Zinsdynamik auf schwaches Wachstum und nachlassenden Inflationsdruck zurückzuführen ist.

Letztendlich werden sich aber die langfristigen Fundamentaldaten durchsetzen. Eine alternde Bevölkerung, die weltweite Überschuldung und die Disruption durch neue Technologien werden die Zinsen auf längere Zeit niedrig halten. Dieses Umfeld macht qualitativ hochwertige Staatsanleihen zur attraktiven Anlageklasse. Ende Februar haben wir die Gesamtduration unseres Jupiter Dynamic Bond SICAV Portfolios auf rund 3 Jahre erhöht, indem wir das Engagement in 10-jährigen und 30-jährigen US-Staatsanleihen verstärkten und die Duration der australischen Staatsanleihe-Positionen verlängert haben. Im zweiten Quartal haben wir die Position der längerfristigen US-Staatsanleihen aufgestockt und die Short-Positionen in deutschen Bundesanleihen reduziert, wodurch sich die Gesamtduration auf etwa 4 Jahre erhöht hat.

USA: Schwächelnder Konsumsektor als Dominoeffekt?

Einige konsumorientierte Sektoren in den USA leiden bereits jetzt unter den nach wie vor schwachen Wirtschaftsdaten, was insbesondere bei den Verkaufszahlen von Fahrzeugen zu beobachten ist. Hierbei handelt es sich um einen wichtigen Sektor der US-Wirtschaft, der 3 Prozent des Gesamt-BIP ausmacht und gleichzeitig der größte Exportsektor des Landes ist. Dies könnte sich zu einem Dominoeffekt auf die gesamte US-Wirtschaft entwickeln. Hinzu kommt, dass US-Banken ihre Kreditvergabestandards verschärfen und die Lohnentwicklung zuletzt enttäuschte. Dadurch geraten die Verbraucher in den USA weiter unter Druck. Außerdem grassiert eine Vielzahl politischer Bedenken: insbesondere bezüglich der Geopolitik und der legislativen Durchsetzungskraft der Trump-Regierung.

Europa: Banken sind die Top-Performer

In Europa könnte es aufgrund der anhaltend starken Fundamentaldaten in der Eurozone auf einen geldpolitisch strafferen Ansatz hinauslaufen. Europäische und britische Banken haben im Jahresverlauf die beste Performance im Fonds erzielt. Die Gründe hierfür sind zahlreich: erfreuliche Geschäftsergebnisse, positive Stresstests, anhaltende Restrukturierungsprozesse, eine positive Stimmung bezüglich der Rekapitalisierungsmaßnahmen italienischer und spanischer Banken sowie die allgemeine Markterwartung, dass die Zinsen mittelfristig steigen dürften. Wir bevorzugen daher weiterhin Bankwerte im Portfolio. Allerdings entschlossen wir uns im Juli zu Gewinnmitnahmen bei einigen der Coco-Anleihen, die zu Höchstkursen gehandelt wurden.

Schwellenländer: Indische Staats- und Unternehmensanleihen als Lichtblick

Die Schwellenländerpositionen haben sich allgemein gut entwickelt und von einem schwächeren US-Dollar profitiert. Wir sind weiterhin in dieser Region aktiv und haben an Neuemissionen aus Weißrussland, Russland, Argentinien, der Türkei, Griechenland und Nigeria partizipiert. Im Jahresverlauf haben wir bei Positionen in Argentinien, Mexiko und Russland Gewinne mitgenommen und gleichzeitig unser Engagement in Indien aufgestockt. Das dortige niedrige Inflationsniveau von unter 2 Prozent erhöht die Wahrscheinlichkeit auf weitere Zinssenkungen durch die Reserve Bank of India. Bereits im August senkte die indisiche Zentralbank die Zinsen um 25 Basispunkte auf 6 Prozent, den niedrigsten Satz seit sechs Jahren. Indische Staats- und Unternehmensanleihen sind unserer Ansicht nach weiterhin ein Lichtblick unter den Schwellenländeranleihen. Trotz einer kurzfristigen Währungsschwäche ist die langfristige wirtschaftliche und politische Lage in Indien günstig und bietet attraktive Renditechancen.

Andernorts haben Indonesien, Brasilien, Russland und erst kürzlich Südafrika die Zinsen gesenkt. Dies lag hauptsächlich am unterdurchschnittlichen Wachstum und einem langfristigen Inflationsrückgang. Für Anleihekurse sollten das positive Nachrichten sein.

Fazit:

Für die nächsten Monate behalten wir unsere vorsichtige und selektive Einstellung für das Portfolio bei, insbesondere angesichts der Risiken, die von einer quantitativen Straffung ausgehen. Die nächsten zwölf Monate könnten für Anleger etwas ungemütlicher werden: Die Zentralbanken werden jetzt versuchen, den sprichwörtlichen „Punch Bowl“ der Liquidität zurückzunehmen. Vor diesem Hintergrund haben wir die Qualität des Portfolios erhöht und seine High-Yield-Gewichtung sowie sein Beta reduziert.

http://www.fixed-income.org/   (Foto: Ariel Bezalel © Jupiter AM)


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