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KI wird zunehmend zu einem Anleihethema - Märkte überfordert mit Bewertung von KI-Unternehmen - UK vor einer Krise?

von Chris Iggo, Chair of the Investment Institute an bei BNP Paribas Asset Management

Chris Iggo © BNP Paribas Asset Management

KI gefährdet Arbeits­plätze und Geschäfts­modelle, und die Märkte sind irritiert. Wie soll man ein Unter­nehmen bewerten, dem Künstliche Intelligenz vielleicht große Schwierig­keiten macht? Zugleich fließt enorm viel Geld in Daten­zentren und Rechen­leistung. Wer in Technologie investiert, muss jetzt stärker differenzieren. Außerdem ist KI mittlerweile nicht mehr nur ein Aktien-, sondern auch ein Anleihen­thema. Die Finanzierung der Künstlichen Intelligenz erfordert immer mehr Fremdkapital.

Störe und zerstöre: KI bewirkt eine beispiellose schöpferische Zerstörung. Etablierte Geschäftsbeziehungen und Geschäftsmodelle sind vielleicht plötzlich nichts mehr wert. Die Märkte erleben das in Echtzeit. Dieses Jahr hat der Software- und Dienstleistungssektor des S&P 500 schon 19,7% verloren (Stand 12. Februar), und der umfassendere Informationstechnologiesektor liegt seit seinem Höchststand am 29. Oktober um 27% im Minus. Nicht anders war es am Anleihenmarkt: Der Spread des US High Yield Technology Index hat sich um 135 Basispunkte ausgeweitet. Die Verluste mancher Aktien und Anleihen waren noch höher, aber in ihren aktuellen Quartalsberichten kündigten die Hyperscaler, die bekannten Cloud-Riesen, erneut höhere Investitionen an. Halbleiterhersteller berichteten unterdessen über starkes Umsatzwachstum. Trotz punktueller Schwierigkeiten hat der Halbleitersektor des S&P 500 dieses Jahr schon um 4,5% zugelegt.

Werden Programmierer überflüssig? KI-Ermöglicher sind ein hochaktuelles Investmentthema. Neue Datenzentren, größere Cloud-Kapazitäten und leistungsfähige große Sprachmodelle bescheren ihnen hohe Umsätze, weil sie die dafür nötige Infrastruktur liefern. Goldman Sachs hat dafür einen speziellen Aktienindex konstruiert, den AI Data Centers and Electrical Equipment Index. Er liegt seit Jahresbeginn um 26,7% im Plus und ist in den letzten zwölf Monaten um über 100% gestiegen. Aber wer durch KI verdrängt werden kann, verfällt in existenzielle Panik. Wenn noch leistungsfähigere KI-Agenten Marketing-, Buchhaltungs-, Rechts- und Personalmanagementaufgaben schneller und günstiger erledigen können als die etablierten SaaS-Anwendungen (Software-as-a-Service), freuen sich die Nutzer über niedrigere Kosten und eine höhere Produktivität. Die alten Anbieter verdienen aber weniger – ein großes Thema der letzten Wochen. Manchen Unternehmen beschert KI höhere Margen, aber für Umsätze und Aktienkurse anderer ist sie ein Desaster.

Aber wie so oft ist es vielleicht doch etwas komplizierter. Noch hält sich die KI-Nutzung in den meisten Branchen in Grenzen, und das Wachstum ist nicht so stark wie bisweilen erhofft. Wenn eine Software in die Unternehmensprozesse integriert ist, lässt sie sich nicht so leicht ersetzen. Wer könnte schon auf Microsoft Office verzichten? Große Softwarehäuser können auf den Wettbewerb durch KI reagieren, indem sie mehr KI-Tools in ihre Programme einbauen. Kundenservice und Geschäftsmodelle beruhen oft auf gewachsenen Strukturen. KI-Agenten können da nicht einfach eindringen und die bisherigen Prozesse durch etwas Neues ersetzen. Es kann also spannend werden. Dennoch gerieten Wachstumserwartungen und Bewertungen von Softwarefirmen zu Recht unter Druck. Noch ist die Entwicklung nicht abgeschlossen, und manche US-Aktien könnten durchaus schwach bleiben. Dabei liegen sie seit Jahresbeginn ohnehin schon hinten. Am meisten hat man mit Aktien in Asien verdient.

Mehr Technologieanleihen: KI verändert aber noch viel mehr. Die Hyperscaler begeben mehr Anleihen, um ihre Investitionen zu finanzieren. Sie werben damit beachtliche Summen ein. Letzte Woche wurde eine Anleihe mit 25 Milliarden US-Dollar und eine weitere mit 20 Milliarden US-Dollar begeben. Ein Hyperscaler emittierte Titel in Schweizer Franken und Pfund Sterling. Technologie entwickelt sich schnell zum Sektor mit den größten Emissionen. Die Ratings sind gut, die Unternehmen brauchen Kapital, und die Nachfrage ist da.

Früher finanzierten sich vor allem stark regulierte Unternehmen wie Banken und Versorger mit Unternehmensanleihen. Jetzt sind es Wachstumsunternehmen. Sie sind oft noch neu, und vielleicht reicht ihr Umsatz am Ende nicht, damit sich die hohen Ausgaben lohnen. Kurzfristig dürfte das aber kein Problem sein, denn die Finanzen der Anleihenemittenten sind gut, und die neuen Titel sind interessant für Anleger, die Wert auf laufenden Ertrag legen. Wer sich für sterlingdenominierte Papiere interessiert, die in den letzten Jahren knapp waren, könnte an der 100-jährigen Anleihe von Alphabet Gefallen finden. Allein durch sie wächst der Markt für extreme Langläufer um 1%, und der Coupon von 6,125% ist ordentlich.

In den USA ist der Spread des ICE BofA Technology and Electronics Bond Index gegenüber Staatsanleihen mittlerweile so hoch wie der des Gesamtmarktes. Zuvor war er zehn Jahre lang enger. Im Euroraum und Großbritannien sind die Spreads von Technologieanleihen noch immer enger als der Marktspread, doch ist der Sektor hier auch sehr klein. Wenn er jetzt wächst, dürften mehr Privatanleger hinzukommen. Sie könnten ihr Engagement in Aktien des vielleicht dynamischsten Wirtschaftszweigs überhaupt um Anleihen ergänzen wollen. Die Sterling-Anleihe von Alphabet ist aus gutem Grund ein großes Thema.

Stellenabbau: KI hat auch große Folgen für den Arbeitsmarkt. Warum sollte man Menschen statt Maschinen beschäftigen, wenn Künstliche Intelligenz schneller ist und Dinge kann, die für unsere Gehirne zu komplex sind? Noch wissen wir aber nicht, wie relevant das wirklich ist. Wir hören von Hochschulabsolventen, die keine Stelle finden, und manche fürchten, dass die neueste Generation der KI-Modelle beispielsweise Rechtsanwaltsfachangestellte und Finanzanalysten überflüssig macht. Im Assetmanagement könnte das für Anleger so wichtige Portfolioreporting größtenteils von Maschinen übernommen werden. Vor der Bekanntgabe des US-Arbeitsmarktberichts für Januar habe ich mir die jährliche Veränderung der Beschäftigung in den einzelnen US-Wirtschaftssektoren angesehen. Die stärksten Rückgänge verzeichneten Computer und Elektrotechnik, Computerentwicklung, Datenverarbeitung und Unternehmensdienstleistungen. Das kann sicher auch an KI liegen. Wahrscheinlich haben Sie eine eigene Meinung dazu, auch aufgrund Ihrer Erfahrungen. Aber gerade Rechtsberatung und Buchhaltung – was KI angeblich so viel besser kann – verzeichneten letztes Jahr mit den höchsten Stellenzuwachs.

Die Konjunktur spricht gegen baldige Zinssenkungen der Fed: Insgesamt war das Beschäftigungswachstum in den USA zuletzt aber schwach. Weder die offiziellen Zahlen noch Haushaltsbefragungen zeigen ein Plus gegenüber dem Vorjahr an. Und doch war der Januar-Arbeitsmarktbericht überraschend gut. Außerhalb der Landwirtschaft wurden 130.000 neue Stellen geschaffen, nach (korrigierten) 48.000 im Dezember. Am Markt hatte man nur mit 65.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote ging von 4,4% auf 4,3% zurück. Die Fed hatte ihren Leitzins letztes Jahr dreimal gesenkt, weil die Geldpolitik zuvor zu restriktiv war und die Arbeitslosenquote stieg (auf 4,0% im Januar 2025). Im Januar 2026 fiel sie dann aber knapp unter die geschätzte NAIRU, also jenen Wert, bei dem sich die Inflationsrate vermutlich nicht ändert. Die Fed könnte ihren Leitzins also noch einige Zeit unverändert lassen. Auch deshalb könnten die Anleihenrenditen, wie schon von Oktober bis Dezember, wieder steigen.

Ganz anders ist es in Großbritannien. Hier ließ das Wachstum Ende 2025 nach, und auch die politische Lage ist wieder unsicherer geworden. Die Bank of England hat recht klar eine Zinssenkung im März angedeutet. Das Wachstum ist schwach, die Regierung ebenfalls, und die Inflation liegt noch immer über dem Zielwert. Trotz günstiger Bewertungen und hoher Realrenditen könnten britische Staatsanleihen unter Druck geraten. Optimisten glauben, dass die Regierung ihre aktuelle Krise übersteht, die Inflation im Januar auf 3% fällt und die Bank of England ihren Leitzins im März auf 3,5% senkt. Wunder gibt es immer wieder 


Performancedaten/Quellen: LSEG Workspace Datastream, ICE Data Services, Bloomberg, BNP Paribas AM, Stand 12. Februar 2026, falls nicht anders angegeben. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf künftige Erträge.

www.fixed-income.org

 

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